PRODUKTIONSVERBUND. Das zu Samas – einem der weltweit grössten Büromöbel-Anbieter – gehörende Rheintaler Unternehmen Sitag hat sich bereit erklärt, die Vorreiterrolle für eine neue Soft- und Hardwarelösung für den gesamten Konzern zu übernehmen.

Mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit beschreibt Sitag-Geschäftsführer Toni Lee den schwierigen Weg zum Ziel, nicht kompatible Systeme, verschiedene Marktauftritte und unkoordinierte Beschaffungs- und Entwicklungs-praktiken zu vereinheitlichen. Noch ist man nicht ganz dort, wo die schwarzweisse Fahne geschwenkt wird, aber die Fortschritte sind frappant. Und Lee zeigt auch auf, wo es immer noch Klippen zu umschiffen gilt.

Sparen dank Collaboration

Von den Bemühungen der in diesem Projekt federführenden Sitag versprechen sich die Verantwortlichen Einsparungen in Millionenhöhe, wie im Rahmen einer Veranstaltung der Erfa-Gruppe PIM Produktions- und Informationsmanagement der ETH Zürich, Zentrum für Unternehmenswissenschaften (BWI) aufgezeigt wurde.Zwar sind die zehn Produktionsstätten in Holland, Deutschland, Frankreich, der Schweiz sowie in Ungarn und der Slowakei technisch auf dem neuesten Stand. Aber vor dem Start des Projektes «Harmony» – so nennt sich diese Herkulesarbeit – bot nur schon ein Blick des von Lee präsentierten konzernweiten Dokumentenflusses ein Bild des Schreckens: Sämtliche Datenflüsse unter den Samas-Werken und Vertriebsgesellschaften wurden per Post und Fax abgewickelt! Die Liste der Problemstellungen könnte endlos verlängert werden. Weder die Soft- und Hardware waren kompatibel, nicht zu reden von einer Koordination bei der Beschaffung oder beim Kundenmanagement und der Logistik.

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Alles für alle

Nebst den vielen Zielen, die man sich mit «Harmony» gesetzt hat – etwa einheitlicher Auftritt, Trennung von Produktion und Verkauf, Kosteneinsparungen im IT-Bereich und weniger Intercompany-Transaktionen –, stand vor allem der Wunsch, alle Produkte und Dienstleistungen der Gruppe jedem Kunden weltweit anbieten zu können. Toni Lee skizziert, was hinter den Kulissen geschieht, damit beispielsweise ein Stuhl aus dem Werk in den Niederlanden und ein Tisch aus der deutschen Produktionswerkstätte in Sennwald ankommen, wo sie von der zuständigen Verkaufscrew an den Endkonsumenten weitergeleitet werden. Dafür, dass der Produktionsverbund innerhalb der Samas einwandfrei und möglichst rasch operieren kann, ist eine ausgeklügelte Softwarelösung unabdingbar. Die Wahl fiel auf SAP.Und so funktioniert die komplexe Struktur, mit der alle relevanten Produktions-, Dienstleistungs- und Geschäftsvorgänge erfasst werden: Die sogenannten Country-Business-Einheiten, CBE, in Holland, Deutschland, Frankreich und der Schweiz sind einerseits eine Drehscheibe für sämtliche Lieferanten und Kundenbeziehungen und andererseits für die Verkaufs-Departemente sowie für alle Zollabfertigungs-Formalitäten. Sämtliche Bestellungen, Lieferungen, Rechnungen und alle damit verbundenen Serviceleistungen laufen datenmässig im Herzen dieses Gebildes, dem CBE, zusammen.Für Lee und seine Crew galt es nun, zusammen mit IT-Spezialisten, alle entsprechenden Datenflüsse zu vereinheitlichen und so zu konzipieren, dass möglichst keine Doppelspurigkeiten, Redundanzen und unnötige Verästelungen entstehen. Jeder Prozess musste möglichst standardisiert werden. Das bedeutete etwa das Anlegen von einheitlichen Positionsdaten in allen SAP-Vertriebsdokumenten und generell das Anlegen von Datenpools, auf die alle Involvierten im gesamten Konzern jederzeit Zugriff haben und sich orientieren können. Das sind beispielsweise Informationen über Lagerbestände, Listenpreise, aber auch über Entwicklungsprojekte.Obwohl Endkunden letztlich nichts von all den Anstrengungen hinter der Bühne wissen, auf den ihnen die neuesten Modelle präsentiert werden, profitieren sie doch davon, weil die Rationalisierung entlang der ganzen Wertschöpfungskette – angefangen von der Beschaffung über die Produktion bis hin zur Auslieferung – nicht nur Preisvorteile für die Sitag, sondern vor allem auch für sie bringen.

Enorme Probleme

«Sie können sich auf die gleich einfache Weise mit Samas-Produkten eindecken. Das gilt speziell für Stahlmöbel, die wir nicht selber herstellen», sagt Lee, der aber nicht verhehlt, dass die anfänglichen Probleme enorm waren. Das gilt für das Training der Mitarbeiter, für das Data cleansing, für die Implementierung der Hardware genauso wie die ständige Anpassung an länderspezifische Gegebenheiten und Fluktuationen beim Beraterteam. «Aber etwas vom Schwierigsten war, die Mitarbeiter immer wieder zu motivieren und ihnen den Glauben an ‹Harmony› einzupflanzen.»

CBE