Am Schluss legte der Investor aus Brasilien noch einmal kräftig nach. Wochenlang hatte Jorge Paulo Lemann mit Banken und Grossaktionären um die US-Fast-Food-Kette Burger King gefeilscht. Mit seinem letzten Angebot demonstrierte er nochmals, wie wichtig ihm die Übernahme der Hamburger-Bratereien ist: 4 Mrd Dollar oder 24 Dollar pro Aktie boten er und seine Investorengruppe - ein Plus von 46% auf den Aktienkurs des ärgsten Konkurrenten von McDonalds zu Beginn vergangener Woche. Noch in diesem Jahr soll Burger King brasilianisch werden.

Der Verkauf der Fast-Food-Kette reiht sich derzeit nahtlos in die lange Liste der Milliardenübernahmen ein, die inzwischen fast schon wöchentlich verkündet werden. Noch vor gut einem Jahr sah die Welt der Investmentbanker, Private-Equity-Gesellschaften und Wirtschaftskanzleien noch ganz anders aus. Denn 2009 war für die Übernahmeexperten ein Horrorjahr. Angesichts von Finanzkrise, Kreditklemme und Talfahrt der Börsen lag auch der Markt für Übernahmen und Fusionen brach.

Im ersten Halbjahr stieg das Volumen der Übernahmen und Fusionen nach Berechnung des Informationsdienstleisters Thomson-Reuters weltweit um 9% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In fast allen Regionen gab es starke Zuwachsraten: Plus 18% in Nord- und Südamerika, plus 7% in Asien, und in Afrika schossen die Werte sogar um 153% in die Höhe.

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BHP Billiton im Vormarsch

Unternehmen aus der Rohstoff-, Pharma- und IT-Branche jagen wieder weltweit nach Übernahmeobjekten. Mitte August etwa verkündete der grösste Bergbaukonzern der Welt, der britisch-australische BHP Billiton, die Übernahme des kanadischen Kaliherstellers Potash. Preis: 38,6 Mrd Dollar.

Selbst der Rohstoffriese BHP kann diesen Preis nur stemmen, weil die Banken sich wieder grosszügiger bei der Vergabe von Krediten zeigen. Allein für die geplan-te Potash-Übernahme stellten sie rund 45 Mrd Dollar an Krediten bereit. Noch während der Finanzkrise hatten selbst solide Unternehmen dagegen extreme Schwierigkeiten, einen langfristigen Kredit über ein paar Dutzend Millionen Euro zu erhalten. Jetzt aber heizt die wieder mutigere Kreditvergabe den Markt neu an. In den Monaten nach der BHP-Offerte legten koreanische und thailändische Minen- und Stahlbetreiber weitere Milliarden-Offerten für Konkurrenten vor.

Ähnlich ist die Situation in der Pharmabranche: Im Januar legte der Schweizer Pharmakonzern Novartis ein 50-Mrd-Dollar-Angebot für den US-Konkurrenten Alcon vor. Die Offerte war der Höhepunkt einer bereits seit zwei Jahren andauernden Konsolidierung in der Branche, die von der Finanzkrise nur kurz unterbrochen wurde. Zuvor hatte der Schweizer Pharmariese Roche rund 44 Mrd Dollar für das US-Biotech-Unternehmen Genentech bezahlt, Pfizer sicherte sich im Frühjahr 2009 für gut 70 Mrd Dollar den US-Konkurrenten Wyeth. Ob sich solche Grossübernahmen auszahlen, ist unter Experten umstritten.

Was Roche und Novartis antreibt

Denn trotz zahlreicher Milliardenübernahmen in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die Zukäufe nur in den wenigsten Fällen gelohnt. So ist in der Pharmabranche der Ausstoss an neuen Medikamenten sogar deutlich zurückgegangen. Wurden von 1988 bis 1992 noch mehr als 200 neue Wirkstoffe entwickelt, waren es von 2004 bis 2008 nur 144 Produkte.

Den Drang zum Kauf von Konkurrenten begründen Pharmafirmen zunehmend mit der Furcht vor Patentverlusten für wichtige Medikamente und damit verbundenen Umsatzverlusten. Durch Übernahmen können sie sich immerhin den Zugriff auf Medikamente sichern. Doch die möglichen Kaufobjekte werden weniger, was die teilweise extrem hohen Übernahmepreise in der Medizinbranche erklärt.

Zwar konzentriert sich der Markt für Fusionen und Übernahmen noch immer auf die Industriestaaten, doch die Schwellenländer holen auf. So tauchen immer mehr Unternehmen aus früheren Entwicklungsländern in den Ranglisten auf der Käuferseite auf. Die Zahl der Übernahmen, die aus Ländern wie Brasilien, China, Indien und Russland heraus getätigt wurden, stieg im 1. Halbjahr 2010 um 25%. Die Firmenkäufer aus Indien stehen mit einem Plus von 85% im Vergleich zum 1. Halbjahr 2009 an der Spitze der Schwellenländerliste.