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Selbstanzeige
Hoeness-Konto bei Vontobel vermutet

Ganz Deutschland debattiert darüber, dass Uli Hoeness Geld in der Schweiz geparkt hat. Laut Medienberichten soll der FC-Bayern-Präsident ein Konto bei der Bank Vontobel eingerichtet haben.

Veröffentlicht am 22.04.2013

Der Präsident des FC Bayern München hat in der Schweiz erwirtschaftete Kapitalgewinne in Deutschland nicht versteuert. Die «Bild»-Zeitung will nun wissen, dass Uli Hoeness sein Geld bei der Bank Vontobel angelegt hatte: «Dies ist darauf zurückzuführen, dass der 'Stern' im Januar 2013 von einem Konto bei der Privatbank Vontobel (Nummernkürzel 40...A) berichtete, auf dem angeblich ein 'Spitzenvertreter der Bundesliga' solch unfassbare Summen gebunkert haben soll.»

Auch die «Süddeutschen Zeitung» («SZ») nannte den Namen Vontobel: «Vor mehr als zehn Jahren soll Hoeness, der eine Neigung zum Zocken hat, bei der in Zürich ansässigen Bank Vontobel AG ein Konto eingerichtet haben, auf dem er Millionen Euro lagerte», schreibt das Blatt. «Es handelte sich nicht um Schwarzgeld, sondern um versteuertes Geld. Aber er zahlte dem deutschen Fiskus offenbar nicht die Kapitalertragsteuer.»

Auf Anfrage von handelszeitung.ch konnte ein Vontobel-Sprecher die Gerüchte um das angebliche Hoeness-Konto nicht kommentieren.

Abschlagszahlung angeblich schon überwiesen

Die Steueraffäre um Hoeness war am Wochenende durch einen «Focus»-Bericht bekannt geworden. Demnach reichte Hoeness im Januar Selbstanzeige wegen eines Kontos in der Schweiz ein. Die Staatsanwaltschaft und Hoeness selbst bestätigten dem Magazin die Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Der «SZ» sagte Hoeness am Sonntag: «Ich darf im Moment nichts sagen, denn ich befinde mich in einem schwebenden Verfahren. Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen.»

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Justizkreise, Hoeness habe seit mehr als zehn Jahren versteuertes Geld in Millionenhöhe bei einer in Zürich ansässigen Bank angelegt, ohne dem deutschen Fiskus die anfallende Kapitalertragsteuer gezahlt zu haben. Demnach soll der Fussballmanager und Wurstfabrikant inzwischen eine Abschlagszahlung auf seine Steuerschuld von 3 Millionen Euro überwiesen haben.

Deutsche Politik empört

In anderen Medienberichten war von einer weitaus höheren Summe die Rede. «Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen», kündigte Hoeness im «Münchner Merkur» an. Für eine Münchner Zeitung könnte dies «richtig teuer» werden. Einen Rücktritt als FC-Bayern-Präsident lehnt Hoeness ab.

Nach der Selbstanzeige von Hoeness hat der FDP-Finanzexperte Volker Wissing das Verhalten des FC-Bayern-Präsidenten kritisiert. «Selbstverständlich ist Steuerhinterziehung nicht akzeptabel, das ist ein Foulspiel an der Gesellschaft und verdient die rote Karte», sagte Wissing heute in der ARD. Zu dem Verfahren gegen Hoeness wollte sich der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion aber nicht direkt äussern. Dies sei Sache der Justiz.

Zugleich kritisierte Wissing SPD und Grüne, die sich durch die Selbstanzeige von Hoeness in ihrer Position im Kampf gegen Steuerhinterzieher bestätigt sehen. Die Opposition sollte sachlicher mit dem Thema umgehen, mahnte Wissing.

Glaubwürdigkeitsverlust

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sagte im Deutschlandfunk, durch die Steueraffäre habe Hoeness an Autorität und Glaubwürdigkeit verloren. Steuerhinterziehung sei kein Kavaliersdelikt.

Zugleich bemängelte Bosbach, dass durch das Veto von SPD und Grünen im Bundesrat es immer noch kein deutsch-schweizer Steuerabkommen gebe. So sei man auf den Diebstahl von Steuerdaten angewiesen. Hoeneß hatte seine Entscheidung zur Selbstanzeige mit dem Scheitern des Abkommens begründet.

(tke/jev/tno/reuters)

 

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