«Widerstand gegen die Schweizer Heuschrecke» titelte «Handelszeitung Online» vor drei Wochen, als der Verkauf des deutschen Versandhändlers Hess Natur an einen Fonds der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis publik gemacht hatte. Kunden und Mitarbeiter liefen Sturm - doch nun ist das Geschäft in trockenen Tüchern: Die Kartellbehörden in Deutschland und in Österreich haben die Übernahme genehmigt.

«Capvis ist seit dem 25. Juni 2012 alleinige Gesellschafterin der Hess Natur-Textilien GmbH», heisst es in der heute versandten Mitteilung. Der Kaufvertrag wurde bereits Ende Mai unterzeichnet. Als der Deal damals in Deutschland  durchsickerte, formierte sich Widerstand. Mitarbeitende und Kunden schossen nicht zuletzt über die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter scharf gegen den neuen Eigner aus Zürich.

Die Globalisierungs-Kritiker von «Attac» bezeichnen den Verkauf als «Schlag ins Gesicht der engagierten Kunden und Beschäftigten». Die Verkäufer von Hess Natur hätten offensichtlich nichts gelernt. «Der Verkauf an einen reinen Finanzinvestor ist inakzeptabel und steht in Widerspruch zu dem sozialen und ökologischen Unternehmensmodell.» Bereits Ende 2010 wurde «Attac» gegen einen geplanten Verkauf an Carlyle aktiv - und hatte Erfolg.

«Wir saugen das Unternehmen nicht aus», konterte Capvis-Mann Simon die Vorwürfe. So sei etwa der Ausbau des Filialnetzes in Deutschland geplant. Die Leser von «Handelszeitung Online» trauen diesem Versprechen nicht: «Ein Blick in die Geschichte von Capvis zeigt, dass die Investitionen in der Regel innerhalb von 3 bis 5 Jahren wieder weiterverkauft werden», schreibt Andrey Albrecht.

(vst/aho)

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