Die Boni-Saison ist eröffnet. Die Debatten werden in diesem Jahr besonders kontrovers und heftig geführt. Bei der US-Investmentbank J.P.Morgan hat der Druck von Öffentlichkeit, Politikern und Regulatoren bereits erste Wirkung gezeigt. Die Bank hat ihre Lohnsumme auf 33% der Erträge reduziert - nach 44% im Vorjahr. Andere Banken gehen dagegen weiter auf die Barrikaden: Nur mit hohen Salären seien sogenannte Schlüsselpersonen zu halten, klagen sie.

Londoner Boni verdoppelt

In den nächsten Wochen, wenn die Finanzinstitute ihre Jahresberichte vorlegen, stehen vor allem auch die Vergütungen im Fokus der Öffentlichkeit. Laut Schätzungen von Experten dürften für 2009 in der Finanzbranche weltweit insgesamt mehr Boni ausgeschüttet werden als im Krisenjahr 2008. Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Finanzplätzen gross.

In Branchenkreisen werden die in den ersten drei Quartalen ausgeschütteten Boni auf das gesamte Jahr 2009 hochgerechnet. Dabei fällt auf: In London und in New York hat sich die Boni-Summe im vergangenen Jahr fast verdoppelt. In Zürich sehen Spezialisten dagegen nur einen vergleichsweise leichten Zuwachs im einstelligen Prozentbereich.

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Viele Saläre sind eingefroren

Der Hauptgrund für die Unterschiede liegt darin, dass das Vermögensverwaltungsgeschäft in der Schweiz ein grosses Gewicht hat. London und New York sind dagegen stärker auf das Investment Banking ausgerichtet, und im Investment Banking sind die Boni höher als im Private Banking. Zudem hat 2009 vor allem das Geschäft im Investment Banking wieder stark angezogen.

Doch auch im Private Banking spielen die Boni eine wichtige Rolle. Bei Zürcher Personalvermittlern heisst es, dass die UBS weiterhin wichtige Private Banker verliere, während die Credit Suisse neue Talente anziehe. Am aggressivsten würden aber die kleinen Finanz-Boutiquen mit finanziellen Anreizen locken. Doch längst nicht um alle Zürcher Banker wird gebuhlt. «Mit hohen Boni werden vor allem jene Angestellten geködert, die der Bank Neugeschäfte bringen», sagt Gerold Guggenbühl, Headhunter bei Guggenbühl & Bächer Recruitment AG. Bei vielen anderen Mitarbeitern, die zum Beispiel im Backoffice tätig sind, seien die Saläre nach wie vor eingefroren.

«An der absoluten Höhe der Löhne in der Finanzbranche hat sich - im Verhältnis zu den Ergebnissen - zwar kaum etwas geändert, in der Art der Auszahlung findet aber ein Umdenken statt», sagt Stephan Hostettler, Experte für leistungsabhängige Vergütungen und Lehrbeauftragter für Corporate Governance an der Universität St. Gallen. Die Boni seien häufiger längerfristig ausgerichtet und tendenziell steige der fixe Grundlohn im Verhältnis zu den variablen Komponenten weiter.

Veränderte Lohnmodelle

Diese Feststellung deckt sich mit den Ergebnissen einer aktuellen internationalen Studie des Beratungsunternehmens Mercer zur Vergütungspraxis von Top-Managern. Befragt wurden 61 globale Finanzunternehmen. Demnach haben 80% der Unternehmen ihre kurzfristigen Bonus-Programme überarbeitet oder planen Änderungen, um die Programme längerfristiger und stärker an Methoden der Leistungsbeurteilung auszurichten, die auch das geschäftliche Risiko stärker einbeziehen.

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So haben etwa auch 42% der Befragten angegeben, sie hätten ihre Abfindungszahlungen abgeschafft, welche Führungskräfte erhalten, wenn sie das Unternehmen verlassen.

NACHGEFRAGT

Thomas Minder, Initiant der «Abzocker-Initiative»

«Ein Ja ist so sicher wie das Amen»

Die Empörung über die Banker-Boni ist Wasser auf die Mühlen Ihrer «Abzocker-Initiative».

Thomas Minder: Ja, die Aktionäre müssten an der Generalversammlung gefragt werden, ob Boni bezahlt werden dürfen. Die Firma muss in jedem Fall höher gewichtet werden als der einzelne Mitarbeiter.

Wird die Initiative angenommen?

Minder: Die Grosswetterlage hat sich geändert. Ich werde derzeit von E-Mails überschwemmt. Dass die Initiative angenommen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die UBS zahlt trotz Jahresverlust Milliarden-Boni.

Was ärgert Sie am meisten daran?

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Minder: Es gibt einen sehr starken Zusammenhang zwischen der UBS-Vergütungspolitik und den Kundengeldern, die abgezogen werden. Die Bank hat bei sehr vielen ihrer Kunden ein «Abzocker-Image».

Wie kann die Bank das Vertrauen zurückgewinnen? Minder: Die Kultur müsste sich ändern. Doch bis jetzt ist kein neuer Geist in die UBS gekommen. VR-Präsident Kaspar Villiger hat es nicht geschafft, das Vertrauen zurückzubringen.