Für die Preise in Hochhäusern gilt eine einfache Regel: Je höher, desto teurer. Pro Stockwerk ist ein Aufschlag von etwa drei Prozent gebräuchlich. Wer auf der 10. Etage wohnt, zahlt etwa 10 bis 15 Prozent mehr als die Nachbarn nahe beim Erdgeschoss. Ab dem 19. Stock beträgt die Prämie sogar 20 Prozent und mehr.

Die Logik hinter der Rechnung ist einfach. Wer oben wohnt, hat die beste Sicht – und geniesst zusätzlich das Prestige, weit über den Hausdächern zu leben.

Aberglaube im 13. Stock

Kaum zu glauben, aber Aberglaube ist weiter verbreitet, als man denkt. Vor allem die Zahl 13 wird mit Unglück in Verbindung gebracht. So sucht man in Flugzeugen die Reihe 13 vergebens. Auch Hotels verzichten des Öfteren auf die Zimmernummer oder streichen den 13. Stock gar komplett auf der Fahrstuhltastatur.

Im Hochhaus kann diese gehasste Zahl dem potenziellen Mieter oder Eigentümer jedoch in die Hände spielen: Mieten oder kaufen ist in dieser Etage nämlich oft günstiger. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat in einer Studie herausgefunden, dass der Aufschlag, der im Hochhaus pro Etage grundsätzlich immer höher wird, im 13. Stock signifikant tiefer ausfällt. «Es scheint doch etwas Aberglaube da zu sein, da Hochhäuser bei einigen Personen auch mit gewissen Sicherheitsängsten bezüglich Feuer oder Erdbeben verbunden sind», erklärt Ursina Kubli, Immobilienexpertin der ZKB den Fund.

Seesicht und Alpenpanorama in der Mitte

Tönt einleuchtend, doch die Formel krankt an einer Fehleinschätzung: Häufig ist die Sicht zuoberst gar nicht am besten. Das zeigt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einer neuen Studie.

Sie untersuchte die Sicht in den Stadtzürchern Hochhäusern – und in nicht wenigen davon bieten die Wohnungen in den mittleren Etagen die beste Sicht.

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Etwa in jenem neuen Wohnturm, der gleich neben der Limmat beim Escher-Wyss-Platz entsteht. Weil das Gebäude direkt an den Fluss grenzt, sehen die Bewohner ganz oben nichts vom Gewässer – und auch der See ist nicht zu sehen, weil andere Bauten die Sicht versperren. Anders in den mittleren Stockwerken: Dort lässt sich an den Fenstern die Limmat bewundern.

In manchen Wohntürmen ist die Sicht zuoberst zwar gut – aber nicht wesentlich besser als weiter unten im Gebäude. Die Prämie fürs Wohnen «on the top» können sich die Mieterinnen oder Käuferinnen also sparen. Vor allem zwischen dem siebten und zehnten Stock können die Unterschiede bei der Sicht beträchtlich sein. Für die Mieter oder Käufer lohnt es sich also, genau hinzuschauen – beziehungsweise aus den Fenstern zu schauen.

Weg vom starren Preismodell

Die ZKB hat dafür eigens eine 3D-Kartenapplikation entwickelt. Sie erlaubt es, die Sicht von allen Wohngebäuden der Stadt Zürich zu betrachten.

Die Bank empfiehlt den Projektentwicklern, die Preise flexibler zu gestalten. Sonst riskieren sie, die Wohnungen zu teuer oder zu günstig zu vermarkten. Schliesslich ist die Aussicht einer der wichtigsten Kriterien für die Attraktivität einer Hochhauswohnung.

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Hochaus-Boom ohne Ende

Neue Preismodelle sind ohnehin gefragt, weil in Zürich und den anderen grossen Schweizer Städten immer mehr Türme in den Himmel wachsen.

Alleine in Zürich sind es Stand heute 327 an der Zahl.

Erst am letzten Abstimmungssonntag stimmte die Bevölkerung für den Bau von drei neuen Hochhäusern mit 700 Wohnungen. Sogar Genossenschaften haben damit begonnen, Wohntürme zu bauen.
Auch in Basel haben die Stadtplaner an Hochbauten Gefallen gefunden. Und mit Roche und Novartis forcieren zusätzlich zwei Konzerne den Turmbau.

Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Weil die Schweiz wächst und der Boden in den Städten immer knapper wird, dürften in den nächsten Jahren noch manche Grossbauten emporschiessen.