SCHMOLZ + BICKENBACH. Die hohen Rohstoffpreise können dem Stahlunternehmen Schmolz + Bickenbach (S+B) nichts anhaben: «Für 2007 erwarten wir einen sehr guten Abschluss», sagt Marcel Imhof, COO von Schmolz + Bickenbach, der ehemaligen Swiss Steel, und bestätigt die Umsatzprognose von 4 Mrd Euro. Bezüglich Betriebsgewinn – 230 Mio Euro im 1. Semester 2007 – und Reingewinn (130 Mio Euro) zeigt sich Imhof optimistisch, nennt aber keine Zielgrössen. «Der Schrottpreis hat sich auf hohem Niveau eingependelt», erklärt Imhof. Weil alle Anbieter gleichermassen betroffen seien, habe man die teurere Beschaffung an die Kunden überwälzen können.

Mehr Sorgen bereitet S+B die Entwicklung beim Nickel, einem wichtigen Legierungsmittel für rostfreie Stähle. Innert zwei Jahren schnellte der Preis von 12000 auf 50000 Dollar pro Tonne. Jetzt scheint er sich zwar bei 30000 Dollar einzupendeln, doch Imhof rechnet aufgrund des knappen Angebots mit starken Schwankungen. S+B kann Preisturbulenzen über entsprechende Schrott- und Legierungszuschläge ebenfalls an die Abnehmer weitergegeben.

2007 auf Konsolidierungskurs

Das laufende Jahr wird bei S+B als Konsolidierungsjahr in die Geschichte des Konzerns eingehen. «Im Moment sind wir primär damit beschäftigt, die getätigten Übernahmen zu integrieren und die Synergien auszuschöpfen», sagt Imhof. Mit diesem Prozess erfolgen jährliche Investitionen von jeweils 150 bis 200 Mio Euro, die rund 5% des Umsatzes entsprechen. Es ist nicht primäres Ziel des Konzerns, die hohe Verschuldung möglichst schnell abzubauen. Erst mittelfristig soll der Eigenkapitalanteil von 30 auf 40% gesteigert werden. Das dürfte kein Risiko sein, denn der schlimmste Fall, der bei so wenig Eigenkapital eintreten könnte, nämlich der drastische Konjunktureinbruch, gilt als wenig wahrscheinlich. Das International Iron and Steel Institute (IISI) hat kürzlich seine Wachstumsprognosen für den weltweiten Stahlverbrauch im Jahr 2008 um 0,7 Prozentpunkte auf 6,8% erhöht. Für die nächsten fünf Jahre wird mit einem jährlichen Anstieg von mindestens 4 bis 5% gerechnet. Dabei mischt China als Stahllieferantin schon heute mit, und zwar mit Dumpingpreisen. Das macht Imhof noch kein Bauchweh: «Schwergewichtig liefern die Chinesen Massenprodukte, und was an rostfreien Edelstählen aus China nach Europa gelangt, das vermag der Markt bisher zu schlucken.» Für S+B ist deshalb China nach wie vor weniger ein Konkurrent als vielmehr ein Wachstumstreiber für die gesamte Branche. Tatsächlich wird laut Prognosen des IISI Chinas Bedarf im nächsten Jahr um 11,5% steigen und 35% des Welttotals entsprechen.

Anzeige

NACHGEFRAGT

Der COO von Schmolz + Bickenbach (frühere Swiss Steel),Marcel Imhof,

über mögliche Akquisitionen in Asien.

Indien ist ein weisser Fleck auf der Landkarte von Schmolz +Bickenbach. Sie waren kürzlich dort in den Ferien. Haben Sie die Reise auch geschäftlich genutzt?

Marcel Imhof:

Wir haben einige Eindrücke erhalten, wie die Volkswirtschaft in Indien funktioniert. Und wir waren zuletzt auch in Mumbai, wo uns die Leute erklärt haben, sie möchten in 15 Jahren eine grosse Industrienation sein. Allerdings haben wir auch grosse Gegensätze und Unterschiede gesehen. Indien hat, wenn es dieses Ziel erreichen will, noch einen weiten Weg vor sich.So oder so möchte S+B sicher nicht abseits stehen.Imhof: Es ist richtig, dass wir in Indien Ausschau nach einem Vertriebspartner halten. Aber konkret ist im Moment noch nichts am Laufen.