Florentine Ariosto Jones’ Gedanken drehten sich um Dinge, welche die Gemüter heute unter der Schlagzeile «Produktionsverlagerung in Billiglohnländer» erhitzen. Günstige Gestehungskosten versprach sich jener Mister Jones (1841–1916) im Jahr 1868 von der Schweiz. Dort, so hiess es jenseits des Grossen Teichs, liessen sich Uhren wegen vergleichsweise geringer Einkommen der Arbeiterschicht günstig fabrizieren. Diese Gelegenheit wollte sich der damals 27-jährige Jones nicht entgehen lassen.

Im Jura hiess es «Non, merci»

Gemeinsam mit seinem Uhrmacherfreund Louis Kidder reiste Jones per Schiff nach Europa. In grossen Kisten führten beide amerikanische Präzisionsmaschinen zur Serienproduktion von Komponenten mit sich, fertige Konstruktionspläne für ihre Erstlingswerke existierten ebenfalls. Allein im Westschweizer Jura, wohin die Reise anfänglich führte, fielen die amerikanischen Ideen keineswegs auf fruchtbaren Boden. «Eure Arbeit ist intelligent und künstlerisch und verdummt nicht wie die Maschinenarbeit», hatte Michail Alexandrowitsch Bakunin den dortigen Uhrmachern mehr als einmal gepredigt. Diese übten sich folglich in Auflehnung.

Wie Jones nach Schaffhausen kam

Dafür begegnete Jones dem geschäftstüchtigen Industriellen Heinrich Moser. Der besass in Schaffhausen leer stehende Gebäude und dazu am Rhein ein Wasserkraftwerk zum Antrieb der mitgebrachten Maschinen. So kam die Stadt zu ihrer Uhrenfabrik. Und zu den drei Buchstaben IWC für International Watch Co., Schaffhausen.

Anzeige

Dass die Produkte letzten Endes dann doch erheblich teurer kamen als geplant, dass die amerikanische Startphase der IWC mehr als schwierig verlief und erst die Schweizer Familie Homberger das Überleben sicherte, soll hier nicht näher erörtert werden. Sicher ist jedenfalls, dass der Uhrenkosmos ohne die IWC und ihre kreativen Produkte um vieles ärmer wäre.

Sechs Synonyme für IWC

Das im Laufe von 140 Jahren hergestellte Spektrum an IWC-Uhren ist beachtlich. Gleichwohl gibt es gerade auf dem Gebiet der Zeitmesser fürs Handgelenk einige Protagonisten, die durchaus als Synonyme zum Namen IWC gelten können.

Sechs davon erfahren 2008 ihr simultanes Comeback. Verbunden mit einem Hauch Nostalgie, aber nicht als klassische Retro-Modelle. Solche lehnt IWC-CEO Georges Kern aus innerster Überzeugung kategorisch ab. Stattdessen möchte er den Blick zurück als Neu-Interpretation klassischer Themenstellungen verstanden wissen.

Nicht nur für Überflieger Aus den legendären 1930er Jahren stammt die erste Fliegeruhr. Ganz genau erhob sie sich 1936 in die Lüfte. Ausgestattet mit schwarzem Zifferblatt und jeder Menge Leuchtmasse zur besseren Ablesbarkeit während der Nacht. Ein Drehring mit Merkdreieck ersetzte die Chronographenfunktion.

Die neue Alte ist auf nunmehr 44 mm gewachsen. Das bietet Platz für ein opulentes Handaufzugswerk vom Kaliber 98300, dessen Schraubenunruh gemächlich mit 2,5 Hertz schwingt.

Portugiesische Wurzeln Drei Jahre später, 1939, debütierte in Schaffhausen die nicht minder legendäre Portugieser in Grossformat mit Taschenuhrwerk. Der Name resultiert aus dem Faktum, dass zwei portugiesische Kaufleuten eben jenen Uhrentyp bei IWC in Schaffhausen bestellt hatten.

Zu den Besonderheiten der Edition 2008 gehört zweifellos das überlieferte Zifferblattdesign mit abwechselnd arabischen Zahlen und Strichindexen sowie einer Chemin-de-fer-Minuterie. Das Gehäuse misst ebenfalls 44 mm und bietet somit hinreichend Platz für das grosse Handaufzugskaliber 98295, dessen überlanger Rückerzeiger an die ersten Uhrwerke des F.A. Jones erinnert.

Kampf dem Magnetismus Der nächste Zeit-Sprung führt ins Jahr 1955, als die Ingenieur Automatic für Schlagzeilen sorgte. Zu ihrem Profil gehörten ein Weicheisen-Innengehäuse und ein ureigenes IWC-Kaliber mit Rotor-Selbstaufzug, entwickelt von Albert Pellaton. Diese Uhrwerke der Linie 85xx sind Geschichte. Aber in den Manufakturkalibern 8011x haben sie würdige Nachfolger gefunden.

Das IXC-Kaliber 80111 beseelt die 42,5 mm grosse, bis 12 Atmosphären wasserdichte «Vintage»-Ingenieur des frühen 21. Jahrhunderts. Weil es besonders schön anzuschauen ist, hat IWC den einstigen Magnetfeldschutz auf dem Altar eines Saphirglasbodens geopfert.

Geschaffen fürs nasse Element Das IWC-Jahr 1967 stand im Zeichen der Aquatimer Automatic mit innen liegender Tauchzeit-Drehlünette. Diese liess sich mit Hilfe einer zweiten Krone verstellen.

Daran hat sich auch beim Newcomer mit modernem 44-mm-Gehäuse nichts geändert. Selbiges besitzt jedoch alle Dichtungssysteme und Drucksperren, welche Taucheruhren von IWC auszeichnen. Das Zifferblattdesign entspricht dem der ersten Aquatimer-Generation, lässt sich wegen des grösseren Durchmessers jedoch besser ablesen. Als Zeit-Motor dient einmal mehr das Manufakturkaliber 80111, dessen Attraktivität der Sichtboden zusätzlich unterstreicht.

Ausflug in die Elektronik Ende der 1960er Jahre konnte sich auch IWC dem Lockruf der Schwingquarze nicht widersetzen. Deshalb beteiligten sich die Schaffhauser an der Entwicklungsgemeinschaft Beta, die 1969 das voluminöse Quarzkaliber Beta 21 präsentierte. Das rechteckige Uhrwerk verlangte nach Platz. Also kreierte IWC ein nicht alltägliches Gehäuse. Seine Form war und ist nicht jedermanns Sache. Es polarisiert. Und gerade deshalb hat diese Schale das Zeug zu einem echten Klassiker.

Im Gegensatz zum damaligen elektronischen Taktgeber besitzt das aktuelle Automatikkaliber 80111 mit Pellaton-Aufzug eindeutig Zukunft.

Im Zeichen der Eleganz Bleibt – last but not least – die Portofino von 1984, schlicht, zurückhaltend und deshalb ungemein elegant. Die Armbandtaschenuhr Ref. 5251entstand bis Ende der 1990er Jahre in kleinen Stückzahlen, ausgestattet mit dem grossen, für Taschenuhren konstruierten Lépine-Kaliber 95. Die kleine Sekunde befand sich bei der 9, der Mond zeigte sich gegenüberliegend bei der 3.

2008 kommt das Savonnette-Handaufzugskaliber 98800 zum Einsatz. Hierdurch wandert der Mond in den «Norden» und die kleine Sekunde in den «Süden» des Zifferblatts. Mit seinen 46 mm ist das Gehäuse genau so gross wie damals.

Exklusives Platin-Sechser-Set

Die Mitglieder des illustren Sextetts sind in Edelstahl mit schwarzem Zifferblatt unbeschränkt zu haben. Die Edition der Platin-Varianten mit versilbertem Zifferblatt ist hingegen limitiert. Nostalgiker mit besonders hohem Anspruch können die ersten 140 Platin-Exemplare als nummerngleiches Set in einem feinen Lederkoffer erwerben, dies zum Preis von 270000 Fr. Am besten finanziert durch einen Sechser im Lotto! Dann bleibt lediglich die tägliche Qual der Wahl.