Hotelbuchungsplattformen dürfen von den Hotels keine Bestpreis-Garantie verlangen. Das hat die Wettbewerbskommission (Weko) nach Untersuchungen gegen Booking.com, Expedia und HRS entschieden. Die Weko beurteilt die Vertragsklausel als Verstoss gegen das Kartellgesetz.

Die Plattformen hatten von den Hotels verlangt, auf keinem anderen Vertriebskanal tiefere Preise oder eine grössere Anzahl Zimmer anzubieten. Für die Hotels kann das problematisch sein: Wenn sie nämlich auf den Buchungsplattformen präsent sein wollen, müssen sie auf anderen Vertriebskanälen die gleichen Preise verlangen – auch wenn dort tiefere Kommissionen anfallen.

Keine kurzfristige Preissenkung

Einmal festgelegt können die Hoteliers die Zimmerpreise zudem nicht kurzfristig oder vereinzelt senken. Sie müssten dann auch alle anderen Preise nach unten korrigieren.

Die weltgrösste Agentur für Online-Buchungen, Booking.com mit Hauptsitz in Amsterdam, sowie die aus den USA stammende Expedia haben ihre Vertragsklauseln unterdessen angepasst. Die nun durch die Weko verbotene Vertragsbedingung ist nicht mehr in deren Verträgen zu finden, dafür weniger restriktive Bestimmungen.

HRS muss Verträge anpassen

Ob diese neuen Bestimmungen kartellrechtlich zulässig sind, kann die Weko noch nicht abschliessend beurteilen. Es bestünden noch zu wenig Erfahrungswerte, schreibt die Behörde. Sie behalte es sich vor, die Entwicklungen am Markt zu beobachten und bei Bedarf erneut einzugreifen.

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HRS (Hotel Reservation Service) mit Sitz in Köln hat die nun unzulässige Vertragsklausel hingegen noch immer in seinen Verträgen stehen. Dies müsse jetzt angepasst werden, schreibt die Weko. HRS kann gegen den Weko-Entscheid Rekurs einlegen.

Keine Bussen

Gebüsst werden die drei Buchungsplattformen aber nicht. Ihr Verhalten falle nicht unter die Kategorie der direkt sanktionierbaren Verhaltensweisen, schreibt die Weko. Der Verdacht, dass die Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung missbraucht hätten, habe sich nicht erhärtet.

Mit dem Weko-Entscheid können die Hoteliers jetzt billigere Zimmerpreise anbieten als Booking und Expedia, wenn sie eine Offline-Anfrage beispielsweise per Post erhalten, wie Weko-Vizedirektor Olivier Schaller auf Anfrage erklärte. Auf ihren eigenen Homepages können die Hoteliers allerdings nicht billigere Preise anbieten als Booking und Expedia.

Hotelleriesuisse unzufrieden

Nicht zufrieden damit ist der Branchenverband Hotelleriesuisse. Der Weko-Entscheid bedeute, dass die Hoteliers zwar auf den ersten Blick mehr Freiheit bekämen, weil sie die Garantien für die gleichgünstigen Preise für alle nicht mehr absolut einhalten müssten, schreibt Hotelleriesuisse in einem Communiqué.

«Sie haben jedoch weiterhin keine Möglichkeit, auf ihrer eigenen Webseite ihren Gästen direkt Buchungsvorteile anzubieten und sind somit in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt. Die Marktmacht der Buchungsplattformen ist damit nicht gebrochen, sondern sogar noch gestärkt», schreibt Hotelleriesuisse.

Ein solcher Weko-Entscheid bringe den Schweizer Hoteliers folglich keine Vorteile. Die Mehrheit der Hoteliers gewähre Booking den tiefsten Preis, da über dies Buchungsplattform am meisten Übernachtungen hereinkämen.

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Booking dominiert Schweizer Markt

Booking dominiere in der Schweiz den Markt mit einem Anteil von über 70 Prozent aller Onlinebuchungen, schreibt Hotelleriesuisse. Die Online-Buchungsplattformen verlangen für ihre Tätigkeit wie Werbung, Buchung usw. eine Kommission.

Diese betrage in der Schweiz zwischen 12 und 15 Prozent. «Wenn man sehr gut sichtbar auf den obersten Plätzen sein will, liegt sie gar bei bis zu 30 Prozent», schreibt der Branchenverband.

1 Milliarden Umsatz

Die Buchungsplattformen dürften laut einer Studie von Robert Schegg von der Hochschule für Tourismus in Siders VS im Jahr 2014 einen Anteil an den Gesamtbuchungen von 25 Prozent gehabt haben. Sie generierten 2014 wahrscheinlich über eine Milliarde Franken Umsatz während die Schweizer Hotels nach Schätzungen zwischen 90 und 130 Millionen Franken an Kommissionszahlungen leisten mussten.

(sda/dbe)