Vom einstigen Rittersaal in der Burg Unterhof gleitet der Blick über das leicht gekräuselte Wasser des Rheins. Heute brüten Manager über Marketingkonzepten und Strategien für eine erfolgreiche Geschäftsführung, früher schmiedeten Adelsleute hinter diesen dicken Mauern ihre Angriffspläne. Die unberührte Landschaft am Rand des Städtchens Diessenhofen, auf halbem Weg zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein, hat sich allerdings seit dem Mittelalter kaum verändert. Die Seminarteilnehmer erwartet weniger als eine Autostunde von Zürich entfernt ein Naturgarten, der zum Gedankenaustausch geradezu prädestiniert ist. «Die geschichtsträchtige Burganlage ist sehr gut für die Stimmung», sagt Hoteldirektor Armin Kessler. Kleine Gruppen mit gut ein bis zwei Dutzend Leuten finden in dieser Tagungsstätte das ideale Umfeld. «Da eröffnet sich fernab der Alltagshektik eine andere Welt, in der man abschalten kann», charakterisiert ein Seminargast die spezielle Atmosphäre.

Kombination von alt und neu

Der Unterhof am Rhein hat sich vom ursprünglich exklusiven Ausbildungszentrum für die Axa Winterthur zum polyvalenten Seminarhotel entwickelt. Erst 1992 hat die Versicherungsgesellschaft eine etwas heruntergekommene Burg zur modernen Tagungsstätte mit fünf Seminarräumen und zwölf Gruppenräumen ausgebaut. Gleichzeitig wurde in unmittelbarere Nähe ein Hotel errichtet, das mit Wellnessangeboten und Fitnessraum ganz auf die Bedürfnisse der Gäste ausgerichtet ist. Knapp zehn Jahre später hat sich die Bildungsstätte einer breiteren Kundschaft eröffnet. «Wir wollten vom Image der elitären Kaderschmiede wegkommen», umschreibt Armin Kessler die damals eingeleitete Vermarktungsstrategie. Die Kombination von alt und neu macht heute den Reiz der weitläufigen Anlage am Rheinufer aus. Dabei lässt sich die Geschichte der Burg Unterhof bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Der trutzige Turm direkt bei der gedeckten Holzbrücke nach Deutschland hat manchen Ansturm von feindlichen Kräften überstanden. Jetzt wird er von wissbegierigen Leuten genutzt, die im Dachgeschoss zum abendlichen Apéro ein Glas erheben, anstatt wie früher die Lunte einer Kanone zu zünden.

Noch heute erzählt jeder der vielgestaltigen Räume seine eigene Geschichte. Rustikales Balkenwerk und alte Mauern schaffen ein Ambiente, das in den konventionellen Businesshotels nicht zu finden ist. Die technische Ausstattung ist aber gleichzeitig auf dem modernsten Stand. «Neben dieser umfassenden Infrastruktur zählt vor allem die Dienstleistung und der gesamte Service», ist Gastgeber Kessler überzeugt. Dazu gehört ein umfangreiches Angebot für das Rahmenprogramm. Die Tagungsstätte im Kanton Thurgau eignet sich speziell für Anlässe, die auch einen teamfördernden Charakter haben. Beliebt ist das Flossbauen auf dem Rhein, ebenso wie Velofahrten entlang der Flusslandschaft, ein Wettkampf im Bogenschiessen oder der Fondueplausch im eigenen Tippi-Zelt.

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Von der Axa Winterthur werden die Räumlichkeiten heute noch zu rund einem Viertel belegt. Die übrige Firmenkundschaft stammt vorwiegend aus dem Grossraum Zürich. In den Büchern stehen rund zwei Dutzend Key Accounts ganz zuoberst. Sie sind vorwiegend in der Finanzdienstleistungsbranche und der Industrie angesiedelt. Zur Hauptsache handelt es sich um Seminare, die auf Strategiefragen und die Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtet sind. Durchschnittlich dauern die Veranstaltungen zwischen zwei bis drei Tage. Wenn der Seminarbetrieb an den Wochenenden ruht, werden der Festsaal und die anderen Räumlichkeiten durch Hochzeiten und Gesellschaftsanlässe belegt.

Kundenpflege

Die Stammkunden erhalten regelmässig Besuch vom Marketingteam. «Wir laden die Verantwortlichen aber periodisch auch zu speziellen Events ein», sagt Marketingleiterin Melanie Antonucci. Im Juni wird die Fussball-Europa-meisterschaft Euro 08 für ein Public Viewing im angrenzenden Parkgelände genutzt, das speziell auch der Kundenpflege dient. Als Mitglied von Thurgau Tourismus beteiligt sich das Seminarhotel Unterhof zwei- bis dreimal jährlich an Roadshows. Bei diesen Kontaktmeetings sollen Interessenten einen Einblick vor Ort erhalten. Der Rittersaal, wo vor 800 Jahren der Hofstaat tafelte, ist im Seminarbetrieb der kulinarische Dreh- und Angelpunkt. Er dient den Hausgästen für das Frühstücksbuffet sowie das Mittag- und Nachtessen. Dazu kommt ein Restaurant im Gewölbekeller der Burg mit lokalen Spezialitäten, das auch von aussen zugänglich ist, ebenso wie die Burgterrasse mit Blick auf den Rhein. «Wir sind nicht auf Gault-Millau-Punkte aus», sagt Armin Kessler. Stattdessen setzt er auf eine leichte, bekömmliche Küche in der saisongemäss frische Produkte verwendet werden. Nebst den bestehenden Restaurants möchte der Hoteldirektor in Zukunft auch die Terrasse über einen zusätzlichen Wintergarten ins Gastronomiekonzept einbeziehen.