Das Jahr 2002 war ein eher schwieriges Jahr für die Hupac. Welche Ziele haben Sie für das laufende Jahr gesetzt?

Bernhard Kunz: Für 2003 haben wir uns eine Steigerung des transportierten Volumens von etwa 7% vorgenommen, dies trotz der Schliessung des Tunnels Monte Olimpino II in Como.

Stichwort Qualität im Kombinierten Verkehr. Wird sich diese endlich muss man dazu bemerken angesichts der doch verstärkten Liberalisierungstendenzen bei den europäischen Bahnen markant verbessern in naher Zukunft?

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Kunz: Wir stellen fest, dass DB Cargo und SBB Cargo die beiden ersten Staatsbahnen in Europa sind, die über ihre Landesgrenzen hinaus Gütertransporte und Traktionsleistungen durchführen. Sie sind in der Lage, die notwendigen Investitionen wie zum Beispiel in Mehrstromloks zu tätigen. Dadurch können sicherlich die Bahnleistungen rationeller gestalten werden. Positiv beurteilen wir auch die Bestrebungen der DB Cargo zusammen mit der BLS, den Verkehr über die Lötschberg-Route weiter zu intensivieren. Inwieweit Trenitalia Cargo zukünftig Verkehre direkt in den Norden anbietet, wird sich zeigen. Diese Aktivitäten fördern den Wettbewerb; dies wird sich positiv auf die Qualität im Kombinierten Verkehr zwischen Nordeuropa und Italien auswirken.

Wie sieht es mit der Pünktlichkeit der Bahnen im vergangenen Jahr aus?

Kunz: Wenn das System Bahn qualitativ und infrastrukturell die Leistungen erbracht hätte, welche die Verlader von den Operateuren im Kombinierten Verkehr eigentlich erwarten, dann wäre eine Steigerung des Volumens trotz konjunkturellen Problemen im vergangenen Jahr von knapp 10% möglich gewesen. Derzeit sind 40 bis 50% der Hupac-Züge auf der Verkehrsachse GotthardLuino pünktlich, der Rest erleidet immer noch Verspätungen von 1 bis zu 6 Stunden.

Nach verschiedenen erfolglosen Versuchen, eine vertiefte Zusammenarbeit mit den italienischen Bahnen zu finden, gründet SBB Cargo eine eigene Gesellschaft, um den grenzüberschreitenden Güterverkehr in eigener Regie zu betreiben. Wie beurteilt Hupac dieses Vorhaben?

Kunz: Der Entscheid zur Gründung einer eigenen Bahngesellschaft, welche im Raum Mailand aktiv werden soll, ist ein mutiger Schritt, den wir sehr begrüssen. Es braucht Wettbewerb, und dieser wird dafür sorgen, dass das Preis-/Leistungsverhältnis besser wird. Wenn der Markt sich entsprechend entwickelt, werden die Bahnen davon in Form von höheren Volumen profitieren.

Mittlerweile verfügt die Hupac über drei eigene Lokomotiven.

Will man in Zukunft, wenn die Bahnen die notwendige Leistungsfähigkeit nicht gewährleisten, Güterzüge in eigener Regie fahren?

Kunz: Die Frage, ob wir selber als Traktionsunternehmen aktiv werden, wird uns häufig gestellt. Wir wollen jedoch, dies möchte ich unterstreichen, bei unseren Kernkompetenzen als Operateur im Kombinierten Verkehr bleiben. Konkret: Wir engagieren uns in erster Linie im Erbringen von Transportleistungen im Kombiverkehr, und dies mit einem bestmöglichen Preis-/Leistungsverhältnis.

Trotzdem beteiligte sich die Hupac im vergangenen Jahr einerseits an der Swiss Rail Cargo Köln GmbH mit 5% und anderseits an der DLC, der ersten privaten Bahngesellschaft in Belgien, mit 40%.

Kunz: Das trifft zu. Wir unterstützen die Privatisierung im Bahnsektor aktiv. Demnächst werden wir auch in Italien den Free Access nutzen.

In welchem Bereich?

Kunz: Für spezielle eigene Logistikleistungen in erster Linie die Stellung und Rückführung von Rollmaterial von und zu den Werkstätten werden wir mit zwei eigenen Lokomotiven Züge zwischen Busto und Chiasso fahren.

Wie waren die ersten Erfahrungen mit der Swiss Rail Cargo Köln GmbH?

Kunz: Sehr positiv, wir haben einen Ganzzug, den wir bis anhin durch Frankreich führten, auf deutsche Strecken und einen neuen Zug zwischen Belgien und Busto über deutsche Strecken umgeleitet. Dadurch konnte die Qualität verbessert werden. Die Kunden haben dies sehr begrüsst.

Die Verkehre über die Lötschberg-Strecke der RAlpin, welche von der Hupac operativ betreut werden, haben sich mehr als verdoppelt. Geht dieser Trend so weiter?

Kunz: Trotz Qualitätsproblemen auf dieser Strecke konnten die Transportleistungen stark erweitert werden. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir auch den unbegleiteten Verkehr in Zukunft weiter ausbauen, vor allem, wenn die geplanten Investitionen zwischen Domodossola und Gallarate in das neue Profil auf dieser Strecke realisiert sein werden.

Erbrachten die Versuche am Gotthard mit neuen Tragwagen für Lastwagen bis 4 m Eckhöhe die notwendigen Resultate, um eine grössere Tranche solcher Wagen bestellen zu können?

Kunz: Die Tests verliefen positiv, sie bestärkten uns auch in der Annahme, dass das Angebot für Transporte von Lastwagen mit 4 m Eckhöhe auch über den Gotthard gefragt sein wird. Einen definitiven Entscheid für die Bestellung der neuen Wagen haben wir allerdings noch nicht gefällt.

Sind neue Verbindungen zwischen Nordeuropa und Busto in diesem Jahr geplant?

Kunz: Wir planen die Einführung eines zusätzlichen Zuges zwischen Mannheim und Busto. Wir überlegen uns auch weitere Verbindungen zwischen Deutschland und dem Benelux-Raum nach Brescia. Sehr erfreulich entwickelt hat sich unser Verkehr zwischen Norditalien und Malmö, via Gateway Taulov, der mittlerweile auf drei Ganzzüge pro Woche ausgebaut werden konnte. Ein viertes Zugspaar ist bereits in Planung.

In unserem letzten Gespräch forderten Sie, dass die Güterzüge prioritärer behandelt werden sollten. Hat sich hier in der Zwischenzeit etwas bewegt?

Kunz: Wir müssen die Mentalität im Güterverkehr endlich ändern. Der Unbegleitete Kombinierte Verkehr (UKV) wird sich auf der Nord-Süd-Achse durch die Schweiz in den kommenden Jahren zum wichtigsten Segment der Bahnen entwickeln. Dieser Verkehr muss prioritärer als bisher behandelt werden, damit er sich gegenüber der Strasse behaupten kann. Die Operateure im Kombiverkehr müssen Transportleistungen anbieten können, die der Strasse ebenbürtig sind, damit sie den Auftrag des Bundes, den Güterverkehr durch die Schweiz verstärkt auf die Schienen zu verlagern, auch erfüllen können.

Erfreulich ist die Entwicklung im maritimen Verkehr, welcher 2002 überdurchschnittliche Zuwachsraten erzielte. Wird dies 2003 so weitergehen?

Kunz: Vor drei Jahren wurden erst 5000 TEU befördert, letztes Jahr waren es bereits 45000 TEU. Und für das laufende Jahr rechnen wir mit 60000 TEU im Maritim-Verkehr. Mit den neuen Verbindungen zwischen den italienischen Häfen Genua, La Spezia und Livorno via Busto/Chiasso nach Nordeuropa können wir zeitlich interessante Transportverbindungen anbieten.

Anlässlich des 30-Jahre-Jubiläums startete die Hupac letztes Jahr die Aktion, dem Kunden bei Verspätungen von mehr als 2 Stunden 10% des Transportpreises zurückzuzahlen. Wie viel hat diese Aktion gekostet?

Kunz: Zu viel! Wir sowie auch unsere Kunden wollen, dass die Ware fahrplanmässig übergeben wird, da auch der 10%ige Qualitätsrabatt die Folgekosten nicht annähernd deckt. Hupac wird diese Aktion auch in diesem Jahr weiterführen, und die Bahnen werden stärker in die Pflicht genommen.

DB Cargo hat sich mit 50% an der deutschen Kombiverkehr beteiligt, die ÖBB will ihre Beteiligung an der Ökombi von 30 auf 50% erhöhen. Wie beurteilt man bei der Hupac den sich offenbar verstärkenden Trend der europäischen Bahnen, sich die Operateure im Kombiverkehr einzuverleiben?

Kunz: Unserer Ansicht nach ist dies nicht der richtige Weg. Die Zusammenarbeit zwischen SBB und Hupac ist ein gutes Modell. Die SBB sind für die Traktionsleistungen zuständig, während Hupac die gesamte Vermarktung und den Betrieb abdeckt. Dabei spielen die Besitztumsverhältnisse eine untergeordnete Rolle. Bei Bahnen, die sich zu Logistikanbietern entwickeln, wie zum Beispiel DB Stinnes, ist die Frage der Neutralität ein zentrales Thema. Bei einer Mehrheitsbeteiligung der Bahnen an den Kombiverkehrs-Gesellschaften ist die Neutralität gegenüber dem Kunden nicht mehr gewährleistet. Die Hupac vertritt die Politik einer klaren Trennung zwischen dem Traktionär, also der Bahn, und den Vermarktern der Schienengütertransporte im Kombisegment.

Die Umschlagsanlage Gallarate soll kräftig ausgebaut werden. Liegt man hier im Zeitplan?

Kunz: Derzeit sind wir daran, das vorgesehene Gelände zu roden und für die Bauarbeiten vorzubereiten. Wir gehen davon aus, die neue Anlage im Jahr 2005 eröffnen zu können. Gleichzeitig muss man sich aber bereits Gedanken über die Errichtung weiterer Umschlagsanlagen, vor allem östlich von Mailand in der Region Bergamo/ Brescia, machen. Da die Terminals das wichtigste Bindeglied zwischen Strasse und Schiene bedeuten.

Steckbrief

NAME: Bernhard Kunz
JAHRGANG: 1957
AUSBILDUNG: Speditionskaufmann
ZIVILSTAND: Verheiratet, zwei Kinder
FUNKTION: Direktor der Hupac Intermodal SA, Chiasso