Nur wenige Tage nach der Abstimmung im Ständerat über «Boni-Stopp» und «Lohndeckel» für die UBS bringt die Finanzmarktkommission (Finma) ihr Rundschreiben aufs Tapet. «Wir mussten noch letzte Arbeiten vornehmen, das Rundschreiben wird nächste Woche zur öffentlichen Anhörung gegeben», sagt Alain Bichsel, Mediensprecher der Finma. Im Rundschreiben werden Mindeststandards für die Vergütungssysteme festgelegt. Ab 1. Januar 2010 sollen diese für alle von der Behörde beaufsichtigten Finanzinstitute verbindlich sein. Die Umsetzung muss per Geschäftsjahr 2010 erfolgen.

Philipp Stähelin, Präsident der Finanzkommission, hätte sich gewünscht, dass das Rundschreiben der Finma noch vor der Ständeratssitzung publiziert worden wäre. Denn jetzt bestehe die Gefahr, dass die SP-Motion für einen Bonus-Stopp angenommen werde.

Die neuen Richtlinien orientieren sich an den Empfehlungen des Financial Stability Forums (FSF), eines internationalen Gremiums, das zur Stabilität der Finanzmärkte beitragen soll. Unter dem Vorsitz des designierten Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, hat die Arbeitsgruppe namens «Kompensation» Prinzipien für eine solide Entschädigungspolitik erarbeitet.

Ideen von Philipp Hildebrand

«Perverse Anreize» hätten ein exzessives Risikoverhalten gefördert, welches das globale Finanzsystem ernsthaft bedroht habe, heisst es im Bericht. Die Arbeitsgruppe kommt deshalb zum Schluss, dass es nicht ausreicht, wenn nur für jene Banken Massnahmen ergriffen werden, die Staatshilfe beansprucht haben. Vielmehr sollen sich alle Finanzinstitute an die Prinzipien für die Ausgestaltung der Vergütung halten.

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Im Bericht sind eine Reihe von Grundsätzen genannt. So reicht es beispielsweise nicht, wenn sich der CEO um die Vergütung kümmert. Der Verwaltungsrat muss das Vergütungssystem aktiv beaufsichtigen. Zudem darf die Entlöhnung der Mitarbeiter in der Finanz- und Risikokontrolle nicht von der Performance der beaufsichtigten Geschäftseinheit abhängen.

Es gilt der Grundsatz, dass die Entlöhnung allen Risikotypen angepasst wird. So dürfen zwei Personen, welche den gleichen kurzfristigen Gewinn erzielen, dafür aber unterschiedliche Risiken eingehen, nicht gleich hoch entlöhnt werden.

Kein Bonus bei Gesamtverlust

Wichtig ist, dass sich die Grösse des Bonustopfes an der Performance der gesamten Bank ausrichtet. «Ist die Performance der Gesamtbank schwach, sollte ein kleinerer Bonus oder gar keine Boni ausbezahlt werden», heisst es wörtlich im Bericht. Und wenn die Risiken längerfristig seien, dürfe die Bezahlung nicht kurzfristig sein. Dies deutet darauf hin, dass eine Art Bonus-Malus-System eingeführt wird.

Zudem müssten die Finanzinstitute klare, verständliche und zeitgerechte Informationen liefern über ihre Vergütungspraxis, und zwar für alle Anspruchsgruppen und Regulierungsbehörden.

Obergrenzen für die Vergütung kommen laut Bichsel aber nicht in Frage: «Die Vergütungssysteme müssen langfristig ausgerichtet sein und sich an der Profitabilität der Bank ausrichten.» Die Regeln werden im nächsten Jahr für alle der Finma unterstellten Banken und Versicherungen verbindlich - auch für die UBS.

Dies stösst bei Ständerat Philipp Stähelin auf Unverständnis. «Für die UBS sollten die Mindeststandards schon in diesem Jahr gelten», fordert der Präsident der Finanzkommission. Für die Finma steht dies jedoch nicht zur Diskussion. «Die UBS wird aber mit einem strengeren Massstab bewertet», betont Bichsel. Und die Umsetzung des neuen Vergütungssystems werde genau beobachtet.

Mit den neuen Regeln betritt die Schweizer Aufsichtsbehörde Neuland. Die Schweizer Banken und Versicherungen werden damit wahrscheinlich weltweit die ersten sein, die sich bei der Ausgestaltung der Vergütungssysteme nach den FSF-Mindestregeln richten.

Die Finma wird überprüfen, ob die Mindeststandards eingehalten werden. Und den Machern ist es ernst: Wird ein Verstoss gegen die Mindestregeln festgestellt, sollen die Aufsichtsbehörden laut Bericht der Arbeitsgruppe «rigorose Massnahmen» ergreifen.

 

 


UBS-Banker müssen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen

Das Vorwärtskommen wird für die UBS-Banker immer mühsamer. Wenn es nur die unbequemeren Sitze im Flugzeug oder das nervenaufreibende und zeitaufwendige Umsteigen in den überfüllten internationalen Flughäfen wäre.Oder das beliebte Autoleasing, das unter grossem Protest den Kostensparmassnahmen zum Opfer fiel. Neu müssen die UBS-Banker sogar auf den öffentlichen Verkehr ausweichen. Die Schonfrist dauert noch bis Ende August: Dann wird der Shuttle-Betrieb zwischen dem Zürcher Felsenhof und Opfikon definitiv eingestellt. Damit können Kosten eingespart werden. Und je nach Verkehrsaufkommen liegt vielleicht gar noch eine Zeitersparnis drin. Denn die UBS-Banker können künftig die schnelle neue Tramlinie 10 benützen. Dann reicht es im Büro vielleicht noch für ein kühles Erfrischungsgetränk vor dem nächsten Meeting - dies allerdings ebenfalls auf eigene Kosten. (ng)