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Technologie
Highspeed am Berg: Sunrise errichtet 5G in einem Skiresort

Sunrise 5G-Antenne
5G-fähige Antenne auf dem Crap Sogn Gion in Graubünden: Schnelle Datenübertragung auch am Gipfel. Quelle: ZVG

Der Wettkampf um 5G läuft heiss. Sunrise hat das erste Skiresort weltweit mit der Technik ausgerüstet. Was der Konzern sich davon erhofft.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 27.11.2018

Sunrise hat in Laax das erste 5G-Netzwerk weltweit in einem Skigebiet lanciert. Zwar gab es in Südkorea bereits erste Tests während der Olympischen Winterspiele 2018, das Sunrise-Netzwerk wird aber auf Dauer eingerichtet. «Dafür brauchen wir natürlich noch die entsprechende Lizenz», sagt Sunrise-Chef Olaf Swantee.

5G im Skigebiet, das bedeutet derzeit: ruckelfreie TV-Übertragung in hoher Auflösung auch in Höhen von mehr 2200 Metern. «Für uns ist es interessant, 5G in einem Gebiet zu implementieren, das schwieriger zu erschliessen ist, weil es zum Beispiel nicht überall Glasfaseranbindung hat», sagt Swantee. Das Sunrise-Netzwerk in Laax läuft derzeit mit einer Testlizenz, ähnlich wie die Swisscom-Tests in Burgdorf. Der Ort in Emmental mit rund 15’000 Einwohnern ist die erste Gemeinde in der Schweiz, in der 5G erprobt wird. Sunrise dagegen erprobt das erste Skigebiet, eine Antenne gibt es bereits in Zürich-Oerlikon, nahe des Hauptsitzes. Wie die Swisscom in Burgdorf verspricht sich auch Sunrise Lerneffekte von dem Test auf dem Gipfel. «5G in Laax soll künftig auch kommerziell nutzbar sein», sagt Swantee. Er sei sich sicher, dass künftig touristische Anwendungen entstehen. «Konkret bedeutet es aber zunächst einmal: schnelle mobile und lückenlose Internetanbindung auch hoch oben im Berg.»

Debatte um Strahlengrenzwerte

Tatsächlich könnte sich die Internetanbindung in den Bergregionen in den kommenden Jahren sogar besser entwickeln als in den Schweizer Städten - sollten die Auflage für die Strahlengrenzwerte nicht gelockert werden. Denn mit den heutigen Grenzwerten müssten die Anbieter die Zahl der Antennen aufstocken, um 5G einführen zu können. Das ist in städtischen Gebieten aber keineswegs einfach. «Die Entscheidung, an den Grenzwerten festzuhalten, ergäbe keinen Sinn und würde 5G praktisch verhindern», sagt Swantee. Er befürchtet auch, dass die Schweiz dann im internationalen Wettbewerb bei der 5G-Einführung schwerer mithalten kann. «Die asiatischen Länder haben andere Vorgaben. Sie können darum schon vieles umsetzen. Da muss die Schweiz aufpassen.»

In China laufen derzeit schon 5G-Tests in Millionenstädten, die landesweite Einführung ist bis Ende 2019 geplant. Auch die Schweiz möchte international zu den ersten Ländern zählen, in denen die 5G-Einführung gelingt. Davor steht allerdings die Versteigerung der notwendigen Frequenzen, die für Anfang 2019 erwartet wird. Sunrise und Salt sehen sich hier benachteiligt, die starke Marktstellung der Swisscom würde die Auktion gestärkt. «Es wäre sehr schade, wenn wir bei der Einführung von 5G keinen Wettbewerb hätten, weil ein Anbieter den Grossteil der Frequenzen auf sich vereint.»

5G als Technologie verspricht nicht nur eine bis zu 100mal schnellere Datenübertragung bei der Handy-Nutzung. Für die Videoübertragung aufs Mobilgerät zum Beispiel ist auch 4G bereits ausreichend. Das wahre Potenzial sehen Anbieter im Ausbau des Internet of Things. Sunrise nutzt zwar auch hier bereits 4G-Verbindungen, um zum Beispiel Tesla und Postautos während der Fahrt zu verbinden.

Selbstfahrende Autos erst mit 5G möglich

Wenn der Ausbau von 5G gelingt, erschliessen sich noch andere Möglichkeiten. Die Latenzzeiten – die Verzögerung in den Übertragungsraten – werden mit 5G auf ein Niveau sinken, die zum Beispiel selbstfahrende Fahrzeuge erst möglich machen. Denn in einem Fahrzeug mit Autopiloten ist die Stabilität und Geschwindigkeit der Datenverbindung lebenswichtig, hier ist 4G noch nicht ausreichend.

Gleichzeitig ermöglicht 5G, dass mit der gleichen Infrastruktur sehr viel mehr Datenpunkte bedient werden. Da die Zahl der mit dem Internet verbundenen Geräte  laut Statista bis 2025 auf gut 75 Milliarden ansteigen soll - mehr als dreimal so viele wie heute - ist 5G auch wichtig, damit die entstehenden Datenmengen verarbeitet werden können.

Auch wenn Sunrise heute den 5G-Mast auf dem Gipfel des Crap Sogn Gion einweihte, fehlen noch viele Schritte, bis 5G Alltag wird. Bisher zum Beispiel sind die wenigen 5G-fähigen Smartphones klobige Klötze, die an Anfang der Neunziger Jahre erinnern. Erste marktfähige Geräte werden für das kommende Jahr erwartet, die Schweiz will bis 2020 erhebliche Fortschritte bei der Versorgung mit 5G machen.

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