Die Schweizer Geschäfts- einheit der Migros-Reisetochter Hotelplan diversifiziert: Innert 14 Tagen schliesst M-Travel Switzerland (MTCH) zwei Beteiligungen ausserhalb ihres klassischen Ferienangebots ab. «Unser Verwaltungsrat scheut sich auch in Krisenzeit nicht, in den strategischen Ausbau in der Schweiz zu investieren», sagt MTCH-Chef Thomas Stirnimann gegenüber der «Handelszeitung».

MTCH übernimmt per 1. November 2009 als grösster Minderheitsaktionär einen substanziellen Anteil an der Event- und Incentive-Agentur Group Worldspan mit Sitz in Zürich, die vor mehr als 20 Jahren gegründet wurde und 2009 mit zwölf Mitarbeitern einen Umsatz von rund 10 Mio Fr. erwirtschaften werde.

Zudem erwirbt MTCH per 1. Januar 2010 einen Zweidrittel-Mehrheitsanteil am Geschäftsreise-Spezialisten BTA Holding mit Sitz in Steinhausen ZG, der vor mehr als 20 Jahren gegründet wurde und 2009 mit 80 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 80 Mio Fr. erwirtschaften werde. 2008 erzielte die BTA Holding einen Gesamtumsatz von über 120 Mio Fr.; ohne die beiden Franchisepartner, die nicht zum Verkaufspaket gehören, lag er bei gut 100 Mio Fr.

«Erkaufen Marktanteile nicht»

Mit diesen Beteiligungen will sich M-Travel Switzerland gemäss Stirnimann «breiter abstützen und eine Risiko- und Ertragsdiversifizierung vornehmen». Im Gegensatz zum Verkauf von Ferien seien die Dienste der Neuerwerbungen nicht kommissionsabhängig, sondern würden pro Leistung honoriert. «Der Tourismus bleibt aber unser Kerngeschäft», ergänzt Stirnimann. Mit dem Verkauf von Ferien fahre MTCH seit Jahren fast die halbe Miete des Gesamtumsatzes der Hotelplan-Gruppe von knapp über 1,9 Mrd Fr. ein. 2008 steuerte M-Travel Switzerland dazu über 850 Mio Fr. bei - 2009 wird sich dieser Wert schätzungsweise um die 800 Mio Fr. bewegen.

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Doch im Vergleich zu den grossen Mitbewerbern Kuoni Schweiz und TUI Suisse, die von Buchungsrückgängen um 12 bis 15% berichten, schneidet MTCH mit einem Minus unter 10% besser ab. «Nachdem wir 2008 Marktanteile verloren haben, gewinnen wir 2009 wieder Marktanteile», sagt Stirnimann. Wobei man sie nicht erkaufe, sondern davon profitiere, dass man die Hausaufgaben gemacht habe, um gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervorzugehen. So wurde der Personalbestand reduziert oder das Markenprofil gestrafft - gegen aussen tritt man nur noch mit sechs Ferienanbietern auf, weil die zehn Submarken von Travelhouse nicht mehr betont werden; zudem verschwindet per 31. Oktober 2009 die Traditionsmarke Esco.

2010 zurück in die Gewinnzone

Mit dem Umsatzvolumen der BTA Holding, das ab dem Geschäftsjahr 2009/10 voll unter M-Travel Switzerland konsolidiert wird, und den Gewinnanteilen der Group Worldspan, die weiter als eigenständiges Unternehmen geführt wird, schliesst die Schweizer Geschäftseinheit der Hotelplan-Gruppe langsam zum Branchenprimus Kuoni Schweiz auf, der 2008 noch über 1 Mrd Fr. umgesetzt hat - 2009 dürfe deren Nettoerlös unter 900 Mio Fr. fallen.

«Wir streben in der Schweiz nach wie vor die Marktführerschaft an», bestätigt Stirnimann das Ziel, das ab 2010 ins Visier genommen wird - ebenso die Rückkehr in die Gewinnzone. Eine Marktführerschaft äussert sich laut Stirnimann aber nicht nur in der Erfolgsrechnung, sondern vor allem in der Produktplatte sowie in der Diversifikation. «Hier sind wir bereits heute gut aufgestellt.»