Die Rechnung ist viel simpler, als es die Schweizer Nahrungsmittelproduzenten und Detailhändler ihren Kunden weismachen wollen: 2001 eruierte eine Studie der Konjunkturforschung Basel AG (BAK) Kostennachteile bei der Beschaffung von Waren als Hauptgrund für die überhöhten Preise. Ergo sind es nicht die Detailhändler, die zu viel verlangen, sondern die Nahrungsmittelproduzenten, Grossimporteure sowie zu viele Normen und Vorschriften, die zu hohe Waren- und so genannte Vorleistungskosten verursachen. Die Schweiz sei also nicht in erster Linie eine Preis-, sondern eine Kosteninsel.

Auch interessant

«Daran hat sich, abgesehen von sinkenden Energie- und einzelnen Dienstleistungspreisen, nichts geändert», glaubt Thomas Schoder, Autor der Studie. 2001 mussten Schweizer Detailhändler für ihre Leistungen im Schnitt 20% mehr bezahlen als die Händler in den Nachbarländern. Vergleiche der Endverbraucherpreise kamen damals aber nur auf eine Differenz von 15%. Das bestärkte die Swiss Retail Federation in der Aussage, dass der hiesige Detailhandel produktiver sei als der ausländische. Wenn Schoders jüngste Einschätzung stimmt, müsste sie die frohe Botschaft heute aber widerrufen: Nach den unzähligen Preisvergleichen der letzten Monate kosten insbesondere Lebensmittel 25% bis 70% mehr als beispielsweise in Deutschland. Für den Konsumenten heisst das, er zahlt einen doppelten Schweiz-Zuschlag; einen an den Produzenten und einen an den Detailhändler.

«Unerklärliche Preise»

In Bezug auf Food- und Nearfood-Produkte wird das von der Swiss Retail Federation sogar bestätigt: «Offensichtlich werden beidseits Preise abgeschöpft, die mit Kosten und Leistung allein nicht zu erklären sind», kritisiert Direktor Peter Saner auch die eigenen Verbandsmitglieder. Tatsache bleibe aber, dass die Binnenwirtschaft und insbesondere der Detailhandel immer noch übermässig «gemolken» würden. Die Urheber seien dieselben wie 2001: Markenartikler und Grossimporteure, die den reicheren Schweizern Zuschläge abverlangten, ein Staat, der zu viel reguliere und zu wenig liberalisiere.

Aktuellstes Beispiel für einen «klassischen Kostentreiber» sei die Absicht der Wettbewerbskommission, die marktbeherrschende Stellung der Schweizer Banken bei der Abschöpfung von Transaktionsgebühren im Detailhandel zu stützen. Die Banken verlangen von den Detailhändlern das Doppelte als im EU-Raum üblich. Kostenfaktor: 200 Mio Fr. pro Jahr, Tendenz steigend. Gebührensenkungen seien nicht in Sicht. «Das wäre ein Kniefall vor der Hochfinanz, den wir keinesfalls akzeptieren», kündigt Saner an. Der Detailhandel habe sehr wohl Verbesserungspotenzial in der Logistik und dem Controlling. Aber staatliche Regulierer müssten endlich Monopolrenten abschaffen und Parallelimporte erlauben.

Veranstaltungshinweis: ICME-Podium '05

Das Thema Preisinsel steht im Mittelpunkt des ICME-Podiums 2005. Dort diskutieren unter anderen Sunrise-Chef Hans Peter Baumgartner, Kurt H. Illi, Tourismusexperte, Otto Ineichen, Preisüberwacher Rudolf Strahm und Professor Walter Wittmann miteinander. Das Podium findet am Dienstag, 6.9. 2005, um 16 Uhr im Lake Side Casino Zürichhorn, Bellerivestr. 170, in Zürich statt. Anmeldungen an Christina Bremer, ICME, Telefon 01 366 56 12.