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Mode
H&M kämpft gegen den Gewinnrückgang

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Das Schaufenster eines H&M-Shops: Die Klamotten des schwedischen Konzerns sind weniger begehrt. Quelle: Keystone

Kunden machen vermehrt einen Bogen um H&M. Der Modehändler wil mit günstigeren Klamotten dagegen vorgehen.

Veröffentlicht am 31.01.2018

Und wieder sackt der Gewinn von H&M ein:  In den drei Monaten bis Ende November fiel der Vorsteuergewinn um ein Drittel auf umgerechnet 500 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Bereits zwischen Juni und August 2017 war der Umsatz des Moderiesen um mehr als einen Fünftel zurückgegangen.

Der Chef beschwichtigt

Und auch jetzt beschwichtigt H&M-Chef Karl-Johan Persson wieder und sagt dasselbe wie schon letztes Mal: Das Branchenumfeld sei schwierig für alle, und dies werde auch im laufenden Jahr anhalten. H&M gehe nicht davon aus, dass das für dieses Jahr angepeilte Umsatzplus von zehn bis fünfzehn Prozent auf Basis örtlicher Währungen zu erreichen sei, sagt Persson.

Der Aktienkurs gab am Mittwoch zwischenzeitlich um gut drei Prozent nach und notierte auf dem niedrigsten Stand seit neun Jahren.

Druck wegen dem Online-Handel

Der Bestellboom über das Internet und die stärker werdende Konkurrenz bringen den schwedischen Textilhändler stark in Bedrängnis. H&M ist die weltweite Nummer zwei der Branche hinter der spanischen Zara-Mutter Inditex.

Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von hochpreisigen Marken auf den Weg gebracht, um neue Kunden anzuziehen. So soll beispielsweise die Marke «Nyden» in diesem Jahr eingeführt werden, bei der Influencer als Designer fungieren, um neue Kunden anzuziehen, wie die «Handelszeitung» berichtete

Wie günstig geht noch?

Für 2018 kündigte H&M eine weitere Edition mit günstigen Bekleidungsstücken an. Das schwedische Label will noch günstiger werden – wobei die Frage aufkommt, inwieweit das überhaupt noch möglich ist. Kann man die ohnehin schon günstigen Preise der Hauptmarke H&M noch weiter drücken – und auf wessen Kosten?

Mit «Afound» möchte die schwedische Modekette überdies ein neues Store-Konzept lancieren: «Afound» soll ein Marktplatz für Eigenmarken des Unternehmens werden, aber auch für fremde Marken, «ein Style- und Schäppchenparadies», wie der Konzern in einer Mitteilung schreibt.

Die Auswahl wird sich dabei nicht in erster Linie an der Jahreszeit und Trends orientieren, sondern vor allen an günstigen Preisen. Der erste Shop soll im Frühjahr im Mutterland von H&M, in Stockholm, eröffnet werden. Gleichzeitig wird ein Online-Shop lanciert. 

H&M hofft auch auf die Chinesen

Auch im Onlinehandel möchte H&M aufholen: Ab März sollen Produkte über die Online-Handelsplattform Tmall verkauft werden, die zum chinesischen Internetkonzern Alibaba gehört. H&M will  damit auf die zunehmende Konkurrenz der Onlinehändler wie Zalando, Amazon oder Asos reagieren.

Denn in den Filialen bleiben immer mehr Kleidungsstücke liegen, die Lagerbestände legten weiter zu. H&M hatte erst im Dezember angekündigt, weitere Geschäfte zu schliessen und weniger neue Zweigstellen zu eröffnen.

Missglückte Werbeaktion

Als hätte H&M nicht schon mit genug Herausforderungen zu kämpfen, gab es Ende des vergangenen Jahres noch einen PR-Gau für die Schweden: Der Konzern geriet mit einer Werbung mit einem dunkelhäutigen Jungen in die Kritik, der einen Pullover mit der Aufschrift «Coolster Affe im Dschungel» trug. Der kanadische Sänger The Weeknd – bürgerlicher Name Abel Tesfaye – kündigte darauf seine Zusammenarbeit mit H&M auf. Der Konzern entschuldigte sich für das Werbemotiv und zog es zurück.

Fast schon verzweifelt versucht H&M nun, in alle Richtungen zu gehen: Teurere Labels für eine exklusive Käuferschaft, noch mehr billige «Fast-Fashion» für Shoppingverrückte im neuen Store – und eine Ausweitung auf verschiedene Online-Plattformen. Welche Strategie funktioniert, wird sich zeigen. 

(tdr, mit Material der Agentur Reuters)

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