Ottmar Hitzfeld feiert in wenigen Tagen seinen 61. Geburtstag. Doch der Trainer der Schweizer Fussball-Nati kann trotz des nicht mehr ganz jugendlichen Alters noch eine aussergewöhnliche Premiere erleben. Denn trotz seiner zahlreichen Erfolge fährt er in diesem Sommer zum ersten Mal als Hauptverantwortlicher einer Nationalmannschaft an die Fussball-Weltmeisterschaften.

Wie aussergewöhnlich die Karriere des Trainers Hitzfeld ist, wurde erst vor kurzem wieder deutlich, als Hitzfeld von den Fans von Borussia Dortmund zum «Trainer des Jahrhunderts» gewählt wurde. Im Ruhrpott erhielt Hitzfeld den Übernamen «General», und dort konnte er auch einige seiner grössten Erfolge feiern. Hitzfeld gewann mit Dortmund zum ersten Mal die Champions League. Nur wenige Jahre später wiederholte er mit Bayern München den Titelgewinn und festigte damit seinen herausragenden Ruf.

Comeback nach Auszeit

Doch noch bevor Hitzfeld die Schweizer Nati übernahm, wäre er vor einigen Jahren beinahe Trainer der Deutschen Nationalmannschaft geworden. Nachdem die Deutsche Elf 2004 an den Europameisterschaften in Portugal enttäuschte und bereits in der Vorrunde ausschied, schien Hitzfeld damals der logische Nachfolger von Nationaltrainer Rudi Völler. Nach den aufreibenden Jahren bei Bayern München verzichtete Hitzfeld, auch mit Rücksicht auf seine angeschlagene Gesundheit, und nahm sich stattdessen eine Auszeit. Statt sich mit den Launen hochbezahlter Individualisten herumzuschlagen, wechselte er die Seiten und kommentierte Spiele für diverse Fernsehsender. Ein kurzfristiges Comeback bei Bayern München weckte 2007 wieder die Lust am Trainerberuf. Bald darauf wurde Hitzfeld vom Schweizer Fussballverband SFV als Nachfolger von Nati-Trainer Köbi Kuhn unter Vertrag genommen.

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Rückschlag zum Start

Die Ernüchterung der Fans war nach dem Ausscheiden in der Vorrunde der Heim-EM gross. Die Erwartung, dass Hitzfeld rasch eine Trendwende herbeiführen könnte, war riesig. Doch auch unter Hitzfeld stimmten die Ergebnisse zunächst nicht. Dem enttäuschenden Auftritt gegen Israel folgte der peinliche Rückschlag gegen den Fussballzwerg Luxemburg.

Doch der ausgebildete Mathematiker Hitzfeld führte das Team auf die Erfolgsspur zurück. Dabei setzte er um, was ihn schon bei seinen früheren Engagements auszeichnete: Keine übermässige Rücksicht auf arrivierte Spieler zu nehmen und dennoch herausragenden Individualisten genügend Freiraum zu lassen. Denn Hitzfeld ist sich bewusst, dass es in einem guten Team nicht nur Leader-Typen haben kann, es braucht auch Egoisten. Zudem gelang es ihm, die von ihm geforderte Siegermentalität zu kreieren und den dafür notwendigen Erfolgshunger bei den Spielern zu wecken.

Der Erfolgsmensch Hitzfeld konnte zudem dem Team eine äusserst wichtige Qualität einimpfen: Den Glauben an die eigene Stärke. So konnte sich die Schweizer Equipe in der Qualifikation mit zwei Siegen gegen den direkten Konkurrenten Griechenland einen gewichtigen Vorteil herausarbeiten.

In der Vorbereitung auf die WM Mitte Juni wird Hitzfeld nichts dem Zufall überlassen. Am 3. März steht etwa der erste Test gegen den WM-Teilnehmer Uruguay an. In diesem Spiel soll die wichtige Partie gegen den Vorrundengegner Chile vorbereitet werden. Obschon mit Europameister Spanien der Schweiz einer der Titelfavoriten zugelost wurde, kann sich die Nati durchaus Hoffnungen auf ein Weiterkommen machen, denn Chile und vor allem das Team aus Honduras liegen in Reichweite.

Erfolge sorgen für Aufsehen

Die Arbeit, die Hitzfeld in der Schweiz geleistet hat, wird auch im Ausland gewürdigt. In der jährlichen Wahl des besten europäischen Fussballteams durch das französische Fachmagazin «France Football» belegte die Schweizer Nati zuletzt den 6. Platz.

Damit erreichte das Team in dieser Rangliste das beste Ergebnis seit 15 Jahren. Nicht umsonst sind die technisch und taktisch hervorragend ausgebildeten Schweizer Fussballer auf dem internationalen Transfermarkt zu einem Exportschlager geworden. Profis wie die beim deutschen Spitzenklub Bayer Leverkusen engagierten Tranquillo Barnetta, Eren Derdiyok oder der für den Deutschen Meister VFL Wolfsburg tätige Keeper Diego Benaglio besitzen nicht nur unbestrittenes Talent, sondern sie haben auch den Zenit ihrer Karriere noch vor sich.

Der Triumph der Schweizer Nachwuchsauswahl an den U-17-Weltmeisterschaften in Nigeria verdeutlicht zudem, dass eine neue Generation von Schweizer Fussballern heranreift, die mit ihrem frischen und unbekümmerten Spiel kaum einen Gegner fürchten muss. Das sind schöne Aussichten für Ottmar Hitzfeld, der jüngst seinen Vertrag als Nati-Trainer um zwei Jahre bis 2012 verlängerte.