Mit einem Anteil von rund 40% ist Erdöl der weltweit bedeutendste Energieträger, gefolgt von Erdgas und Kohle. Die drei «fossilen Schwestern» decken heute fast 90% der kommerziell genutzten Primär-energien ab. Schon diese Grössenordnungen zeigen, dass eine rasche, tiefgreifende Veränderung dieser Gewichte wohl kaum realistisch ist. Das fossile Zeitalter wird uns deshalb noch für sehr lange Zeit erhalten bleiben, auch wenn sich die Energieversorgung in den nächsten Jahren weiter verändern wird. Die Vorstellung einer «Energierevolution», dank welcher die fossilen Energien innert kurzer Zeit von einer Welt der erneuerbaren Energieträger abgelöst werden könnten, tönt zwar verführerisch, ist jedoch eine Illusion.

Erdöl noch immer Nummer eins

Auch in der Schweiz decken die Erdölprodukte mit 55% den grössten Teil des Endenergieverbrauchs. Dass der Energiesektor alles andere als statisch ist, lässt sich daraus erkennen, dass 1973/74, also im Zeitpunkt der ersten Ölpreiskrise, der Erdölanteil noch 80% betrug. Seither haben vor allem die verbesserte Energieeffizienz, aber auch der Wettbewerb unter den Energieträgern dazu geführt, dass der Erdölverbrauch der Schweiz in den 30 Jahren konstant geblieben ist, dies trotz dem rasanten Wachstum von Bevölkerung und Volkswirtschaft.

Eine funktionierende und zugleich nachhaltige Energieversorgung muss gleich mehreren Kriterien genügen, unter anderem denen der Wirtschaftlichkeit und der Umweltverträglichkeit. Für ein rohstoffarmes Land wie die Schweiz muss die erste energiepolitische Zielsetzung aber die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit sein. Konkret bedeutet dies, mittels verbesserter Effizienz den spezifischen Energiebedarf zu minimieren und die Nachfrage auf möglichst vielen und breiten Schultern zu verteilen.

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Zur Erreichung dieses ständigen Ziels werden die Erdölprodukte auch in der Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten können. Erstens deshalb, weil die geologische Verfügbarkeit von Rohöl und seinen Endprodukten über sehr lange Zeit hin gewährleistet ist. Laut einer Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) aus dem Jahr 2005 dürfte in den letzten rund 100 Jahren grossmassstäblicher Erdölnutzung zwischen einem Viertel und einem Fünftel der Ölressourcen verbraucht worden sein. Die verbleibende Wegstrecke ist demzufolge noch lang und übersteigt bei weitem die Lebensdauer eines heute gekauften Autos oder einer Ölheizung. Kommt hinzu, dass es technisch ohne weiteres möglich ist, auch Kohle, Erdgas oder biogene Rohstoffe zu verflüssigen und dem «klassischen» Erdöl beizumischen.

Geologische Verfügbarkeit

Welche Ressourcen tatsächlich genutzt werden, ist deshalb weniger eine Frage der geologischen Verfügbarkeit als der «menschgemachten» Investitionsbedingungen. Die globale Nachfrage wird nach überwundener Wirtschaftskrise wieder steigen, wenn auch nicht in den OECD-Ländern.

Die Zukunft des Erdölgeschäfts hängt ab vom Willen und der Bereitschaft der Erdölförderländer sowie der Öl- und Gasunternehmen, «neues» Öl zeitgerecht auf den Markt zu bringen. Über, nicht unter dem Boden liegen die heutigen Herausforderungen für die Energiewirtschaft. Beruhigend sollte auch die durch Erfahrung erhärtete Erkenntnis wirken, dass Produzenten, unabhängig von ihrem politischen System, letztlich nur an einem interessiert sind - am «business as usual» mit den Konsumenten und an einer Optimierung ihrer Einkünfte.

Vor diesem Hintergrund wird man der Erdölversorgung der kommenden Jahre sowohl im weltweiten Zusammenhang als auch bezogen auf die Schweiz positiv entgegenblicken dürfen. Der positive Ausblick erfreut zunächst die Brennstoffkunden: Während in den industriellen Prozessen Erdölprodukte heute nur noch relativ marginal vorkommen, ist im Raumwärmebereich die Bedeutung der Ölheizungen mit einem Anlagenbestand von ca. 750000 bis 800000 Anlagen nach wie vor bedeutend und dürfte in der Nähe von 50% Marktanteil liegen. Im letzten Jahr wurden rund 23000 Ölkessel und -brenner verkauft, eine stattliche Zahl, welche beweist, dass die moderne Ölheizung ihren Platz im Wärmemarkt behaupten kann.

Lagerung des Heizöls als Vorteil

Die relativ neue Brennwerttechnik, die einen maximalen Wirkungsgrad und damit eine massive Verminderung des Energieverbrauchs (und der Emissionen) bewirkt, wird in einigen Jahren die konventionelle Ölheizung verdrängen. Die Lagerung des Heizöls, die deswegen hohe Flexibilität bezüglich Zeitpunkt des Öleinkaufs und die in der Regel hohe Wirtschaftlichkeit der Ölheizung bleiben auch in Zukunft entscheidende Argumente. Das vom Wettbewerb und von Politikern gerne verwendete Totschlagargument «CO2» dürfte spätestens dann auch im Publikum hinterfragt werden, wenn die Einsicht zunimmt, dass Strom für Wärmepumpen wegen der zunehmenden Importe aus fossilen Kraftwerken sehr wohl CO2-haltig ist.

Im Mobilitätsbereich sind die Alternativen zu den klassischen Verbrennungsmotoren heute weit weniger fassbar. Die Verstromung der Mobilität ist in erster Linie eine PR-Idee der hiesigen Stromwirtschaft und dürfte primär von der Diskussion um neue Kraftwerke getrieben sein. Auch im Transportwesen geht der Trend klarerweise in Richtung effizienterer Motoren (Downsizing) und/oder hybrider Konzepte. Aber auch da wird noch über sehr lange Zeit ein Verbrennungsmotor am Beginn der Energieumwandlung stehen. Die Erdölwirtschaft richtet sich deshalb global auf eine markante Erhöhung der Treibstoffnachfrage ein, vor allem in den Nicht-OECD-Ländern. Für Länder wie die Schweiz dürfte der «peak demand» bei den Treibstoffen allerdings bald überschritten sein.