Seit dem 1. Januar 2009 ist der erste Teil der Unternehmenssteuerreform II - die reduzierte Dividendenbesteuerung - in Kraft. Der zweite Teil, der vor allem selbstständige Unternehmer und KMU, aber auch Kapitalgesellschaften entlasten soll, wird auf den 1. Januar 2011 folgen. Im Zentrum der Reform stehen die steuerliche Entlastung, die Anrechnung der kantonalen Gewinn- an die Kapitalsteuer sowie gezielte Massnahmen zugunsten von KMU, insbesondere für die Personengesellschaften.

Für selbstständige Unternehmer, die das 55. Altersjahr erreicht haben und an die Geschäftsaufgabe denken, kann es sich lohnen, bis 2011 auszuharren. Heute müssen die Selbstständigerwerbenden den sogenannten Liquidationsgewinn zusammen mit dem Einkommen versteuern. Wegen der Progression erhöht sich in der Folge die Einkommenssteuer. Ab 2011 wird der Liquidationsgewinn getrennt vom übrigen Einkommen privilegiert besteuert, wenn der Unternehmer nach dem 55. Altersjahr oder infolge von Invalidität die selbstständige Erwerbstätigkeit definitiv aufgibt. Besteuert wird neu nur noch ein Fünftel des Gewinns, der effektive Steuerbetrag muss jedoch mindestens 2% davon betragen.

Neu besteht auch die Möglichkeit, den Liquidationsgewinn in der Höhe eines fiktiven Einkaufs wie eine Kapitalleistung aus der Vorsorge besteuern zu lassen. Ähnlich einer Kapitalleistung aus der 2. oder 3. Säule gilt nur ein Fünftel des üblichen Tarifs für Erträge. Einen fiktiven Einkauf geltend machen können nur selbstständig erwerbende Personen, unabhängig davon, ob sie einer 2. Säule angeschlossen sind oder nicht. Bestehende Vorsorgeguthaben und bereits getätigte Bezüge aus der Vorsorge werden bei der Berechnung des fiktiven Einkaufs berücksichtigt. Die gesonderte Besteuerung des Liquidationsgewinns ist eine neue Besteuerungsart, deren Umsetzung erst noch in der Verordnung konkretisiert wird.

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Steueraufschub

Eine weitere Anpassung betrifft die Besteuerung stiller Reserven. Der Besitzer einer Autogarage bewohnt das Gebäude, in dem sich sein Betrieb befindet. Will er nun die Liegenschaft in sein Privatvermögen übertragen, muss er heute Steuern auf die durch Abschreibungen entstandene Differenz zum Verkehrswert entrichten. Mit der Unternehmenssteuerreform II kann diese Besteuerung neu bis zum Verkauf der Liegenschaft aufgeschoben werden. Dieselbe Regelung gilt auch für Erben. Sie können die Besteuerung der stillen Reserven neu bis zur tatsächlichen Veräusserung aufschieben.

Ein weiteres Ziel der Unternehmenssteuerreform II war es, Strukturanpassungen zu erleichtern. So kann der Unternehmer ab 2011 Ersatzbeschaffungen, beispielsweise von Maschinen, Werkzeugen oder Infrastruktur, geltend machen, sofern der Erlös wieder in bewegliches Anlagevermögen investiert wird. Die heutige Bestimmung, dass das Ersatzgut die gleiche Funktion haben muss, entfällt. Mit dieser neuen Regelung können Gewinne aus dem Verkauf von Anlagen bei betrieblichen Umstrukturierungen vollumfänglich wieder investiert werden. Auch für Kapitalgesellschaften gelten ab 2011 die gleichen Bestimmungen wie für Einzelfirmen und Personengesellschaften. Zudem wird der steuerneutrale Ersatz von Beteiligungen ausgeweitet. Der Beteiligungsabzug auf Ausschüttungen wie Dividenden und Kapitalgewinnen wird neu bereits für Beteiligungen von mindestens 10% am Kapital oder Gewinn sowie bei einem Verkehrswert von 1 Mio Fr. und mehr gewährt.

Schritt in die richtige Richtung

Gegenwärtig unterstehen Rückzahlungen von Kapitalleistungen über dem Nennwert, welche juristische Personen wie Aktiengesellschaften an deren Gesellschafter leisten, der Einkommensteuer. Diese Regelung gilt auch, wenn es sich um Aufgelder oder Zuschüsse der Gesellschafter handelt. Ab 2011 können sämtliche Kapitaleinlagen, die seit 1997 geleistet wurden, einkommenssteuerfrei zurückbezahlt werden, sofern diese separat ausgewiesen werden.

Die Unternehmenssteuerreform II ist zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung. Sie beseitigt wesentliche steuerliche Hindernisse bei Nachfolgeregelungen für KMU und entlastet Personengesellschaften. Gleichzeitig eröffnet die Reform aber auch viele neue Möglichkeiten zur Steueroptimierung, bei denen es sich lohnt, genauer hinzuschauen.