Seit gut einem Jahr ver-zeichnet der Schienengüterverkehr einen deutlichen Nachfrageeinbruch, hervorgerufen durch die internationale Wirt-schaftskrise. Das Kerngeschäft von BLS Cargo, die internationalen Transitverkehre, waren im Sog der Nachfrageeinbrüche, welche die europäischen Grossindustrien im Jahr 2009 verzeichneten, stark rückläufig. Geprägt durch diese Marktentwicklung ging die Verkehrsleistung von BLS Cargo im vergangenen Jahr um 19% gegenüber dem Vorjahr zurück und lag deutlich unter den ursprünglichen Planungen.

Der Markt diktierte den Rhythmus der Arbeit und die kurzfristigen Bestellungen oder Annullationen von Zügen nahmen markant zu. BLS Cargo war daher 2009 stark gefordert. Die Situation forderte höchste Flexibilität und die Fähigkeit, sich ständig den neuen Anforderungen der Kunden anzupassen. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise profitiert BLS Cargo von den partnerschaftlichen Beziehungen zu den Kunden. In engen und regelmässigen Absprachen versuchte BLS Cargo stabile Ver-kehrsprogramme zu vereinbaren, um die Verkehre trotz teilweise kurzfristiger Änderungen mit durchgehend hoher Qualität abzuwickeln und die Kosten der vom Markt geforderten Flexibilität zu reduzieren.

Problem Überkapazitäten

Neben dem erhöhten Planungs- und Dispositionsaufwand stellten die Überkapazitäten bei praktisch allen Produktionsressourcen eine grosse Herausforderung dar. BLS Cargo hatte bestärkt durch das Wachstum vergangener Jahre und auch durch die Ziele und Ansprüche der Verlagerungspolitik in den letzten zwei Jahren in Ressour-cen für weiteres Verkehrswachstum in-vestiert. Diese Ressourcen mit Fixkostencharakter konnten 2009 nicht kurzfristig an das tiefere Nachfrageniveau angepasst werden, sodass fast volle Kostenremanenz entstand. Aufgrund des Umsatzrückgangs und der auf deutlich höhere Transportleistungen ausgerichteten Ressourcen war relativ schnell klar, dass das Unternehmen per Ende 2009 erstmals in der Unternehmensgeschichte mit einem negativen Jahresergebnis abschliessen würde. Die Ressourcen eines Eisenbahngüterverkehrs-Unternehmens stellen jedoch strategisch wichtige Werte dar und dürfen somit aus Sicht zukunftsorientierter Bahnen nicht zu radikal abgebaut werden. Durch zu starken Abbau laufen die Unter-nehmen Gefahr, strategische Positionen für ein Partizipieren an einem nächsten Aufschwung zu vergeben.

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Als Antwort auf diese Herausforderung leitete BLS Cargo mit einem Effizienzsteigerungsprojekt ein Paket von strukturellen Massnahmen ein, die eine Anpassung und Optimierung des Ressourcen- und Personaleinsat-zes vorsehen und die Kostensituation sowohl für 2010, aber auch für die Jahre 2011-2014 grundlegend verbessern werden. Durch schnelles Umsetzen von Massnahmen wie beispielsweise Einstellungs- und Investitionsstopp sowie Vermietung von Loks und Lokführern an andere Bahnen wirkten BLS Cargo und die BLS dem Abwärtstrend entgegen. Bis Ende 2009 erreichte BLS Cargo die angestrebten Einsparungsziele, führte sie in eine mehrjährige Planung über und hinterlegte sie mit konkreten Massnahmen.

Geschäftsmodell bestätigt

Der Druck auf die Effizienz des Geschäftsmodells und die Einbettung in funktionierende Partnerschaften ist durch die Wirtschaftskrise markant gestiegen. Das Geschäftsmodell von BLS Cargo mit schlanken, effizienten Strukturen und internationalen Partnerschaften hat sich in der Vergangenheit als sehr erfolgreich erwiesen. Aufgrund der Grösse und der Organisation verfügt das Unternehmen über eine hohe Flexibilität, sich an neue Gegebenheiten anzupassen, was im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt wurde. BLS Cargo ist in funktionierende Partnerschaften mit den Aktionären BLS, DB Schenker und IMT (Ambrogio-Gruppe) eingebunden. Dem guten Zusammenspiel mit den Kunden, den Aktionären und dem hohen Einsatz der Mitarbeitenden ist es zu verdanken, dass die Überkapazitäten 2009 zu einem grossen Teil flexibilisiert und an die gesunkene Transportnachfrage angepasst werden konnten. BLS Cargo stellt ausserdem heute fest, dass das Geschäftsmodell von Wettbewerbern zunehmend als Vorbild genommen und teilweise übernommen wird, was anspornt, die eigenen Wettbewerbsvorteile zu erhalten und auszubauen. Die Krise hat gezeigt, dass BLS Cargo sich sehr klar dem Veränderungsdruck gestellt hat und weitge- hend auf Personalabbau verzichten konnte.

Die Zuversicht ist daher gross, gestärkt aus dieser schwierigen Situation hervorzutreten.