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Streit
HNA-Spitze in den USA verklagt

Missmanagement: HNA-Spitze in den USA verklagt
HNA-Logo: Zu den Chinesen gehören die Firmen Swissport, SR Technics und Gategroup. HNA/HZ

Der chinesische Touristikkonzern HNA kaufte ein US-Reiseportal, das Tripadvisor konkurrieren sollte. Jetzt ist das Portal pleite. Präsident und CEO von HNA werden wegen Missmanagement verklagt.

Von Marc Iseli
2017-09-06

Vor zwei Jahren schnappte sich der chinesische Riese HNA drei Schweizer Unternehmen. Zunächst kaufte der Airline- und Touristikkonzern die einstige Swissair-Tochter Swissport, einige Wochen später folgten Gategroup und SR Technics. HNA zählt damit zu den grössten chinesischen Investoren in der Schweiz. Parallel zu den Schweizer Zukäufen übernahm HNA den Online-Reisevermittler Travana, der in San Francisco stationiert ist. Im Gegensatz zu den Schweizer Akquisitionen ist die US-Firma allerdings bereits pleite. Das Unternehmen meldete in diesem Frühjahr Konkurs an.

Der ehemalige Geschäftsleiter von Travana und der einstige Leiter der Rechtsabteilung – sie hielten eine Minderheitsbeteiligung am Online-Reisevermittler – sehen die Schuld dafür bei den Chinesen: Sie haben die HNA-Gruppe und Unternehmensvertreter verklagt, auf Missmanagement, Verletzung der Treuepflicht, Unterschlagung, Betrug. Die Vorwürfe richten sich gegen HNA-Präsident Wang Jian, HNA-Chef Adam Tan und dessen Neffe Shi Lei.

Konkurrenz für Tripadvisor

Die in San Francisco eingereichte Klageschrift ist 54 Seiten dick. Sie zeichnet im Detail nach, wie HNA im Herbst 2015 sieben Millionen Dollar sprach, um den Grundstein für einen Online-Reisevermittler zu legen, der dereinst Firmen wie Tripadvisor oder Expedia Konkurrenz machen sollte. Geplant war auch ein Ableger in China, um das Geschäft im Heimmarkt umzupflügen.

Die ersten Monate verliefen reibungslos. Travana stellte 70 Personen an – Programmierer, Informatikspezialisten und Reiseexperten. Der Betrieb eines Call Centers in der philippinischen Stadt Manila, das während 24 Stunden und an sieben Tagen die Woche erreichbar sein sollte, war aufgegleist. Travana hatte Vereinbarungen mit über 100 Fluggesellschaften getroffen, um Zugriff auf deren Ticketing zu erhalten.

Versiegender Geldfluss

Im Oktober 2016, heisst es in der Klageschrift, sei Travana bereit gewesen, richtig durchzustarten. Technologisch gesehen sei Travana seinerzeit führend gewesen. Die Firma hätte beste Aussichten gehabt, ein grosses Stück des milliardenschweren Online-Reisekuchens abzubekommen. Dann drehte HNA den Geldhahn abrupt zu.

Das war der Anfang vom Ende des Online-Reisevermittlers. Ohne ein gross angelegtes Marketing ist es praktisch unmöglich, in der Online-Reisebranche auf einen grünen Zweig zu kommen. Der ursprüngliche Business-Plan sah deshalb vor, im Jahr 2016 die Summe von 4,5 Millionen Dollar für Werbung auszugeben. 2017 sollten weitere 35 Millionen Dollar folgen. Die HNA-Spitze hatte diesen Business-Plan im Herbst 2015 abgesegnet. Ein Jahr später aber folgte der Rückzieher.

Heimliche Treffen

«Ein plötzlicher Halt des Geldflusses nach elf Monaten musste unweigerlich im Ruin von Travana enden (...) – und die Beklagten wussten das», heisst es in der Klageschrift. Die Entscheidung sei unvermittelt gekommen, sie hätte früheren Zugeständnissen widersprochen. HNA habe damit seine Pflicht zur getreuen Geschäftsführung verletzt – zum Schaden der Minderheitsaktionäre, heisst es in der Klage.

Wenige Monate, nachdem HNA den Geldhahn zugedreht hat, war Travana tatsächlich pleite. Eine zentrale Rolle beim Konkurs spielten HNA-Präsident Wang Jian, HNA-Chef Adam Tan und dessen Neffe Shi Lei. In den letzten Monaten des Bestehens haben sich die drei HNA-Vertreter wiederholt getroffen und dabei miteinander über das Schicksal des Unternehmens beraten. Das eigentliche Management blieb aussen vor.

HNA-Erbe vor Gericht

Das chinesische Führungstrio ging so weit, dass es im Februar 2017 eine E-Mail an alle verbliebenen Mitarbeiter schickte. In dieser E-Mail, die die Klageschrift in voller Länge aufführt, spricht der Neffe des HNA-Bosses von einem tiefgreifenden Umbau, von Restrukturierung und einer Repositionierung. Anschliessend soll der knapp 30-jährige Shi Lei durch die Büros gestürmt sein und Mitarbeiter vom Pult «weggerissen» haben, um sie zu entlassen. Die Stimmung in der Firma sei auf dem Nullpunkt gewesen.

Shi Lei, der für seine Dienste 380'000 Dollar im Jahr erhielt, muss sich nun als erster der Beklagten vor Gericht verteidigen. Ende September muss der Erbe des HNA-Imperiums seine Rolle in der Travana-Pleite erklären, wie ein Auszug eines kalifornischen Gerichts zeigt. Die Richter haben angeordnet, dass Shi Lei sämtliche Dokumente vorlegt, die Aufschluss darüber geben, in welcher Beziehung er zur HNA-Führung steht und welche Rolle er im millionenschweren Konkursfall gespielt hat.

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