Lange galt der Gipfelikonzern Hiestand als Übernahmekandidat. Diesen Montag wurde nun klar: Es gibt – sofern die Aktionäre beiderseits zustimmen – keine Übernahme, sondern eine Fusion mit dem bisherigen Grossaktionär, dem irischen Nahrungsmittelhersteller IAWS. Die neu als Aryzta auftretende Backwarengruppe bewegt sich in einem Wachstumsmarkt: Die Nachfrage nach Convenience-Backprodukten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Marktstudien gehen von jährlichen Zuwachsraten von 5,7% im EU-Raum aus. Das ist deutlich höher als das allgemeine Backwaren-Wachstum von 4 bis 5%.

Bei Hiestand schlägt sich die Prosperität nieder in einem Umsatzplus von 43% auf 740,7 Mio Fr. im vergangenen Geschäftsjahr und einem zweistelligen Wachstum in den ersten Monaten 2008. IAWS profitierte von Übernahmen im Tiefkühlbackwarengeschäft: Die Nahrungsmittelsparte erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr mit 1 Mrd Euro mehr als die Hälf-te des Gruppenumsatzes und über drei Viertel des Gewinnes.

Grösse als Vorteil

Mit einem hochgerechneten Gesamtumsatz von rund 3,8 Mrd Fr. kann Aryzta von ihrem Grössenvorteil im stark fragmentier-ten Markt profitieren. In Euro- pa sind nur mehr der schwedi-sche Lantmännen-Konzern mit einem Gruppenumsatz von 6 Mrd Fr. sowie die niederländische CSM mit einem Umsatz von 4 Mrd Fr. Konkurrenten von ebenbürtiger Grösse. Was den US-Markt betrifft, so ist die IAWS dort gut etabliert.

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«Der Grössenvorteil macht ein Debakel wie die fehlgeschlagene Expansionspolitik von Hiestand zu Beginn des Jahrtausends wenig wahrscheinlich», glaubt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Damals war Hiestand eine Nummer zu klein, um die Welt zu erobern. Heute ist die Ausgangslage besser: Die geografischen Aktivitäten von Hiestand und IAWS ergänzen sich optimal. IAWS ist in den USA, Grossbritannien, Irland und Frankreich tätig. Hiestand beliefert die Schweiz, Deutschland, Österreich, Polen, die Türkei, Malaysia, Japan und Australien.

Ergänzungspotenzial gibt es auch bei den Unternehmensprozessen: «Hiestand hat eine hohe Fertigungstiefe, wogegen IAWS in Europa etwa 70% der Produktion zukauft», sagt Urs Diethelm, Analyst bei Sal. Oppenheim.

Selbst eine allgemeine Verschlechterung der Wirtschaftslage dürfte Aryztas Wachstumspläne nicht durchkreuzen: «Bislang konnten die steigenden Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise gut weitergegeben werden. Im Fall einer Wirtschaftsabkühlung rechne ich damit, dass sie sogar wieder sinken», meint Schwendimann.