Der Gästeschwund aus dem Vorjahr konnte gestoppt werden. Immerhin. Zwar ist die Zimmerbelegungsrate im Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken mit 55% alles andere als berauschend gewesen und bewegt sich mit diesen Zahlen auf dem Niveau des ähnlich positionierten Hotels Montreux Palace. Trotzdem hat das Luxushotel in Interlaken 2004 wenigstens auf der Einnahmenseite einen Turnaround vollzogen.

Die Gästefrequenzen haben um 4,2% auf 124043 Logiernächte zugenommen. Das Ergebnis der börsenkotierten Grand Hotel Victoria Jungfrau AG, zu der auch das Luzerner Palace gehört, weist beim Umsatz sogar ein Plus von 5% aus, was 53,3 Mio Fr. entspricht. «Gut wäre anders», fasst Verwaltungsratspräsident Peter Bratschi das Ergebnis vielsagend zusammen. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich, dass eine positive Wende eingeleitet ist und 2005 weitere Fortschritte erzielt werden können.

Umfrage stimmt zuversichtlich

Sein Optimismus ist nicht unbegründet. Umfragen des Verbands Hotelleriesuisse zufolge sind die Zimmerauslastungen im Luxussegment im vergangenen Jahr von 55 auf 57% gestiegen. Und der positive Trend könnte sich fortsetzen. «Die amerikanischen und asiatischen Gästemärkte erholen sich zunehmend», sagt Thomas Allemann, der bei Hotelleriesuisse für Wirtschaftspolitik zuständig ist. Ein grosses Potenzial für die Schweizer Erstklasshotels sieht Allemann auch in den lukrativen Zukunftsmärkten China, Indien, Arabien und Russland.

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Der Ikonen-Tourismus boomt

Genügend Gästenachschub im 5-Sterne-Segment erwartet er auch aus dem Inland. Dank Wochenend-Aktionen seien Aufenthalte in zahlreichen Luxushotels auch für weniger gut Betuchte erschwinglich. Zudem sind wieder mehr Leute bereit, für erstklassige Qualität tief in die Tasche zu greifen. Thomas Bieger, Tourismusexperte an der Universität St. Gallen, spricht von einem Ikonen-Tourismus. «Normalverdiener möchten sich ein paar Tage Luxusferien an einem berühmten, speziellen Ort mit allem Drum und Dran gönnen.»

Längst nicht alle Top-Hotels werden im knallharten Wettbewerb vom erwarteten Gästeboom profitieren. Langfristig überleben werden gemäss Thomas Allemann drei Kategorien von Hotels: Solche mit reichen Mäzenen im Hintergrund, solche mit optimalen Infrastrukturen für eine bestimmte Dienstleistung und solche, die sich mit erweiterten Angeboten subventionieren können.

Ein Musterbeispiel für die erfolgreiche Umsetzung eines integrierten Geschäftsmodells sind die Grand Hotels Bad Ragaz, deren Titel ausserbörslich gehandelt werden. Zur letztjährigen Umsatzsteigerung von 2% haben in erster Linie das Casino sowie höhere Einnahmen im Medizinischen Zentrum beigetragen. Die Zimmerauslastung der beiden Hotels Hof Ragaz und Quellenhof liegt bei hohen 78%.

Dank dem Megatrend Medical-Wellness feiern auch andere Hotels mit integrierter Klinik Erfolge. So etwa das Kurhotel Weissbad in Appenzell, das eine Auslastung von 97% erreicht. Auch das Hotel Victoria Jungfrau hat in seinem Wellness-Spa einen Therapiebereich eröffnet. Und Mäzene wie Urs Schwarzenbach (Hotel Dolder) oder der deutsche Milliardär Karl-Heinz Kipp (Tschuggen-Hotels) buttern Millionenbeträge in die Erstellung von Wellnesspalästen.

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Dass auch mit bescheideneren Mitteln gute Resultate zu erzielen sind, beweisen andere Schweizer Hoteliers. Zum Beispiel die beiden Basler Laurenz Schmid und Heiner Lutz. Sie besitzen im Berner Oberland die beiden Wellness-Hotels Ermitage Golf (Schönried) und Beatus (Merligen). Mit regelmässigen Investitionen im kleinen Rahmen haben sie den Geschmack der Kundschaft getroffen und erzielten im letzten Jahr eine Bettenauslastung von über 83%. Mit dem Solbad traten sie bereits 1979 als Wellness-Pioniere auf.