Bruno G. Rüttimann war 20 Jahre in leitender Funktion in der Aluminium-Industrie tätig und berät heute Institutionen und Unternehmen. Er unterrichtet Lean Six Sigma an der ETH Zürich. In einem viel beachteten Referat anlässlich der «Aluminium 2010» in Essen legte Rüttimann die tief greifenden Strukturveränderungen der Branche dar, die sich von einer Industriestruktur, charakterisiert durch vertikal integrierte, multinationale Unternehmen, hin zu einer vorwiegend horizontalen Konzentration von Firmengruppen auf einer Wertschöpfungsstufe entwickelt hat.

In den Anfängen der damals jungen Aluminium-Industrie lag gemäss Rüttimann das ganze Know-how in den Händen weniger Spezialisten. Produzenten, die den Markt entwickeln wollten, mussten selber Legierungsentwicklung, Verarbeitungsverfahren und Anwendungstechniken fördern, um die «Metallpumpe» am Laufen zu halten.

Die heutige Globalisierung verlange eine völlig andere Strategie als die vor 50 Jahren vorherrschende Praxis, als noch die technologische Gesamtkompetenz im Vordergrund stand und der Kunde das bekam, was angeboten wurde. Heute bestimmen zwei Dimensionen die Logik der Aluminium-Industrie: Einerseits sind dies die global agierenden Kunden und anderseits das Schaffen und Nutzen von Synergien zur Sicherung der Wettbewerbsposition in einem immer anspruchsvoller werdenden Marktumfeld.

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Neue Chancen in der Schweiz

Die hiesige Alu-Industrie, Pionier und lange Zeit führendes Mitglied der globalen Alu-Industrie, wurde durch die Strukturänderungen der Branche stark betroffen. Blicken wir kurz zurück: 1888/89 wurde die AIAG in Neuhausen am Rheinfall (später Alusuisse) gegründet und die erste Aluminium-Hütte in Betrieb genommen. Seither hat die Alu-Industrie auch in der Schweiz eine unglaubliche Entwicklung und Transformation durchlaufen. Die kostengünstigen Stromtarife im Wallis - bedingt durch die bereits bestehenden Wasserkraftwerke - haben das Wachstum der Aluminium-Industrie favorisiert (Chippis, Martigny, Steg). Neben der Rohaluminium-Produktion wurde früh die Weiterverarbeitung des Metalls gefördert. Heute sind alle Elektrolysen geschlossen; auch die Halbzeugproduktion hat beträchtliche Änderungen durch Konzentration und die Produktion von Spezialitätenerzeugnissen erfahren.

Ein Beispiel für die veränderte Angebotspalette liefern die Walliser Betriebe von Alcan Engineered Products, die heute als führende Anbieter von Grossprofilen für den Transportsektor (Bahn-, Bus- sowie Schiffbau) und Hartlegierungsplatten für die Industrie, die Medizinaltechnik und die Luftfahrt im Weltmarkt auftreten.

Industrielle Innovation ist allerdings ohne gezielte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit undenkbar. Dementsprechend geniesst bei Alcan Engineered Products die Arbeit der Ingenieure und Forscher hohe Priorität. Im Mittelpunkt steht dabei das französische Forschungszentrum Voreppe in der Nähe von Grenoble mit 360 hochqualifizierten Mitarbeitern. Ziel ist es, den Fahrzeugherstellern im Werkstoffwettbewerb zwischen Aluminium und anderen Materialen beziehungsweise Verfahren einen nachhaltigen Mehrwert anzubieten. Zudem übernimmt das Forschungszentrum Voreppe die Pilotproduktion, wenn in den Fertigungsbetrieben von Alcan Engineered Products neue Verfahren eingeführt werden.

Enge Zusammenarbeit mit Hochschulen

Auch die enge Zusammenarbeit mit Hochschulen ist für die Ingenieure, Wissenschaftler und Spezialisten von Alcan Engineered Products von grosser Bedeutung. Dabei steht zunehmend die interdisziplinäre Kooperation im Vordergrund; es gilt, technologische und wirtschaftliche sowie ökologische Kompetenzen zusammenzuführen. Die Ernennung von Professor Francesco Stellacci zum Ordinarius an der ETH in Lausanne (EPFL) erfolgte im Rahmen eines auf mehrere Jahre ausgelegten Kooperationsabkommens zwischen Alcan Engineered Products und der EPFL, zu dem auch das Programm Innovation Cells im Science Park der EPFL gehört.