Das Zementgeschäft in Südostasien harzt – und das hat Konsequenzen für die Angestellten der indonesischen Holcim-Tochter. Gemäss der lokalen Gewerkschaft plant die an der Börse in Jakarta kotierte Firma, bis zu 350 Mitarbeitende zu entlassen. Holcim beschäftigt laut dem jüngsten Jahresbericht knapp 2800 Personen in Indonesien. Vom Stellenabbau wären demnach mehr als zehn Prozent der Beschäftigten betroffen.

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Der Zementriese bestätigt, dass es zu einer Reduktion der Angestellten kommen wird. Auf eine feste Zahl will er sich aber nicht festlegen. «Wir befinden uns gegenwärtig im Rahmen der rechtlichen Vorgaben in Gesprächen mit unseren Mitarbeitenden», sagt Konzernsprecher Eike Christian Meuter. Deshalb sei es zu früh, um genaue Zahlen zu kommunizieren.

Miese Profitabilität

Hintergrund des Stellenabbaus ist ein schleppender Geschäftsgang. Im ersten Quartal dieses Jahres ist der Gewinn der indonesischen Holcim-Tochter um 90 Prozent eingebrochen. Im ersten Quartal 2014 verbuchte das Unternehmen unter dem Strich noch ein Plus von 23 Millionen Franken, 2015 ist der Gewinn auf 2 Millionen Franken geschrumpft. Und das nachdem bereits das Vorjahr schon schwach war.

Sprecher Meuter bestätigt, dass der Leistungsausweis in der vergangenen Zeit «unzufriedenstellend» sei. Bei der Reduzierung der Mitarbeiterzahl gehe es aber nicht alleine um Sparmassnahmen als Antwort auf den sinkenden Gewinn. «Der wesentliche Treiber der Organisationsanpassung sind die veränderten makroökonomischen Bedingungen und das veränderte Umfeld unserer Industrie», sagt Meuter.

Explodierender Strompreis

Die indonesische Tochter kämpft an vielen Fronten: Der Strompreis stieg im letzten Jahr um 65 Prozent. «Weitere Erhöhungen im Verlauf dieses Jahres sind nicht auszuschliessen», ergänzt Meuter. Das hat direkte Auswirkungen auf die Produktionskosten. Denn die Zementbranche gehört zu den stromintensivsten Wirtschaftszweigen. Die Energiekosten sind konzernweit verantwortlich für ein Zehntel der Herstellungskosten.

Zu den hohen Elektrizitätspreisen gesellt sich ein turbulentes Währungsumfeld. Die indonesische Währung hat in den letzten Jahren stark an Wert verloren. Die Inflation im Land ist hoch. Beides wirke sich auf die Auslandsverschuldung der Konzerngesellschaft aus, sagt Meuter. Und es werde erwartet, dass die Währung weiter abwertet.

Schwächelnde Wirtschaft

Als wäre das nicht schon genug, schwächelt auch noch die indonesische Wirtschaftskraft, was Auswirkungen auf das Bauvolumen und die Zementnachfrage hat. Das Volumen im Gesamtmarkt sank im ersten Quartal 2015 auf 13,9 Millionen Tonnen im Vergleich zu 14,3 Millionen Tonnen im Vorjahresquartal. Grund waren neben Überflutungen und starken Regenfällen in vielen Teilen des Landes auch Verzögerungen bei Regierungsprojekten.

Nicht zuletzt zerhauen auch die staatlich kontrollierten Zementhersteller den Gewinn der Holcim-Tochter, indem sie den Preis pro Sack Zement nach unten korrigiert haben – «auf Verlangen der Regierung», fügt Meuter an. «Das hat Auswirkungen auf die gesamte Branche.» Zu einer Erholung der Nachfrage sei es bisher aber noch nicht gekommen.

Kernmarkt in Schieflage

Die Schwierigkeiten in Indonesien sind keine Nebensächlichkeit für den Konzern. Die Region gehört – zusammen mit den USA, Indien, Mexico, Kolumbien, Grossbritannien und den Philippinnen – zu den Schlüsselmärkten. Zuletzt hat die Firma sogar wieder kräftig investiert.

In Tuban im Osten der Insel Java wurde die Kapazität einer Produktionsanlage erhöht, in Lampung im Süden der Insel Sumatra wurde sogar ein neues Zementterminal geschaffen, wie dem jüngsten Jahresbericht zu entnehmen ist.

Indonesien bleibt interessant

«Der indonesische Markt durchlebt eine signifikante Veränderung mit der Inbetriebnahme neuer Kapazitäten zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage sich abschwächt und die Kosten steigen», kommentiert Pressesprecher Meuter. Für die Zukunft bleibt der Konzern trotzdem positiv: Die gegenwärtigen Schwächen und Turbulenzen seien kurzfristiger Natur, vom Potenzial und den Aussichten Indonesiens bleibe man überzeugt.

Der Konzern bestätigt: Indonesien bleibt ein Kernmarkt. Die Mittelklasse wird sich in der nächsten Zahl verdoppeln, was einen «erheblichen» Bedarf an neuem Wohnraum und an Infrastruktur mit sich bringe. Ausserdem schreite die Integration Indonesiens in die Weltwirtschaft und in den asiatischen Raum weiter voran. Meuter: «Das Land verfügt über eine Reihe wirtschaftlicher Vorteile gegenüber regionalen Wettbewerbern.»