Swiss-Chef und Lufthansa-Vorstand in einem – kann diese Doppelbelastung für Harry Hohmeister funktionieren?
Cord Schellenberg: Da er schon seit ein paar Jahren Swiss-Chef ist, hat er sein Team hoffentlich so aufgestellt, dass er als Dirigent auftreten kann. Als solcher überträgt er dem Orchester dann einen Grossteil der Arbeit: Die machen die Musik und Herr Hohmeister sagt das Stück an und dirigiert es. Wenn das gut läuft, ist es ein schlauer Zug von der Lufthansa, den Vorzeigechef unter den Verbund-Airlines zum Chef des Ganzen zu machen. Und bei Swiss scheint er unentbehrlich zu sein. 

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Bei Swiss sind der Marketing- und Finanzchef nach Abgängen gerade erst neu im Amt. Kann das Team da schon eingespielt sein?
Wenn Herr Hohmeister den Leuten vertraut, kann das klappen. Und er wird ja auch weiterhin präsent sein. Für Lufthansa hat das Ganze ausserdem den Vorteil, dass er sich als Lufthansa-Vorstand in den kommenden Jahren bestimmt nicht von der Konkurrenz abwerben lässt. 

Derweil beaufsichtigt er sich nun als sein eigener Chef selbst.
Ja, aber die Lufthansa hat ja auch einen Verwaltungsrat. Und vielleicht ist es sogar ganz befruchtend, wenn er anderen Führungskräften bei den Verbund-Airlines nicht nur Vorgaben machen, sondern sie auch bei Swiss selber umsetzen muss. Oder er kann bei der eigenen Airline schon gewisse Dinge spüren, bevor er bei der Lufthansa entscheidet. 

Wie sind seine Chancen für einen Aufstieg bei Lufthansa? 
Wenn er bei Swiss so gut weitermacht wie bisher und als Lufthansa-Vorstand auch im Verbund und der Logistik erfolgreich ist, kann er sich als Konzernchef und damit als Nachfolger von Christoph Franz empfehlen. Da hätte der Konzern dann jemanden, der integrieren aber auch selber eine Airline führen kann. Aber auch Carsten Spohr bei Lufthansa Passage und Simone Menne als Finanzvorstand haben Chancen, sich nach vorne zu spielen.  

Was ist die grosse Herausforderung, die Hohmeister im Verbund erwartet?
Er muss – um mal beim Bild des Dirigenten zu bleiben – aus Solisten ein Orchester machen. Denn bisher sind Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Co. weiter recht heterogen. Sie müssen aber hineinwachsen in eine Lufthansa-Gesamt-Europa-Sicht. Das hat Swiss bisher am besten gemacht. Der Kunde findet es ganz fein, über Zürich in die Welt zu fliegen und auf dem Rückweg über Frankfurt zu kommen. Brüssel ist noch ein bisschen ungewohnt. Dabei wird es auch zur Herausforderung werden, das Low-Cost- und das Langstrecken-Angebot zu verbinden. 

Und in der Logistik?
Lufthansas Ausflug nach China mit dem Joint Venture Jade ist gescheitert. Nun stellt sich die Frage, wie es weitergeht mit der Internationalisierung. Ausserdem muss entschieden werden, ob Lufthansa weiter auf reine Frachtflüge setzt oder noch mehr Fracht über den Passagierverkehr transportieren will. Und auch hier geht es um Vernetzung – zum Beispiel von Lufthansa Cargo mit Brussels, die in Afrika stark sind, aber keine Frachter haben.