Holcim und Lafarge legen die geplante Fusion der beiden Zementkonzerne in die Hände eines langjährigen Branchenveteranen. Der Verwaltungsrat des Schweizer Holcim-Konzerns stimmte einem Insider zufolge am Mittwoch dem Vorschlag der Franzosen zu, Lafarge-Manager Eric Olsen zum Chef des neuen Branchenriesen zu küren. Bevor die Firmenehe tatsächlich vollzogen werden kann, muss Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle aber versuchen, die gegen den Deal aufbegehrenden Aktionäre von Olsen und dem Sinn des Zusammenschlusses zu überzeugen.

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Monatelang schien die vor einem Jahr eingefädelte 40-Milliarden-Euro-Fusion unbestritten. Im März machte die Schweizer Seite dann aber einen Rückzieher. Unter Druck gesetzt von den eigenen Aktionären setzte Holcim angesichts der zuletzt besseren Geschäftlage Nachbesserungen beim Preis durch. Zudem verhinderten die Schweizer, dass Lafarge-Lenker Bruno Lafont wie ursprünglich geplant Chef des fusionierten Konzerns wird. Die beiden Konzerne einigten sich darauf, dass Lafarge einen Vorschlag machen kann, dem Holcim allerdings zustimmen musste.

Hoffen auf Akzeptanz der Aktionäre

Olsen überzeugte nun offenbar auch die Holcim-Spitze. Der französisch-amerikanische Staatsbürger heuerte 1999 bei Lafarge an und diente sich über verschiedene Stationen im Konzern hoch. Seit 2007 sitzt er in der Geschäftsleitung. Offen ist allerdings, ob der studierte Buchhalter auch bei den Aktionären ankommt. So hat der amerikanische Fonds Harris Associates seine Zustimmung zur Transaktion von der Person des Konzernchefs abhängig gemacht. Der Anlagechef des drittgrössten Holcim-Eigners, David Herro, fordert einen Manager, der unter Beweis gestellt hat, dass er Unternehmen zusammenführen kann.

Spricht sich Harris gegen die Transaktion aus, dürfte es eng werden, denn die Hürden sind hoch. Auf der Generalversammlung vom 8. Mai müssen sich zwei Drittel der Aktionäre für den Zusammenschluss aussprechen. Der mit einem Anteil von über zehn Prozent zweitgrösste Aktionär Eurocement hat sich bereits ablehnend geäussert, wenn es beim gegenwärtigen Preis bleibt. Dazu kommen weitere kleinere Fonds, die Holcim alleine besser aufgestellt sehen.