Ein bedeutender Kostenfaktor im Aluminium-Strangpressen, insbesondere beim schnellen Wechsel komplizierter, kurzfristiger Aufträge mit kleinerer Stückzahl, ist der manuell aufwendige und ausschussanfällige Produktionsanlauf. Weil es aber genau diese anspruchsvollen Auftragsarten sind, bei denen Schweizer Unternehmen im harten Wettbewerb mit günstigeren Industriestandorten gute Konkurrenzchancen haben, kommt der produktionstechnischen Lösung dieses Problems besondere Bedeutung zu.

EINE HOHE PROZESSKONTROLLEÉ

In dieser Hinsicht besitzt die neue Strangpresslinie der Alu Menziken Extrusion in Reinach Vorbildcharakter für die industrielle Verarbeitung von Aluminium. Die Presse, das Kernstück der ganzen Anlage, generiert einen maximalen Druck von 3500 t. Die einzelnen Komponenten der Peripherie ­ und darin liegt die eigentliche Innovation ­ sind so ausgewählt und aufeinander abgestimmt, dass eine hohe Flexibilität bei häufig wechselnden Pressaufträgen erreicht wird. Diese Anlagenausrichtung ermöglicht kürzeste Durchlaufzeiten, gesteigerte Effizienz und damit attraktive Lieferfristen. Die Erfassung aller relevanten Parameterdaten vor, während und nach dem Pressvorgang verleihen der Anlage eine sehr hohe Prozesskontrolle.

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Die bei komplexen Strangpressprofilen oft schwierige Reproduzierbarkeit gehört dank der zur Verfügung stehenden Prozessdaten der Vergangenheit an.

É ALS VORAUSSETZUNG FÜR KONSTANTE QUALITÄT

Der Kunde profitiert dadurch von hoher und gleichbleibender Qualität seiner Produkte. Überhaupt spielt die Qualitätssicherung auch im Strangpressbereich eine immer bedeutendere Rolle. Die genaue Rückverfolgbarkeit der Produkte wird in Zukunft zur Selbstverständlichkeit. Eine hohe Materialausbeute (Recovery) trägt zu kostengünstigen, wettbewerbsfähigen Produkten bei.

Diesem Umstand wird während des ganzen Produktionsvorgangs Rechnung getragen. So werden die legierten Aluminium-Bolzen, das Ausgangsmaterial des Strangpressens, unmittelbar vor dem Pressvorgang genau gemäss dem jeweiligen Kundenauftrag abgelängt. Der Auslauftisch mit seiner beeindruckenden Länge sowie die «fliegende» Säge, tragen dazu bei, dass der Produktionsprozess so wenig wie möglich unterbrochen wird.

Während der ganzen Planung der Strangpresslinie legte die Alu Menziken Extrusion grossen Wert auf Sicherheit und Ergonomie. Die Böden in den Arbeitsbereichen sind mit Parketteinlagen versehen, und die Sägeplätze sind ergonomisch in der Höhe verstellbar. Ein grosser Teil der Anlage ist mit Plexiglaswänden eingekleidet. Diese schützen den Mitarbeitenden vor beweglichen Anlageteilen und mindern den Lärmpegel.

Die Anlage ist soweit automatisiert, dass die erste manuelle Berührung der hergestellten Aluminium-Profile erst nach dem Sägen auf Endlänge erfolgt. Die ganze Strangpresslinie, vom Bolzenlager bis zum verpackten Aluminium-Profil, wird pro Schicht von sieben Mitarbeitern bedient.

ANSPRUCHSVOLLERE ARBEITSPLÄTZE

Das Team arbeitet in Job-Rotation: Dies steigert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern macht die Arbeit abwechslungsreicher und fördert die fachliche Kompetenz jedes Teammitglieds. Umwelt- und energietechnisch ist die Anlage auf dem allerneusten Stand. Ölabscheider verhindern im Notfall ein Eindringen von Flüssigkeit ins Grundwasser. Wirkungsvolle Isolationen der Auslagerungsöfen senken den Energieverbrauch.

Alu Menziken

Pioniere seit über 100 Jahren

Die Alu-Menziken-Gruppe ist ein traditionsreicher Anbieter für anspruchsvolle, anwendungsspezifische Aluminium-Halbfabrikate und -Konstruktionen in Leichtbautechnik. Mit ihren innovativen Lösungen ist sie auf gutem Weg, einer der weltweiten Marktführer zu werden. Das 1897 gegründete Unternehmen konzentriert sich auf fünf Geschäftseinheiten und zählt an verschiedenen Standorten in der Schweiz und den USA rund 1200 Mitarbeitende. 2001 wurde ein Umsatz von 292 Mio Fr. ausgewiesen.

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Die Geschäftseinheit Extrusion produziert hauptsächlich für die Zielbereiche Maschinenbau, Pneumatik, Elektrotechnik, Wärmetechnik und Design. Die anderen Geschäftseinheiten der Alu-Menziken-Gruppe bedienen die Bereiche Aerospace, Automotive, Telekommunikation, Verkehrstechnik und technische Konsumgüter. (cat)

nachgefragt

«Klasse statt Masse»

DANIEL GAUTSCH Der Alu-Menziken-CEO zum Produktionsstandort Schweiz.

Ist eine Investition in der Grössenordnung von 40 Mio Fr. im heutigen Marktumfeld für ein Schweizer KMU nicht ein zu grosses Risiko?

Daniel Gautschi: Es gehört zum täglichen Brot von innovativen Unternehmern, kalkulierte Risiken einzugehen. Gerade in Zeiten angespannter Konjunkturlage können durch richtige Weichenstellungen verstärkt Marktanteile gewonnen werden.

Ihre Konkurrenz investiert aber, zumindest was Produktionsanlagen betrifft, hauptsächlich im billigeren Ausland.

Gautschi: Ich bin überzeugt, dass der Standort Schweiz auch in der Metall-industrie eine Zukunft hat ­ nicht in allen Sektoren, aber sicherlich bei anspruchsvollen und hoch qualitativen Produkten. Und genau darauf zielt unsere neue Strangpresslinie ab. Wenn die Kundenlager leer sind und die Nachfrage wieder anzieht, werden diejenigen Anbieter aus der Poleposition starten, die Aufträge für komplexe, massgeschneiderte Lösungen auch mit kürzesten Durchlaufzeiten schnell und kostengünstig erledigen können.

Aber konkrete Anzeichen für diesen konjunkturellen Aufwärtstrend lassen noch auf sich warten.

Gautschi: Natürlich kann niemand mit den momentanen Konjunkturaussichten zufrieden sein; alle backen jetzt kleinere Brötchen. Aber entscheidend wird sein, auf welche Weise ein Unternehmen diese schwierige Periode nutzt. In dieser Hinsicht tun wir sehr viel und arbeiten bereits seit einiger Zeit hartnäckig und konsequent an der Steigerung unserer Operational Excellence und unserer Qualität auf allen Ebenen. Was unsere neue Strangpresslinie betrifft, nutzen wir die Zeit, um die komplexe Produktionstechnik auszutesten und noch besser in den Griff zu bekommen. So werden wir bereit sein für den Nachfrageschub, der früher oder später kommen wird.

Interview: Markus Köchli