Die weltweit wichtigsten Bankenaufseher wollen den ausserbörslichen Handel mit Derivaten eindämmen. In dem endgültigen Entwurf für ein Regelwerk hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht die ursprünglichen Vorschriften für den mehr als 500 Billionen Euro schweren Markt aber noch abgeschwächt.

Banken hatten gewarnt, dass eine zu strenge Regulierung die Konjunkturerholung gefährden könnte.

Nach dem Willen der Notenbanker und Aufseher müssen Derivatehändler für die Finanzwetten künftig zusätzliche Sicherheiten - etwa Staatsanleihen oder Bargeld - hinterlegen, sofern die Papiere nicht über ein Clearinghaus abgewickelt werden. Dort wären sie gegen den Ausfall eines Handelspartners ohnehin abgesichert.

Allerdings sollen diese Regeln nur für die grössten Derivatehändler schon von 2015 an gelten, den anderen geben die Regulierer bis zu vier Jahre länger Zeit.

Lehren aus der Finanzkrise

Der Entwurf kommt wenige Tage vor dem Gipfeltreffen der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) am Donnerstag und Freitag in Russland. Die Staats- und Regierungschefs wollen sich dort mit weiteren Regulierungsschritten für die Finanzbranche beschäftigen.

Die Bankenregulierer ziehen damit eine weitere Lehre aus der Finanzkrise. Damals hatten vor allem Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) für Unsicherheit gesorgt, weil niemand am Markt wusste, wie sehr man sich im Ernstfall darauf verlassen könnte.

Mit den Vorschriften wollen sie Banken und Händler dazu bewegen, den Derivatehandel über Börsen oder Clearinghäuser abzuwickeln, womit alle Transaktionen transparent und nachweisbar würden. Dort müssen die Marktteilnehmer eine pauschale Sicherheitsleistung hinterlegen.

Bisher unterlegen die Derivatehändler ihre Transaktionen nur in dem Masse mit Sicherheiten, wie die Papiere am Markt schwanken können. Nach den neuen Regeln müssten viele von ihnen erstmals den gesamten Wert absichern. Einige Banken fürchten, dass ihnen damit die Sicherheiten in der nötigen Qualität ausgehen würden.

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Schwer absehbare Folgen

Branchenvertreter hatten vor dem Schritt gewarnt, weil er dazu führen könnte, dass sich Marktteilnehmer gar nicht mehr mittels Derivaten etwa gegen Währungsschwankungen absicherten. Auch die Aufseher räumen ein, dass die Folgen nur schwer absehbar seien: «Der Basler Ausschuss ... erkennt an, dass die Sicherheiten-Anforderungen neu für den Markt sind und ihre genaue Auswirkung von einer Reihe von Faktoren und Marktgegebenheiten abhängt, die erst mit der Zeit erkennbar sein werden, wenn sie in der Praxis angewandt werden.»

Sicherheiten fordert der Basler Ausschuss dem revidierten Entwurf zufolge aber nur noch für Transaktionen mit einem Wert von mehr als 50 Millionen Euro. Zudem werden mehr Papiere als Sicherheiten anerkannt als ursprünglich geplant.

(sda/jev/aho)