Die britische Bank HSBC hat dank der wirtschaftlichen Erholung im ersten Quartal mehr verdient. Der Vorsteuergewinn kletterte um 4 Prozent auf 7,05 Milliarden Dollar, wie Europas grösstes Geldhaus am Dienstag mitteilte. Bankchef Stuart Gulliver sagte, die Rückstellungen für faule Kredite seien deutlich rückläufig gewesen, vor allem in Nordamerika und Europa. Zudem habe es einen spürbaren Anstieg der Einnahmen im Handel gegeben. Davon hatten zuletzt bereits zahlreiche andere Banken in den USA und Europa profitiert, aktuell etwa die Schweizer UBS.

HSBC mit Sitz in London ist traditionell in Asien stark vertreten. Das Institut erwägt derzeit, seine Zentrale zu verlagern. Es werde jedoch Monate dauern, bis eine Entscheidung stehe, sagte Gulliver. Sollte sich die Bank zu einem Umzug entschliessen, werde eine Hauptversammlung einberufen. Die Überlegungen seien nicht als Drohung gegen die britische Regierung zu verstehen. Beobachter halten eine Rückkehr von HSBC nach Hongkong für naheliegend, wo das Institut vor rund 150 Jahren gegründet wurde. Es zog erst 1993 nach London, als es die Midland Bank übernahm.

Aufsichtsbehörden schauen genau hin

HSBC war in den vergangenen Jahren immer wieder in Skandale verwickelt und wird deswegen nun wesentlich schärfer von den Aufsichtsbehörden unter die Lupe genommen. Die britische FCA habe gerade Informationen zur Schweizer Tochter angefordert, der vorgeworfen wird, Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Gulliver hat sich bereits für die dortigen Verfehlungen entschuldigt und von einer «Schande» für die Bank gesprochen. Der Fall habe das Ergebnis aber nicht übermässig belastet. «Wir haben in keinem Geschäftsfeld eine signifikante Veränderung wahrgenommen», so Gulliver.

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In den vergangenen Jahren lag der Fokus von HSBC auf dem Verkauf von Geschäftsteilen und massiven Einsparungen, die auf den Abbau Zehntausender Stellen zurückgehen. Dennoch erhöhten sich im ersten Quartal die operativen Kosten um sechs Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt sei gestiegen, ebenso in den Bereichen, die mit Aufsichtsbehörden in Kontakt stünden und weitere Skandale verhindern sollten, erklärte HSBC.

(reuters/ise/ama)