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HP steigt ein, Deutsche Telekom steigt aus

Viele Banken arbeiten mit alter Software. Der Grosskonzern HP wittert ein Geschäft und steigt in den Markt ein. Doch dieser ist hart umkämpft, die Deutsche Telekom bläst bereits wieder zum Verkauf ihr

Von Matthias Niklowitz
am 09.06.2010

Die Schweizer Bankensoftware- und Dienstleisterlandschaft ist im Umbruch. «Wir prüfen derzeit für den Bereich Banking Solutions alle Optionen, darunter auch einen Verkauf», bestätigt T-Systems-Schweiz-Sprecherin Barbara Melzl, Informationen der «Handelszeitung». T-Systems ging laut Stimmen von eigenen Kunden und Konkurrenten derart indiskret vor, «dass das jedermann in der Branche weiss», wie ein Sprecher einer Bank sagte.

T-Systems, eine Konzerntochter der Deutschen Telekom, betreut in der Schweiz unter anderem Banken wie die Graubündner Kantonalbank, die Banken Coop und Linth sowie die Migros-Bank. Laut Brancheninsidern zeichnet sich hier ein Management-Buyout ab.

Einer der neuen Konkurrenten auf dem Bankensoftwaremarkt ist Hewlett-Packard (HP). Ende April vereinbarte HP eine 20-jährige Zusammenarbeit über Outsourcing-Dienstleistungen mit der Berner Kantonalbank und weiteren Kundenbanken. Gleichzeitig hat HP basierend auf den beiden Rechenzentren und den Mitarbeitenden der Informatikfirma RTC ein Banking Service Center etabliert. Mehr als 400 RTC-Angestellte haben jetzt mit HP auch einen neuen Arbeitgeber. «Diese bilden den Kern unseres neuen Banking Service Center», sagt Hauke Stars, Chefin von HP in der Schweiz. «Im Grundsatz ist es eine klassische Outsourcing-Vereinbarung - Assets wurden nicht gekauft.»

Expansion nach Osten

Von Bern aus soll die von RTC entwickelte IBIS3G-Kernbankenlösung in weitere Länder «exportiert» werden. «IBIS3G wurde von unseren Experten, welche die Software im Vorfeld dieser Transaktion angeschaut haben, als sehr zukunftsträchtig gelobt», sagt Stars. Im Gegensatz zu andern Lösungen, die meist aus einem Guss seien, «ist die IBIS3G-Lösung sehr modular aufgebaut und damit flexibel einsetzbar».

Der modulare Aufbau ist wichtig: Nur so können Banken die IBIS3G-Lösung in Ergänzung zu ihren bestehenden, oft veralteten oder nur teilweise modernisierten Softwarelandschaften einsetzen. Neben der Weiterentwicklung sollen in den beiden Rechenzentren des Banking Service Center auch Hosting-Angebote hinzukommen. Weiter wird Applikationsentwicklung, Beratung und Output-Management angeboten, was Chancen eröffnet, zumal bei einigen Banken die Verträge über die Auslagerung ihrer Rechenzentren und den Betrieb ihrer Software erneuert werden müssen.

Der spezialisierte Bankensoftwaremarkt in der Schweiz ist indes bereits gut versorgt: Finnova sowie Avaloq haben viele ältere Kernbankenlösungen bereits ersetzt, inklusive der veralteten IBIS-Lösungen der ersten Generation. «Es gibt in der Schweiz noch einige interessante weitere Banken», meint jedoch Hauke Stars von HP. Für diese wäre eine Eigenentwicklung wie bei den Grossbanken UBS und Credit Suisse ein zu grosses Investment, weshalb sie auf eine schrittweise Erneuerung auf der Basis einer serviceorientierten Lösungsarchitektur setzten.

Namen will Stars zwar keine nennen, aber denkbar scheinen Banken in der Liga der Berner Kantonalbank. Für die Berner Kantonalbank könnte das auch ein eleganter Weg sein, die Kosten für die Neuentwicklung der Kernbankenlösung auf mehrere Anbieter zu verteilen. Hinzu kommt das Wachstumspotenzial neuer Märkte im Osten.

Konkurrenz bleibt gelassen

Gelassen gibt man sich bei der Konkurrenz. «Wir erwarten keine gravierenden Auswirkungen auf den schweizerischen Banken-Outsourcingmarkt, zumal die kommunizierte Stossrichtung auf dem Auslandsmarkt liegt», sagt Martin Schweikert, Sprecher von Swisscom IT-Services. «Der Markt für Kernbankenlösungen ist in der Schweiz momentan weitestgehend gesättigt, was sich dadurch zeigt, dass die Schweizer Anbieter vermehrt ins Ausland streben, wo noch mehr Nachholbedarf besteht», sagt Pierre Klatt, Chef von T-Systems in der Schweiz. IBM wollte die jüngsten Bewegungen nicht kommentieren.

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