Sie sind auf der Suche nach weiteren Hotels in der Schweiz. Welche und wo? Und wie viel wollen Sie in diesen Bereich noch investieren?

Antoine Hubert: Als Unternehmer sehen Michel Reybier und ich die Hotellerie als ein neues, neben der Aevis Holding eigenständiges Standbein. Vor diesem Hintergrund haben wir kürzlich eine Tochterfirma, SHI-Swiss Hotels Investments, gegründet, die sich ausschliesslich mit Hotelaktivitäten beschäftigen wird. Aevis Holding verfügt über einen privilegierten Zugang zum Kapitalmarkt und wird SHI mit allen notwendigen Mitteln für die Weiterentwicklung ausstatten. Es sind Rentabilitätskriterien, die für den Fortbestand von Hotels entscheidend sind. Es ist klar, dass in dieser Branche das Bündeln von Ressourcen es erst ermöglicht, betriebliche und kommerzielle Synergien auszuschöpfen. Es ist unser Ziel, rund um die Victoria Jungfrau Collection eine 5-Sterne-Hotelgruppe aufzubauen. Die Gruppe soll mehrere Schweizer Destinationen abdecken und Top-Hotels für zunehmend anspruchsvolle Kunden umfassen.
 
Sie wollen das Portfolio um acht bis zehn Hotels erweitern. Wo liegt die für eine optimale Performance kritische Grösse?

Wir denken, dass eine Gruppe mit acht bis zehn Hotels in Top-Tourismus-Regionen, die in unterschiedlichen Saisons attraktiv sind, im ausländischen Markt ideal positioniert wäre. Die Gruppe wäre ein eigentlicher «one stop shop» für einen Aufenthalt in der Schweiz.
 
Die VJC verfolgt eine langfristige Investitionspolitik. Hat die VJC genügend investiert in der Vergangenheit? Wo waren die Investitionen ungenügend?

Die Investitionen müssen immer in Einklang mit der Positionierung der Hotels sein. Im 5-Sterne-Segment und im Luxus-Bereich ist das Angebot in der Schweiz, aber auch in der ganzen Welt, im vergangenen Jahrzehnt sehr umfassend geworden. Die Victoria-Jungfrau Collection muss dementsprechend noch mehr investieren, um ihre Position in diesem Markt behaupten zu können. Es gilt, jedes Hotel der Victoria-Jungfrau Collection aus der Perspektive der Zielkundschaft und der Konkurrenz zu analysieren.
 
Gemäss TCFG sind die Geschäftszahlen 2012 desaströs. Warum und was ist Ihre Meinung dazu?

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Eine Gesellschaft braucht die Unterstützung und die Vision eines Schlüsselaktionärs, um zu funktionieren. Nur eine langfristige Strategie erlaubt es, den Kurs und die Positionierung auch in schwierigen Zeiten, wie die Hotellerie sie derzeit erlebt, zu halten. Tourismus-Unternehmen, die ihre Positionierung und ihre Preispolitik aufrecht hielten, haben vergangene Krisen besser überstanden. Seit 2008 sind die Einnahmen und die Auslastung der Victoria-Jungfrau Collection rückläufig. Diesen Trend gilt es umzukehren und dafür sind Investitionen in die Infrastruktur und in das Personal notwendig.
 
Wie wollen Sie die Effizienz der VJC verbessern?

Wir möchten mit dem Management der Victoria-Jungfrau Collection eine langfristige Strategie definieren und dementsprechend die zur Umsetzung der Strategie notwendigen Investitionen tätigen.
 
Haben Sie die Absicht, weitere Investoren an Bord zu holen? Sie könnten somit das Risiko reduzieren und gleichzeitig den strategischen Einfluss halten…

Aevis Holding ist eine Publikumsgesellschaft mit Kotierung an der Six, die allen Investoren offen steht. Wir sind immer wieder im Kapitalmarkt aktiv, beispielsweise mit Kapitalerhöhungen oder Anleihen. Was die Hotellerie-Aktivitäten und die Victoria-Jungfrau Collection im Besonderen anbelangt, sind wir der Meinung, dass eine Reorganisation des Aktionariats mit einem Schlüsselaktionär notwendig ist. Was das Thema Risiko anbelangt: Diese gehört zu jedem Investment und ist für jeden Unternehmer eine Quelle der Motivation.
 
Der Verwaltungsrat der VJC hat Ihr Angebot zurückgewiesen. Gemäss TCFG liegt der Durchschnittspreis der Hotels der Gruppe unter dem Schweizer Durchschnitt. Müssen Sie also für die Fehler des Managements in Form eines hohen Preises zahlen?

Die Vergangenheit ist für den Kaufpreis nicht relevant. Wir werden für die Entwicklung der Tochtergesellschaft SHI – Swiss Hotels Investments SA und des Hotellerie-Standbeins dieselben sachlichen Kriterien anwenden, die bei uns überall zur Anwendung kommen: Um Bestand haben zu können, muss ein Unternehmen autonom und genügend rentabel sein, um eben Investitionen in die Zukunft zu ermöglichen. In diesem Kontext ist der Kaufpreis ein entscheidender Faktor für den Business Plan eines Unternehmens.
 
Sie haben das Angebot mit Ihrem Partner Michel Reybier eingereicht. Sie sind Immobilienexperte, während Herr Reybier Hotelier ist. Wäre es interessant, einen Teil der Hotelfläche zu Appartements umzuwandeln und zu verkaufen?

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Mit der Verbindung zu einem Hotel wäre die Lex Koller kein Problem für vermögende Ausländer, die gerne eine Wohnung in den Alpen besitzen würden. Auch wenn wir Erfahrung aus unterschiedlichen Gebieten mitbringen, teilen Michel Reybier und ich dieselbe Vision: Die Hotellerie ist eine eigenständige Aktivität, unabhängig von der Immobilienvermarktung oder anderem. «Mischprojekte» waren bislang mehrheitlich Misserfolge, entweder für die Hotellerie oder für die Immobilienvermarktung oder gar für beide. Ein Hotel muss zu 100 Prozent als Hotel konzipiert und geführt werden – andere Überlegungen haben keinen Platz.
 
Bis Ende November hatten Sie keine vertiefte Diskussion mit dem kuwaitischen Staatsfonds oder der BEKB. Zwischenzeitlich wurde Ihr Angebot zurückgewiesen. Mit wem haben Sie bereits gesprochen und über was?

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Wir waren mit allen Aktionären der Victoria-Jungfrau Collection im Austausch. Die Positionen und die Motivation der Aktionäre sind sehr unterschiedlich. Wir haben deshalb den Dialog mit dem Verwaltungsrat priorisiert, denn er hat die Aufgabe, die Interessen aller Aktionäre wahrzunehmen, egal ob Kleinaktionär oder Grossaktionär. Wir werden vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse und vor allem der Konkurrenzofferte der Manz-Erben die Situation neu beurteilen. Unsere Position werden wir demnächst kommunizieren.
 
Ist ein Preis von 300 bis 325 Franken pro Aktie für Sie akzeptabel?

Die Bewertung einer defizitären Gesellschaft ist anspruchsvoll, denn die Bewertung hängt hauptsächlich von der Zukunft der Gesellschaft ab. Aus unserer Sicht ist es deshalb entscheidend, dass vor allem eine Übereinstimmung mit allen Beteiligten und allen Aktionären über die unternehmerische Perspektive erzielt werden kann.
 
Ist eine feindliche Übernahme denkbar?

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Ich bin der Meinung, dass meine Antwort auf die vorige Frage auch die Antwort auf diese ist.
 
Der Umsatz der VJC entwickelte sich unterdurchschnittlich im Marktvergleich. Hat das Management gute Arbeit geleistet? Sind Änderungen im Management aus Ihrer Sicht denkbar?

Wie bereits gesagt: Das Management braucht die Unterstützung und eine einheitliche Vision aus dem Aktionariat und dem Verwaltungsrat. Wir sind überzeugt, dass die heutige Führung über alle notwendigen Kompetenzen verfügt, um unser Projekt umzusetzen.