Die Erfolgswelle der Schweizer Firmen, die Erdölknappheit und Emissionskosten als Chance erkannt haben, hält an. Doch gross verdient mit Technologien zur effizienten Nutzung von Energie oder zum Einsatz erneuerbarer Energien haben ABB, Meyer Burger, Oerlikon Solar, Swisspor, Zehnder Group und andere bisher vor allem im Ausland. Sie hoffen, dass der Heimmarkt ab 2008 mit der Einspeisevergütung und der CO2-Abgabe interessanter wird für Investitionen.

Doch das reicht nicht. Wie die bekannten Marktplayer auf Anfrage sagen, liege es an der Politik, den Schweizer Markt deutlich attraktiver zu machen und mehr Schweizer Firmen zu Investitionen zu bewegen. Mit seiner Haltung «wir erwarten und fordern gar nichts von der Politik» steht Swatch-Chef Nick Hayek alleine da (siehe «Nachgefragt»).

Gesteuerte Märkte locken an

Aus Sicht des Technologiekonzerns ABB ist Grundlagenforschung und Ausbildung nur ein Teil des Beitrags, den der Staat leisten solle. «Bei Energiethemen liegt das Problem häufig vor allem bei der Frage, ob ein Markt vorhanden sei», sagt ABB-Sprecher Wolfram Eberhardt. Steuererlasse wären sicher eine denkbare Massnahme, um entsprechende Anreize zu schaffen. «Wir wünschen uns Rahmenbedingungen, die es für die Netzbetreiber interessant machen, erneuerbare Energien zu integrieren», so Eberhardt. Was staatliche Anreize auslösen können, wissen die Schweizer Zulieferer der Solarindustrie, wie Meyer Burger, oder der Windenergieindustrie, wie Gurit. Für sie ist Deutschland, der weltweit wichtigste Förderer von Solar- und Windenergie, einer der lukrativsten Märkte. Kalifornien kennt seit letztem Jahr ein ähnliches Gesetz, und auch in Spanien, Österreich, Italien und Griechenland gibt es staatliche Anreize. Diese sind mit ein Grund, weshalb die Solarindustrie gemäss Experten bis 2010 jährlich 25 bis 40% wachsen soll. Für die Schweizer Firmen sind jene Länder interessant, die Anreize setzen. «Der Markt ist abhängig von Anreizen und Vorschriften, doch deren Druck und die Geschwindigkeit sind im Ausland viel grösser als in der Schweiz», sagt Kurt Frei, Chef der Sarganser Isolationsfirma Flumroc. «Wenn wir nicht vorwärtsmachen, werden wir abgehängt.» Es brauche in der Schweiz Vorschriften wie Minergiestandards, um bei neuen Häusern die Energieverschwendung einzudämmen. Er fordert auch steuerliche Anreize. Hauseigentümer sollten Investitionen in Wärmeisolationen von den Steuern abziehen können. Mehr Hilfe als die üblichen Start-up-Gelder und Beratungen der Förder- und Transferagenturen fordert auch die auf Energiesparen spezialisierte Swisspor-Gruppe. «Weil Energie noch viel teurer wird und Umweltprobleme durch das CO2 in naher Zukunft massive Probleme bescheren wird, sehen wir eine grosse Chance in eindeutigen und konstruktiven Anreizen für kreative und mutige Denker und Unternehmungen», sagt Swisspor-Sprecher Hans-Rudolf Voegelin.Ruedi Kriesi von der Wärme- und Lüftungsspezialistin Zehnder Group kritisiert, dass die Politik ausblendet, dass Entwicklungen zur rationellen Energieanwendung wichtiger sind als zur Nutzung erneuerbarer Energien.

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Couchepin setzt auf Forschung

Kriesi erwartet vom Staat die Unterstützung der Hochschulen zur Erarbeitung von Grundlagen. Doch auf Hochschulebene fehle im Bereich der Haustechnik ein entsprechendes Hochschulinstitut vollständig. Staatlich initiierte und subventionierte Projekte an Hochschulen zur produktenahen Entwicklung hingegen seien fragwürdig, da häufig Produkte wieder entwickelt würden, die in der Industrie bereits in Entwicklung stünden oder schon bereitgestellt worden seien. Der oberste Forschungsförderer der Schweiz, Bundesrat Pascal Couchepin, meint zur Staatshilfe eines Projekts wie des Solarflugzeugs Solarimpulse gegenüber der «Handelszeitung»: Internationale Spitzenhochschulen als Forschungspartner sind das Wesentliche für das Gelingen eines solchen Projekts, wenn nicht sogar das Entscheidende.»

 

NACHGEFRAGT
«Wir erwarten von der Politik gar nichts»

Swatch-Chef Nick Hayek investiert Millionen in erneuerbare Energieprojekte wie das Solarflugzeug Solarimpulse. Er will aber keine staatliche Hilfe dabei.

Wieso investiert die Swatch-Group Millionen in das Solarprojekt?

Nick Hayek: Swatch arbeitet schon lange an der Entwicklung von nachhaltigen Energielösungen. Uns geht es aber um mehr als nur emotionale Kommunikation. Die Gruppe verfügt über 2000 Ingenieure und 155 Fabriken in der Schweiz und wir sehen, dass Innovationen und Neuerungen in Fabriken entstehen.

Die Swatch-Group investiert derzeit mit Solarimpulse und dem neuen Brennstoffzellenauto Ihres Vaters viel in Innovationen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Welche Unterstützung erwarten Sie von der Politik für solche Projekte?

Hayek: Wir erwarten und wir fordern gar nichts von der Politik.