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Meinung
Heinz Who?

Heinz Huber
Heinz Huber: Nachfolger von Patrik Gisel.Quelle: © Daniel Ammann, all rights reserved

Elf Jahre sass Heinz Huber in der Geschäftsleitung der Thurgauer Kantonalbank. Jetzt wechselt er zur Raiffeisen. Das ist seine Bilanz.

Kommentar  
Von Sven Millischer
am 20.11.2018

 
Die Raiffeisen Schweiz hat einen neuen Chef. Er heisst Heinz Huber. Und nicht etwa Postfinance-CEO Köng oder Versicherungsmanager Stefan Loacker. Es ist ein Name, der auf keiner öffentlichen Shortlist für den Job als Genossenschaftsboss erschien.

Deshalb: Heinz Who? Der 54-jährige ist gelernter Bankkaufmann und war die letzten vier Jahr Chef der Thurgauer Kantonalbank. Ein Regionalinstitut mit 30 Filialen, 700 Mitarbeitern, einer Bilanzsumme von 22 Milliarden Franken.

Die Bank arbeitet hochprofitabel. Die TKB hat ein Kosten-Ertrags-Verhältnis um die 50 Prozent. Das heisst: Auf einen Franken bleiben gut 50 Rappen in der Kasse der Thurgauer hängen. Das spricht für die Kostendisziplin von Chef Huber.

Hypotheken als Kerngeschäft

Allerdings ist die TKB auch eine Raiffeisen im Kleinen, und zwar von den geballten Risiken her. Wie der Genossenschaftsverbund vergibt auch die TKB in erster Linie Hypotheken. Dreiviertel der Erträge stammen aus dem Zinsdifferenz-Geschäft. Die Höhe der Hypothekarforderungen übersteigt gar jene der Kundengelder. Und sie sind in Hubers Chefjahren nochmals um gut 20 Prozent angestiegen.
 
Der neue Raiffeisen-Chef hinterlässt zwar eine solide kapitalisierte Bank, die hochprofitabel arbeitet, aber eben nur ein starkes Standbein hat. Angesichts steigender Zinsen und rückläufiger Nachfrage nach Wohneigentum stellt sich die Frage, ob ein solch einseitiges Geschäftsmodell wetterfest ist für die Stürme einer Immobilienkrise.

Huber muss sich dies nicht nur für sein altes Institut fragen, sondern auch für seine neue Wirkungsstätte in St. Gallen. Diversifikation tut Not.

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