Handelszeitung Online: Swiss führt den starken Gewinnrückgang auf ein schwieriges Markumfeld zurück, laut CEO Harry Hohmeister ist eine Trendwende nicht absehbar. Was bedeutet das für die Entwicklung der Airline?
Max Ungricht: Strategien sollen ja nicht so schnell wie Hemden gewechselt werden. Die pragmatische Expansion wird wohl weiterverfolgt werden. Aber: Die Sparanstrengungen werden noch vermehrt im Fokus stehen.

Das bedeutet, ...
... das auf gewissen Strecken Kapazitäten abgebaut oder vermehrt Codesharings eingeführt werden.
 
In der Administration herrscht Einstellungsstopp, es werden «zusätzliche Synergien geprüft». Werden in der Schweiz Stellen verloren gehen?
Davon gehe ich aus - insbesondere auch Auslagerungen zum Konzern sowie an externe Firmen.

Wie beurteilen Sie eine eventuelle Aufspaltung des Europa-Geschäfts?
Die Idee wird schon länger als Option verfolgt. Mit einer Abspaltung des Kurzstreckengeschäfts liesse sich wohl günstiger produzieren. Aber das ist natürlich auch ein Politikum.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte Swiss die Auslastung steigern. Wird dieser Effekt durch die im Frühjahr vollzogenen Preiserhöhungen mittelfristig zunichte gemacht?
Der Swiss und mit ihr Hohmeister bleibt gar keine andere Wahl, als die Preise zu erhöhen. Auf den sogenannten «Rennstrecken» wird das aber ein Abwandern zu den Billig-Airlines zur Folge haben.

Ist auf der anderen Seite das Premium-Geschäftsmodell der Swiss noch zukunftsträchtig?
Dieses wird in der Tat immer schwieriger, weil andere Airlines das Segment sehr gut ausfüllen. Ich möchte dabei auf Singapore oder die Gesellschaften aus den Emiraten hinweisen. Allerdings bleibt auch hier der Swiss keine andere Option – die Kostenstruktur lässt keinen Raum für einen Strategiewechsel.    

Wirkt sich das schlechte Ergebnis auf die Stellung der Swiss innerhalb des Lufthansa-Konzerns aus?
Ja. Doch wir dürfen eins nicht übersehen: Die Swiss liefert im Vergleich noch immer gute Zahlen.

Max Ungricht ist Chefredaktor des Schweizer Aviatikmagazins «Cockpit».