Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich mehrfach gegen überstürzte Aktionen ausgesprochen. Auch an der kommenden Sitzung vom 4. Juni werden solche nicht erwartet. «Unsere Ökonomen erwarten keine Änderung des Zinsniveaus durch die EZB», sagt Marcus Hettinger, Leiter Devisen Research bei der Credit Suisse.

Der Rückkauf von Pfandbriefen im Umfang von 60 Mrd Euro werde als ausreichend angesehen, um die Zinsen am Kapitalmarkt zu senken. Zudem häuften sich die Anzeichen, dass die Wirtschaft im Euro-Raum die Talsohle hinter sich lässt. Wichtiger als ein Drehen an der Zinsschraube ist für den Euro gemäss Hettinger der Umstand, dass die Wirtschaft anzieht. Mit 43,9 Punkten stieg der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone wieder auf den Stand von September 2008. Im wichtigen Euro-Land, Deutschland, fiel der ZEW-Index, der die Einschätzungen von 294 Analysten zu Konjunktur- und Börsenaussichten zusammenfasst, markant besser aus als erwartet. Im Mai stieg zudem der Ifo-Index, das Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft, zum zweiten Mal in Folge. Der EZB-Ökonom Jürgen Stark empfiehlt in einem Interview, die bisherigen Impulsprogramme erst einmal wirken zu lassen.

Das Kursverhältnis bleibt stabil

«Der Einfluss des ?credit easing?, also des Rückkaufs der Pfandbriefe durch die EZB, berührt den Schweizer Franken kaum: Das Verhältnis Euro/Franken wird relativ stabil bleiben», glaubt Hettinger. Das ist für die Industrie wegen der Planbarkeit interessant - für die Investoren weniger. Die Währungsrelation Euro/Franken bewegt sich laut Hettinger in einem engen Band, das gegen 1.60 vom Aufwertungsdruck des Frankens und gegen 1.50 durch die Interventionsbereitschaft der Schweizer Nationalbank (SNB) beschränkt ist. «In der Theorie kann die Nationalbank unendlich Franken drucken und Euro-Stützungskäufe tätigen», erklärt der CS-Analyst.

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SNB ist in der Zwickmühle

Im Markt halten sich Gerüchte hartnäckig, die Nationalbank verteidige die psychologische Marke von 1.50. Anzeichen dafür bestehen: Als am Freitag, 15. Mai, der Euro auf ein Zweimonatstief von 1.50 Franken/Euro fiel, sprang der Kurs innerhalb weniger Minuten auf 1.5140 zurück. Diese Reaktion ist ohne massive Stützungskäufe von offizieller Seite kaum vorstellbar.Luca Bindelli, Leiter Währungsstrategie bei Clariden Leu, denkt ebenfalls, dass die EZB die Zinsen nicht senken wird. Und falls die EZB die Zinsen doch senke, werde die SNB eingreifen. «Falls der Euro-Kurs unter 1.50 Fr. fällt, wäre das gefährlich für die Glaubwürdigkeit der Nationalbank», erklärt er. Daher werde die SNB versuchen, jede Andeutung einer Franken-Aufwertung im Keim zu ersticken. Dabei zähle die SNB vor allem auf ihre Glaubwürdigkeit. Bindelli relativiert das Potenzial der Nationalbank: «Die SNB hat im 1. Quartal 2009 den Euro-Bestand um 7 Mrd erhöht. Zum Vergleich: Am Devisenmarkt werden jeden Tag 50 Mrd Fr. in Euro umgesetzt.»Die CS geht für die kommenden drei Monate von einem Wechselkurs von 1.53 Franken/Euro aus. «Auf lange Frist - ab 2010 - dürfte sich der Franken wegen der Unterbewertung aber auf 1.50 Franken/Euro aufwerten», sagt Hettinger.

 

 


Wenn die USA das Triple-A verlieren: Eine schwere Hypothek für den Dollar

Standard & Poor's hat den Ausblick für die AAA-Bonität der Schuldenpapiere Grossbritanniens auf «negativ» gesetzt. Dies könnte nun auch den USA drohen, so die Befürchtun-gen am Finanzmarkt.

«Der Effekt auf Dollar und Zinsen wäre primär kurzfristiger Natur», sagt UBS-Analyst Thomas Wacker. Gravierend würde es für die USA erst, wenn alle massgebenden Agenturen, also auch Moody?s und Fitch, die USA zurückstufen würden. Dies würde die Refinanzierungslast für die USA massiv erhöhen. Die aktuellen Zinsprognosen müssten vor allem am langen Ende nach oben korrigiert werden. Vorerst ist es erst eine «Drohgebärde» von Standard & Poor?s, die bezüglich Bewertung von Staatsanleihen gemäss Thomas Wacker schon immer aggressiver aufgetreten ist als die Konkurrenz. «Am Beispiel Spanien konnte man sehen, welche Auswirkung eine Rückstufung von Standard & Poor?s allein hat. «Der Markt reagiert nur kurzfristig, wenn die übrigen Agenturen das Rating bestätigen», fügt Wacker an. Das Problem sei auch nicht ganz neu: Bereits vor zehn Jahren seien einmal Zweifel am Triple-A der USA aufgekommen. «Falls die Staatsanleihen von Grossbritannien und den USA wirklich zurückgestuft werden, müsste man sich fragen, was mit den übrigen Triple-A-Ländern ist», erklärt Wacker. Denn Frankreich, Deutschland und andere «erstklassige» Schuldner hätten punkto Defizit und Staatsverschuldung ähnliche Probleme. Was dann mit den Währungen geschieht, ist gemäss UBS-Analyst schwer abzuschätzen.

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Doch der Dollar wird auch ohne Rating-Abschlag weiter schwächeln. In den vergangenen Monaten wirkten sich Erholungsphasen an den Börsen meist zulasten des Greenbacks aus, dem in der laufenden Finanzkrise ein neuer «Status» zufällt. Aus diesem Grund empfiehlt Luca Bindelli von Clariden Leu, auf eine mittel- bis langfristige Dollarabschwächung zu setzen. «Im nächsten Aufschwung wird die USA weniger auf verschuldete Konsumenten und kreditfinanzierte Staatsstimuli zählen können, sondern mehr auf externes Wachstum angewiesen sein», sagt Bindelli. Dafür braucht das Land eine günstige Währung. Die expansive Geldpolitik ist laut Bindelli implizit darauf ausgerichtet, Inflation zu erzeugen, um die Staatsschulden zu reduzieren.