Paul Klee (1879-1940) und Pablo Picasso (1881-1973) gelten als grosse Antipoden der modernen Kunstgeschichte und als Künstlerpersönlichkeiten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: romantisch und spirituell der eine, mediterran und diesseitig der andere. Klees Poesie und sein Hang zu Ironie und Satire stehen Picassos Dramatik, dessen Sinnlichkeit und Pathos diametral gegenüber.

Eine neue Ausstellung im Berner Zentrum Paul Klee thematisiert die Auseinandersetzung Klees mit Picasso und deckt unbekannte Verflechtungen auf. Das Ausstellungsprojekt stellt zwei künstlerische Universen einander mit all ihren Unterschieden und Ähnlichkeiten gegenüber und macht deutlich, wie unterschiedlich beide Künstler die moderne Kunstgeschichte beeinflussten.

Gezeigt werden über 180 Werke aus dem Zentrum Paul Klee, aus zahlreichen Museen und Privatbesitz, darunter vom Museum of Modern Art, New York, vom Museu Picasso, Barcelona, von der Sammlung Berggruen, der Nationalgalerie Berlin oder dem Centre Pompidou, Paris.

Unterschiedliche Temperamente

Trotz der Verschiedenheit ihrer Temperamente gehörten Klee wie Picasso jedoch derselben Generation an und widmeten sich einer Erneuerung der Kunst, bei der die Ursprünge menschlicher Gestaltungskraft im Zentrum standen. Parallelen weisen sie auch in ihrer vielseitigen Bildsprache und in ihrem Erfindungsreichtum auf. Picasso zog als eine Art Naturgewalt die Zeitgenossen in seinen Bann; er forderte sie zu Zustimmung oder Widerspruch heraus. Er beeindruckte auch Paul Klee tief. Als grosser Individualist unterlag dieser jedoch nicht einfach seinem Einfluss, sondern setzte sich gezielt mit dem grossen Spanier auseinander. Sein künstlerischer Dialog lässt eine Mischung aus Bewunderung und kritischer Ironie, aus Aneignung und Widerspruch erkennen.

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Klee und Picasso haben sich wohl nur zweimal in ihrem Leben persönlich getroffen: Zum ersten Mal am 26. Oktober 1933 in Paris und zum zweiten Mal am 27. November 1937 in Bern, als Picasso Klee in seinem Atelier am Kistlerweg besuchte. Doch wussten die beiden Künstler schon lange voneinander und kannten die Werke des anderen von Ausstellungen und Publikationen her. Heute, nach mehr als 70 Jahren, stehen sich die beiden erneut gegenüber, in einer Ausstellung, die das komplexe Verhältnis der beiden Künstler zueinander aufzeigt.

Im Zentrum der Schau stehen die Bilddialoge zwischen Klee und Picasso, dem kritischen Aussenseiter und dem frühreifen Wunderkind. Werke aus Picassos Blauer und Rosa Periode sind den satirischen Hinterglasbildern Klees gegenübergestellt. Gezeigt werden Hauptwerke aus Picassos kubistischer Zeit und Klees Antworten auf diese grosse künstlerische Revolution. Das Bild «Hommage à Picasso» von 1914 ist die einzige Ehrung, die Klee jemals einem anderen Künstler entgegenbrachte.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Picassos surrealistischen Werken der 1920er- und 1930er-Jahre. Die verformten Körper und verschobenen Gesichter aus dieser Zeit trafen auf Klees groteske Phantasien und prägten dessen Spätwerk der 1930er-Jahre nachhaltig. Picassos grosse Bildformate, vor allem seine «Grossen Frauen», führten Paul Klee dazu, sich von dem für ihn charakteristischen Kleinformat abzuwenden und ebenfalls grosse Leinwände in Angriff zu nehmen.

Ebenso beeindruckten Klee Picassos drastische Umsetzungen von Emotionen und inspirierten ihn zur Darstellung ausdrucksvoller Gemütszustände.

Trotz aller Anregung, die Picasso auf ihn ausübte, behielt der grosse Individualist Klee jedoch immer seine unverwechselbare Eigenständigkeit. Er transformierte Picassos Ideen und machte aus dessen Dramatik und Sinnlichkeit eigene Kompositionen voller Sensibilität und Poesie. Insbesondere das Pathos Picassos forderte ihn zu ironischen Kommentaren heraus.

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Mit der interaktiven Ausstellung «Paul und Pablo» lädt auch das Kindermuseum Creaviva im Zentrum Paul Klee zum kreativen Dialog ein. Die als verspielte Installationen gestalteten Stationen schlagen auf spielerische Weise eine Brücke zur Ausstellung «Klee trifft Picasso».