Die Situation ist für die Schweizerische Nationalbank (SNB) alles andere als einfach. Auf der einen Seite herrscht weiterhin grosse Unsicherheit wegen der Kreditkrise. Wie schwerwiegend deren Auswirkungen auch für die Schweiz sein können, zeigt der gewaltige Abschreiber von 10 Mrd Dollar bei der UBS. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten und drohende Liquiditätsengpässe würden eigentlich für eine Senkung des Libor-Zielbandes sprechen.

Nationalbank im Dilemma

Auf der anderen Seite verzeichnet die Schweiz ein sehr robustes Wirtschaftswachstum bei einer Inflation von 1,8%. Damit liegt die Teuerung nur knapp unter der Marke von 2%, bei welcher die SNB die Preisstabilität noch gewahrt sieht. Dabei sind es nicht nur die stark im Preis gestiegenen Nahrungsmittel und das teure Öl, welche für den Inflationsdruck verantwortlich sind. Auch wenn diese Einflüsse herausgerechnet werden, zeigen die Preise deutliche Inflationstendenzen. Unter diesen Gesichtspunkten müsste die SNB den Leitzins also anheben.

Die meisten Experten gehen angesichts der einander entgegenstehenden Einflussfaktoren davon aus, dass die SNB das Zielband für den 3-Monats-Libor unverändert bei der Spanne zwischen 2,25 und 3,25% lässt. Gegenwärtig beträgt dieser Zins 2,77%, was nur knapp über dem Mittel des Zielbandes von 2,75% liegt.

Anzeige

Damit legt also der Markt keine Veränderung nahe wie etwa noch im September, als der Libor sich immer mehr der damaligen Obergrenze von 3,00% angenähert hatte. Damit dürften von der eigentlichen SNB-Entscheidung wenig Impulse kommen. Das sieht auch Marc Schürer so, Anlagestratege bei Clariden Leu: «Ein unveränderter Leitzins entspricht der Konsenserwartung. Die Märkte haben dieses Szenario bereits eingepreist und werden daher auf einen unveränderten Leitzins kaum reagieren.» Erst im nächsten Jahr sollen die Zinsen aufgrund der starken Konjunktur um 0,25 Prozentpunkte angehoben werden, prognostiziert die OECD.

Wann die Zinsen aber tatsächlich steigen und ob sie dann um 0,25 Prozentpunkte angehoben werden, ist alles andere als sicher. Denn SNB-Präsident Jean-Pierre Roth hat vor zwei Wochen in einer Rede an der Universität Freiburg darauf hingewiesen, dass die SNB keinem mechanischen Entscheidungsmodell folge. Dabei spiele es keine Rolle, was die Inflations- und Konjunkturprognosen voraussagten. Für eine Entscheidung seien vor allem die Analysen und Einschätzungen der SNB-Spitze verantwortlich.

Einige Marktbeobachter rechnen sogar mit einem Anheben des Zielbandes um 0,5 Prozentpunkte im Jahr 2008. In seiner Rede hat Nationalbankpräsident Roth nämlich ausserdem darauf hingewiesen, dass der Franken bei Zinsentscheidungen eine wichtige Rolle spiele – auch wenn die SNB kein Wechselkursziel verfolge. Der Wechselkurs könne die Inflation massgeblich beeinflussen und sei eine der grössten Unsicherheitsquellen für die Inflationsprognose, erläuterte Roth in seinem Vortrag. Aufgrund des gegenwärtig schwachen Frankens bestehe das Risiko, dass die SNB-Inflationsprognose die Teuerungsrisiken unterschätze.

 

Die Zinsen auf Sparkonten steigen nur sehr zögerlich

Sparkonten sind etwas für sehr sicherheitsbewusste Anleger. Ihr Vorteil ist, dass der Anleger selbst im Falle eines Bankkonkurses mindestens 30000 Fr. seines Sparguthabens zurückerhält. Allerdings frisst in der gegenwärtigen Situation die Inflation den Zinsertrag auf, sodass man mit einem Sparkonto gegenwärtig real Geld verliert.

Anzeige

Ein Grund für die tiefen Zinsen auf den Sparkonti sind die Hypothekarzinssätze. Obwohl die Marktzinsen in der letzten Zeit gestiegen sind, haben die Banken die Hypothekensätze nicht entsprechend angepasst, weil steigende Hypotheken grossen politischen Druck erzeugen und oft die Hausbesitzer-und Mieterorganisationen auf den Plan rufen. Um diesen Renditeausfall zu kompensieren, geben die Banken auf der anderen Seite steigende Zinsen aber auch nicht im entsprechenden Umfang an die Sparer weiter. Im Moment zahlen also die Sparer teilweise die Zeche für die tiefen Hypotheken der Hausbesitzer.

 

Die Hypozinsen werden weiter steigen. Festhypotheken und Liborhypotheken mit Cap sind zu bevorzugen

Die Hypothekenzinsen werden trotz unverändertem Leitzins weiter steigen», erklärt Marc Schürer von Clariden Leu. «Denn der Abstand des Leitzinses zu den Hypothekenzinsen ist historisch gesehen extrem tief.»

Anzeige

Welche Hypothek empfiehlt sich jetzt? Prinzipiell sollten Hausbesitzer sich für eine sehr langfristige Festhypothek entscheiden oder eine Liborhypothek mit Cap. Denn Untersuchungen zeigen, dass Festhypotheken mit mittleren Laufzeiten in der Schweiz praktisch immer am teuersten sind.

Festhypotheken
Bieten die grösste Planungssicherheit, weil der Hausbesitzer genau weiss, wie hoch seine Raten über die gesamte Laufzeit sind. Zudem ist das Zinsniveau historisch gesehen immer noch günstig. Bei leicht oder stark steigenden Zinsen profitiert man davon, dass bei dieser Hypothek die zu zahlenden Zinsraten konstant bleiben. 

Liborhypothek mit hohem Cap
Sind vor allem bei sinkenden Zinsen gefragt, schneiden aber auch bei leicht steigenden Zinsen gut ab. Teuer wird es, wenn die Zinsen stark steigen. Mit einem Cap beispielsweise bei 5,5% lässt sich dieses Risiko eliminieren. Dabei gilt: Je tiefer der Cap, desto teurer wird die Hypothek.

Anzeige