Das Rezessionstief liegt hinter uns. Während sich die asiatischen Schwellenländer bereits in einem deutlichen Aufschwung befinden, zeichnet sich dank staatlicher Stimulierung in Industrieländern wie Deutschland, Frankreich, den USA und der Schweiz eine spürbare Verbesserung ab. Die Kehrseite der Konjunkturankurbelung ist ein rekordmässiger Anstieg der Schulden und eine Überschwemmung der Kapitalmärkte mit Staatsobligationen und Unternehmensanleihen.Die Kardinalfrage ist, ob sich die Konjunktur nach der Beendigung der staatlichen Stützungsmassnahmen positiv weiterentwickeln kann oder ob am Schluss nur ein Strohfeuer ausgelöst wurde.

Ganz entscheidend wird dabei die Zinsentwicklung sein. Die gegenwärtige Konjunkturstabilisierung wäre ohne Nullzinspolitik der Zentralbanken nicht möglich gewesen. Auch die Börsen profitieren vom sogenannten Sweetspot schwacher Konjunktur, die die Zinsen unten hält, und nicht zu starkem Wirtschaftswachstum, das noch keine Zinsanhebung notwendig macht. Sollte sich die Konjunktur weltweit stärker verbessern oder die Staatsverschuldung im bisherigen Tempo weiter zunehmen, so würden die Zinsen wieder anziehen. Dies wäre in einer höchst verschuldeten Welt äusserst negativ für Konjunktur und Finanzmärkte.

Einmalige Liquiditätsflut

Angesichts der extrem tiefen Kapazitätsauslastungen kümmert man sich an den Anleihensmärkten kaum um die Inflationsgefahr und geht von einem lang anhaltenden Zinstief aus. Die Triebkraft für zukünftig steigende Kapitalmarktsätze und sinkende Anleihenkurse liegt vielmehr bei der anschwellenden Verschuldung, die sich die Staaten mit ihrer Konjunktur- und Rettungsaktionen während der Finanzkrise aufgeladen haben. Ein Anstieg der Risikobereitschaft der Anleger und eine vermehrte Nachfrage nach Investitionen in Aktien und Rohstoffen könnte die Aufnahmefähigkeit für niedrig verzinsliche Staatsanleihen dämpfen und einen markanten Zinsdruck am Kapitalmarkt verursachen. Ausgeprägte Kurseinbussen bei Anleihen des langen Laufzeitenbereichs wären die Folge. Eine Fokussierung auf kurz laufende Titel erscheint uns angebracht.Eine einmalige Liquiditätsflut dank weit geöffneten Schleusen der Notenbanken, im Verein mit einer konjunkturellen Stabilisierung, ist ein Cocktail, der für Sachwerte wie Aktien und Immobilien spricht.

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Wer sein Portefeuille heute schon an den negativen langfristigen Folgen der beispiellosen fiskalischen und monetären Stimulierungsaktionen ausrichtet und auf Risikoanlagen wie Aktien verzichtet, könnte eine zwischenzeitliche markante Börsenrally verpassen und erst zu einer späteren Zeit Recht bekommen. Denn die zwangsläufigen Folgen der weltweiten Explosion von Staatsverschuldung und Geldmengen in Gestalt eines deutlichen Anstiegs von Inflation und Zinsen dürften erst in ein bis zwei Jahren spürbar werden.

Fazit: Als Folge der beispiellosen Hausse dieses Jahres würden uns vorübergehend rückläufige Kurstendenzen in nächster Zeit nicht überraschen. Zumindest bis 2010 dürfte jedoch das Zusammenspiel von moderatem Wirtschaftswachstum, geringer Inflation und anhaltend lockerer Geld- und Fiskalpolitik den Aktienmärkten eine wirksame Stütze verleihen. Interesse verdienen heute vor allem Aktien substanzstarker Unternehmen mit günstiger Ertragslage und gesicherten Dividendenrenditen, die deutlich über den Zinserträgen festverzinslicher Anlagen liegen, wie dies zum Beispiel bei Roche , Novartis, Nestlé und so weiter der Fall ist. Ein hoher Portefeuilleanteil bis zu 60% besteht aus kursstabilen ersten Anleihen des kurzen Laufzeitenbereichs sowie ergänzend aus Kontoguthaben.

Der Aktienanteil beinhaltet vor allem die konjunkturresistenten Sektoren Pharma, Medizinaltechnik/Gesundheitswesen, Nahrungsmittel sowie Erdöl, Edelmetalle und Rohstoffe. Banken und Versicherungen bleiben deutlich untergewichtet.

Titel aus Asien und Brasilien

Wir berücksichtigen Titel mit tiefer Bewertung und hohen Dividendenrenditen von finanzstarken Unternehmen mit gesicherter Ertragskraft. Neben Aktien von Unternehmen der westlichen Industrieländer beinhalten unsere Portefeuilles vermehrt Titel der Wachstumsmärkte Asiens und Brasiliens. In den Bereichen Gold und Energie ziehen wir neben Minentiteln auch direkte Anlagen über ETF in Betracht. Der währungsmässige Aufbau unserer Verwaltungsportefeuilles bleibt durch einen Schwerpunkt in Schweizer Franken mit Ergänzungen in Euro, Dollar und Devisen diverser Entwicklungsländer gekennzeichnet.

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