Ein Jahr nach seinem Amtsantritt treibt Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes den Konzernumbau weiter voran und will mit Stellenstreichungen in Europa die Kosten drücken. Dazu sei bereits ein Tarifvertrag mit der IG Bau unterzeichnet worden, teilte Hochtief bei der Vorlage der Quartalszahlen mit.

Es sei aber noch unklar, wie viele Stellen abgebaut werden. Im dritten Quartal verdiente der Konzern weniger als noch vor Jahresfrist. Zudem werden die Kosten des Umbaus in Europa mit voraussichtlich knapp 100 Millionen Euro teurer als zunächst angenommen. Der vom spanischen Mutterkonzern ACS entsandte Verdes war mit dem Ziel angetreten, Hochtief auf Profit zu trimmen. «Um die Profitabilität und die Wettbewerbsfähigkeit in Europa deutlich zu verbessern, brauchen wir schlanke Strukturen und effiziente Prozesse», unterstrich Verdes.

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Rotstift beim Management angesetzt

Er hatte bereits beim Management den Rotstift angesetzt - statt 13 sollen künftig nur noch sieben Manager die künftig noch vier operativen Einheiten im Europa-Geschäft leiten. Die Sparte beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter. Für die von Streichungen betroffenen Mitarbeiter sollten sozialverträgliche Lösungen gefunden werden, hiess es weiter. An einen Abschied aus dem deutschen Baugeschäft - Hochtief hatte hier unter anderem mit der Hamburger Elbphilharmonie Probleme - denke er aber nicht, versicherte Verdes: «Wir bekennen uns klar zum Hochtief-Heimatmarkt Deutschland.»

Im dritten Quartal verbuchte der Baukonzern bei rückläufigen Umsatzerlösen von 5,79 (Vorjahr: 6,5) Milliarden Euro und steigenden Auftragseingängen von 8,58 (5,9) Milliarden Euro ein Ergebnis vor Steuern von 254,2 (278,2) Millionen Euro. Unter dem Strich und nach Minderheiten stand ein Gewinn von 24,2 Millionen Euro - nach 140,4 Millionen Euro im Jahr zuvor. Damals hatten aber ausserordentliche Verkaufserlöse das Ergebnis getrieben, in diesem Quartal belasteten dagegen unter anderem bereits die Kosten des Umbaus in Europa den Gewinn.

Konzern zum globalen Player umformen

Hochtief will mit dem Umbau die jährlichen Kosten um 40 bis 60 Millionen Euro drücken. In der Vergangenheit hatte Verdes angekündigt, für den Umbau 70 bis 90 Millionen Euro aufwenden zu wollen - nun sollen es voraussichtlich «nahezu» 100 Millionen Euro werden. Der Konzern hat sich noch nicht dazu geäussert, wie viele Stellen letztlich wegfallen werden, Gespräche mit der IG Bau laufen. Das Europa-Geschäft gilt als margenschwach.

Der spanische Manager Verdes will Hochtief zum «global führenden Infrastruktur-Baukonzern» umformen. Er hat bereits das Service-Geschäft Hochtiefs mit knapp 6000 Mitarbeitern an die französische Spie-Gruppe verkauft. Auch die Flughafen-Beteiligungen veräusserte der Konzern. Damit hat Verdes seine Verkaufsliste aber noch nicht abgearbeitet.

(reuters/muv/aho)