Die Spezialisten für Firmenübernahmen und Zusammenschlüsse (Mergers & Ac-quisitions, M&A) reiben sich die Hände. Ihre Auftragsbücher sind voll. Zahlreiche Schweizer Firmen aus dem mittleren Segment haben pralle Kassen und wollen wieder zukaufen. Es geht nicht mehr darum, wie in den beiden Jahren nach Ausbruch der Krise Notfallszenarien auszuarbeiten, Devestitionen in die Wege zu leiten und Nachfolgereglungen aufzuschieben. Vielmehr haben die Unternehmen jetzt konkrete Vorwärts- und Wachstumsstrategien im Visier. Die hiesigen Firmen profitieren von einem überdurchschnittlich gesunden und starken Heimmarkt und besitzen im internationalen Vergleich die höchsten Liquiditätsreserven; die Finanzierung von Deals ist kaum je ein Problem. Kommt hinzu, dass Schweizer KMU und Grosskonzerne gegenwärtig Transaktionen im Ausland günstig abwickeln können wegen des schwachen Dollar und Euro und des starken Frankens.

Die Trendwende im M&A-Markt setzte im 2. Quartal 2010 ein. In jenen drei Monaten kam es zu 141 Deals mit Schweizer Beteiligung, was gegenüber der Vorjahresperiode einem Plus von 32 Prozent entsprach. Zum Vergleich: Im 1. Quartal 2010 resultierte noch ein Minus von 10 Prozent. Gesamthaft kam es im letzten Jahr zu 560 angekündigten, hängigen oder abgeschlossenen Übernahmen und Fusionen, an denen ein Schweizer Unternehmen beteiligt war. Das entspricht gegenüber dem Jahr 2009 (477 Deals) einer Zunahme von 17,4 Prozent. Dies geht aus den exklusiv für die «Handelszeitung» zusammengestellten Tabellen und Übersichten des M&A-Unternehmens The Corporate Finance Group (TCFG) hervor.

Deutlich zugenommen hat wieder die Zahl der Mega-Deals, die die Milliardengrenze überschreiten. Spektakulär war zu Beginn 2010 die Ankündigung von Novartis, Alcons Mehrheitsbeteiligung von Nestlé für 28 Milliarden Dollar zu übernehmen. Im Dezember legte das Basler Unternehmen für die restlichen Alcon-Anteile weitere 12,9 Milliarden Dollar auf den Tisch. Nestlé schluckte ebenfalls zu Jahresbeginn das Tiefkühlpizza-Geschäft von Kraft-Foods für 3,7 Milliarden Dollar. Zu den grossen Akteuren gehörten ferner ABB, Glencore, die in Schaffhausen domizilierte Tyco Electronics und das Private-Equity-Haus CVC Capital Partners, das Sunrise erwarb.

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Die M&A-Spezialisten gehen davon aus, dass dieses Jahr in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Finanzdienstleistung vermehrt Transaktionen stattfinden werden. Besonders aktiv dürften finanziell robuste Pharmaunternehmen im Healthcare- und Life-Science-Bereich sein, die bereits im abgelaufenen Jahr tüchtig akquirierten.