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Heizungsmarkt: Ölpreis heizt das Geschäft an

Wenn der Ölpreis steigt, freut das die Hersteller von Wärmepumpen. Die Nachfrage ist 2005 um 20 Prozent gestiegen. 300 Millionen Franken wurden umgesetzt.

Von Pirmin Schilliger
am 29.11.2005

Bei den Wärmepumpen ist der Durchbruch da», erklärt Pirmin Frei, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Wärmepumpen (AWP). Tatsächlich setzen bei den 2005 neu errichteten Einfamilienhäusern fast zwei Drittel der Bauherren auf Wärmepumpen. Die einstige Alternative zur traditionellen Ölheizung hat ihr Müeselipicker-Image abgestreift. Selbst nüchterne Rechner haben die Vorteile der Wärme aus Boden, Luft und Wasser entdeckt. «Teuerungsbereinigt fährt einer mit einer Erdsonde-Wärmepumpen-Heizung in den nächsten 25 Jahren um 50% billiger als mit einer Ölheizung», argumentiert Frei auf der Basis des aktuellen Erdölpreises.
Erneuerbare Energien trugen bisher, abgesehen von der Wasserkraft, nur bescheiden zur Energieversorgung bei: Brennholz kam 2004 auf einen Anteil von 2,7%, Energie aus Sonne, Wind, Biomasse und Umgebungswärme zusammengerechnet auf 1%. Doch mit den aktuellen Erdölpreisen scheint sich das Blatt zu wenden, vor allem beim Heizen.
*Wachstum von 30 Prozent*
Rund 12000 (+20%) neue Wärmepumpen-Heizungen werden in diesem Jahr in der Schweiz installiert. In Mehrfamilienhäusern ist gar ein Wachstum von 30% zu verzeichnen. Auch bei Renovationen wird die Technik zusehends zum Thema, dank spezifischen Sanierungswärmepumpen. Solche hat etwa die Satag Thermotechnik in Arbon im Programm. Satag ist eine Tochter des deutschen Heizungsgiganten Viessmann. Sie gehört mit einem zweistelligen Marktanteil zu den Grossen der Branche. Und sie hat, wie viele traditionelle Produzenten von konventionellen Ölheizungen, inzwischen die ganze erneuerbare Palette im Angebot. «Wir setzen mit steigendem Erfolg neben den Wärmepumpen auch thermische Sonnenkollektoren und Holzpellets-Feuerungen ein», sagt Satag-Chef Hansueli Bruderer.
Insgesamt dürfte die Branche mit Wärmepumpen in diesem Jahr über 300 Mio Fr. umsetzen. An Konkurrenz mangelt es nicht. Auf dem Schweizer Markt sind mit Vaillant und Stiebel Eltron weitere grosse deutsche Hersteller präsent. Letzterer hat seine Wärmepumpenproduktion eben um 60% erhöht. «Nebst den Ölpreisen haben auch die Hochwasserschäden die Nachfrage angekurbelt, weil viele überschwemmte Heizungen vorzeitig erneuert werden mussten», erklärt Christian Parrat, Leiter Innendienst von Stiebel Eltron.
Vom Nachfrageboom profitieren auch rund zwei Dutzend Schweizer Spezialisten, so etwa - um ein paar Bekanntere zu erwähnen - die CTA in Münsingen, die KWT Kälte- und Wärmetechnik in Belp oder der Bohrspezialist Frutiger in Uetendorf.
*Ein Heizwunder mit Holz*
Für einen schier unglaublichen Schub bei den Holzfeuerungen sorgen neuerdings die Pellets: Presslinge aus Sägemehl mit hervorragender Ökobilanz, die in den entsprechenden Kesseln und Öfen ein vollautomatisches Heizen mit Holz erlauben. Im letzten Jahr wurden erstmals über 1000 Kessel installiert, 2005 dürften rund 3000 Pellets-Feuerungen in Einfamilienhäusern gebaut werden. «Kräftig angezogen hat auch die Nachfrage nach Cheminées, Schwedenöfen, Stückholz- und Schnitzelfeuerungen», sagt René Gschwind, Chef der gleichnamigen, auf erneuerbare Energien spezialisierten Heiztechnikfirma in Obergösgen AG. Das KMU mit seinen 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ertrinkt im Moment geradezu in Aufträgen.
Ähnliches gilt auch für die Schmid AG in Eschlikon TG. Die Firma mit 140 Beschäftigten und einem Umsatz von 36 Mio Fr. hat die Entwicklung der Holzfeuerungstechnik an vorderster Front mitgeprägt. Bei den grösseren Anlagen (ab 160 kW) ist das Familienunternehmen, das 60% seines Umsatzes im Ausland tätigt, klarer Marktführer.
«Unser Business ist zwar momentan sehr hektisch, aber wir können die Lieferzeiten immer noch in einem vernünftigen Rahmen halten», sagt Marketingleiterin Natalie Schmid. Auf die Herstellung von Pellets- und weiteren energieeffizienten Heizkesseln konzentriert sich die Liebi LNC AG in Oey-Diemtigen BE. Vorgelagert zur Industrie profitieren zudem Dutzende von Planungsbüros und gewerblichen Installateuren, die sich auf die erneuerbaren Technologien spezialisiert haben.
Insgesamt dürften 2005 in neue Holzfeuerungen rund 300 Mio Fr. investiert werden, eine ähnliche Summe also wie für Wärmepumpen. Weitere 50 bis 100 Mio Fr. kosten die Holzbrennstoffe. «Über 8000 Arbeitsplätze hängen an der Holzenergie», skizziert Christoph Rutschmann, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz, die wirtschaftliche Bedeutung der Branche.
*Maschinen laufen am Limit*
Mit dem Boom der Holzfeuerungen öffnen sich neue Produktionszweige. So hat die AEK Energie AG, eigentlich ein traditioneller Stromversorger am Jurasüdfuss, vor zwei Jahren in Balsthal eine Pellets-Fabrik aus dem Boden gestampft. Diese ist jetzt voll ausgelastet und vermag mit 26000 t die aktuelle Nachfrage gut zur Hälfte abzudecken. Bereits ist für 2007 eine weitere Fabrik mit einer Kapazität von 80000 t in Luterbach SO geplant. Nebst der AEK sind auch verschiedene kleinere Anbieter ins Pellets-Geschäft eingestiegen.

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