Reverse Convertibles gehören zu den Klassikern unter den Renditeoptimierungsprodukten. Durch die Inkaufnahme einer Gewinnobergrenze lässt sich auch bei stagnierenden Aktienkursen eine attraktive Rendite erzielen. Markante Kursverluste an den Aktienmärkten bedeuten für Reverse Convertibles hingegen eine negative Performance. Dessen wurden sich viele Investoren erst beim Platzen der Technologieblase gewahr, wodurch die klassischen Reverse Convertibles eine Weiterentwicklung zu Barrier Reverse Convertibles erfuhren.

Durch die Hinzunahme eines bedingten Kapitalschutzes konnte die Renditeoptimierung nunmehr selbst im Falle einer leicht negativen Entwicklung des Basiswertes erreicht werden, solange dieser während der Laufzeit die Barriere nie berührt. Natürlich ist dieses zusätzliche Sicherheitselement nicht kostenfrei, sondern mindert die Maximalrendite.

Geburt des Publikumlieblings

Mit dem stetigen Anstieg der Aktienkurse in den Jahren 2003 bis 2007 sanken die Volatilitäten und damit auch die Attraktivität von Barrier Reverse Convertibles, was sich in niedrigeren Coupons niederschlug. Im Gegensatz dazu riefen die markanten Kursanstie-ge an den Aktienmärkten den Wunsch der Anleger nach höheren Renditen hervor. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bot die Inkaufnahme von mehrfachem Aktienrisiko, was die Geburtsstunde der Multi Barrier Reverse Convertibles einläutete. Wo die konventionellen Barrier Reverse Convertibles eine einzelne Aktie als Basiswert haben, bezieht sich der neue Produkttyp auf mehrere Aktien, wobei das Worst-of-Prinzip gilt. Somit ist nunmehr nicht die Entwicklung sämtlicher Basiswerte relevant, sondern der Titel mit der schlechtesten Wertentwicklung.

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Die Kombination von hohen Coupons, die deutlich über der Kapitalmarktverzinsung liegt mit einem grosszügigen Sicherheitspuffer, liess die Multi Barrier Reverse Convertibles innert kürzester Zeit zu den beliebtesten strukturierten Produkten avancieren. Dabei blieben die Risiken dieser Produkte während der anhaltenden Schönwetterphase lange verborgen. Erst die jüngste Finanzmarktkrise führte den Anlegern das Gefahrenpotenzial von Multi Barrier Reverse Convertibles vor Augen. Zwar verloren die Anleger im Jahre 2008 mit den meisten Anlagevehikeln Geld, doch die Worst-of-Funktionalität wirkte sich besonders schmerzhaft aus. Die Barrieren wurden in praktisch allen Fällen durchbrochen und anstelle der Rückzahlung des Nominals erwartete die Anleger die Lieferung des schlechtesten Titels.

Totgesagte leben länger

Da die Kurse der Multi Barrier Reverse Convertibles in der Krise besonders gelitten haben, mag es zunächst erstaunen, dass diese seit einigen Monaten wieder auf dem Vormarsch sind. Es scheint, als habe der im Frühling dieses Jahres wieder angesprungene Motor der Aktienmärkte auch das Karussell von Angst und Gier weiterdrehen lassen. Angesichts der momentan verschwindend geringen Verzinsung scheinen die hohen Coupons dieser Produkte geradezu sensationell. Die Gesetze der Finanzmärkte gelten aber auch für strukturierte Produkte. Die hohen Coupons werden durch ein gebündeltes Aktienrisiko erkauft. Das Vorliegen mehrerer Basiswerte mag auf den ersten Blick einer Diversifikation im Sinne eines Aktienkorbes oder eines Indexes ähneln, ganz im Sinne der Portfoliotheorie. Tatsächlich verzichtet der Worst-of-Mechanismus aber nicht nur auf eine Diversifikation, sondern wirkt sogar in die diametrale Richtung, weshalb man von einer «Anti-Diversifikation» sprechen kann.

Obwohl sich abzeichnet, dass die jüngste Krise einen Trend zu einfachen Strukturen zur Folge hat, scheinen die Multi Barrier Reverse Convertibles eine Ausnahme zu bilden. Bleibt abzuwarten, ob das Bewusstsein um die letztes Jahr zutage getretenen Worst-of-Risiken ebenso beständig sein wird wie das Interesse an diesen Produkten.