Woche für Woche fliegen auf Schweizer Baustellen Schwarzarbeiter oder Fälle von Lohndumping auf. Im Wallis etwa wurden auf einer Baustelle 16 Arbeiter verhaftet, weil sie keine Arbeitsbewilligung hatten und für 20 Franken pro Stunde schufteten. Bauherrin war die Suva. Das Möbelhaus Ikea liess auf einer Baustelle bei Genf Lohndumping im grossen Stil zu - unwissentlich, sagt der Konzern.

Immer wieder sind auch grosse Namen wie UBS, Credit Suisse oder Marazzi im Spiel. Sie treten als Generalunternehmer oder Bauherren auf und können die Verantwortung zusammen mit den Aufträgen an Subunternehmen delegieren. So etwa die UBS im Fall der Generalversammlung im letzten April. Scheinselbstständige aus Deutschland besorgten damals den Umbau der Basler St. Jakobshalle. Oder die Anlagestiftung der Credit Suisse, die beim Bau des Wasserparks Aquabasilea über den Generalunternehmer Marazzi und Subunternehmer indirekt illegal Plättlileger aus Rumänien beschäftigte.

Der Name Marazzi taucht regelmässig auf. Jacky Gillmann, Generaldirektor des Bauriesen aus Bern, ist sich der Problematik bewusst. Es sei ein ganz wichtiges Thema. «Wir unternehmen viel, wir haben die Kontrollen verschärft», sagt er. Zutritt zur Baustelle erhalte nur noch, wer einen Badge habe. Aber die Verantwortung liege letztlich doch beim Subunternehmen. «Es verpflichtet sich uns gegenüber zur Einhaltung der Gesetze», so der Marazzi-Manager.

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Die publik gewordenen Fälle sind nur die Spitze des Eisberges. Eine Baselbieter Spezialtruppe, die in der Schweiz einzigartig ist, stösst bei jeder zweiten Baustelle auf schwarze Schafe. Experten sind sich einig, dass die Schwarzarbeit in der Schweiz zunimmt. Schätzungen gehen für das laufende Jahr von einem Volumen von mehreren Milliarden Franken aus.

Diese Zahlen zeigen, dass die diversen Gesetze und Bestimmungen gegen Lohndumping und Schwarzarbeit zu kurz greifen. FDP-Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, bringt es auf den Punkt: «Das Schwarzarbeitsgesetz ist eine Fehlkonstruktion. Es verlangt nur, dass andere Gesetze eingehalten werden.» Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) kennt die Kritik, merkt aber an, dass man Schwarzarbeit im Gesetz ganz bewusst nicht definieren wollte. Kritisiert wird das Seco auch wegen eines Rundschreibens gegen die grassierende Scheinselbstständigkeit, das dieser Tage in die Vernehmlassung geht. Peter Baeriswil, Direktor des Maler- und Gispermeisterverbandes, bezeichnet es als «zahnlosen Papiertiger». Er fühle sich ohnmächtig.

Ohnmächtig fühlt sich auch die Justiz, denn Schwarzarbeit ist inzwischen global und bandenmässig organisiert. So führen die Spuren auch auf die Seychellen, wo dubiose Firmen ihren Sitz haben und von Niederlassungen in der Schweiz aus Hilfskräfte vermitteln - schwarz.