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Einigung
Hypotheken-Streit wird teuer für die Deutsche Bank

Deutsche Bank: Hat nun Klarheit, wie schmerzhaft es wird. Keystone

Faule Hypotheken-Deals kosten die Deutsche Bank in den USA mehr als 7 Milliarden Dollar. Für alle Rechtsstreitigkeiten hatte das Institut per Ende September nur knapp 6 Milliarden Euro zurückgestellt.

Veröffentlicht am 23.12.2016

Ihre Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt kosten die Deutsche Bank mehr als 7 Milliarden Dollar. Davon muss das Institut zunächst aber nur 3,1 Milliarden zahlen, wie es in der Nacht zum Freitag nach einer Grundsatzeinigung mit dem US-Justizministerium bekanntgab. Das dürfte Deutschlands grösstes Geldhaus aus eigener Kraft schaffen. Der Rest der Summe wird in den kommenden Jahren in Form von Verbraucherentschädigungen fällig.

Die Vergleichsverhandlungen liefen seit September auf Hochtouren. Bankchef John Cryan hatte sich persönlich eingeschaltet, um das Schlimmste abzuwenden. Denn ursprünglich hatte eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Dollar im Raum gestanden. Das sorgte an den Finanzmärkten zeitweise für Panik, die Aktie stürzte ab und Kunden liefen in Scharen davon. Denn die Reserven der Bank, die mitten in der Sanierung steckt, sind knapp.

«Es gibt keine Garantie»

Auch jetzt ist die Unsicherheit noch nicht komplett gebannt. Die Deutsche Bank will den Hypothekenstreit zwar unbedingt noch mit der scheidenden US-Regierung von Barack Obama beilegen, wie Insider zur Nachrichtenagentur Reuters sagten. Doch das Geldhaus musste einräumen, dass die Tinte noch nicht trocken ist - auch wenn für das Schlussquartal schon jetzt eine Milliardenbelastung erwartet wird: «Es gibt keine Garantie, dass sich das US-Justizministerium und die Bank darauf einigen werden.» Das US-Justizministerium äusserte sich zunächst nicht zu dem Fall.

Offenbar hatten die Entwicklungen bei Barclays den Druck erhöht, zumindest eine Grundsatzeinigung bekanntzugeben: Die britische Grossbank wird wegen ähnlicher Vorwürfe von der US-Seite nun verklagt, weil sie sich deren Strafforderungen nicht beugen wollte.

Hypothekenthema akribisch aufgearbeitet

Der Hypothekenstreit ist eine der grössten Altlasten der Deutschen Bank. Die Aufsichtsbehörden sehen es als erwiesen an, dass das Institut vor der Finanzkrise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt unsaubere Geschäfte machte: Es bündelte faule Hypotheken in hochkomplexe Wertpapiere, die mit dem Einbruch auf dem US-Häusermarkt 2007 auf einen Schlag wertlos wurden und bei vielen Anlegern zu hohen Verlusten führten. Während die Bank die Papiere als sicheres Investment verkaufte, wettete sie intern längst auf den grossen Crash, wie 2011 aus einem vernichtenden Untersuchungsbericht des US-Senats hervorging.

Die US-Behörden haben das Hypothekenthema seither akribisch aufgearbeitet. Zunächst wurden wegen ähnlicher Geschäftspraktiken die heimischen Finanzinstitute belangt und mussten hohe Strafen abdrücken, jetzt sind die europäischen Investmentbanken an der Reihe. 

Bank muss Schippe drauflegen

Die Deutsche Bank hat nun zumindest Klarheit, wie schmerzhaft es wird. Für alle Rechtsstreitigkeiten - und die Liste ist lang - hatte das Institut per Ende September knapp 6 Milliarden Euro zurückgestellt. Finanzkreisen zufolge war davon weniger als die Hälfte für den Hypothekenstreit reserviert. Mit anderen Worten: Die Bank muss hier noch eine Schippe drauflegen, was sie im laufenden Schlussquartal auch tut: Sie erwartet allein durch die Zivilbusse eine Ergebnisbelastung vor Steuern von 1,17 Milliarden Dollar.

Neben der Strafzahlung sollen 4,1 Milliarden Dollar als Erleichterungen für die US-Verbraucher bereitgestellt werden, und zwar über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren. Hier hat die Bank also keinen unmittelbaren Druck. «Ob die Erleichterungen für Verbraucher finanzielle Auswirkungen haben, hängt von den endgültigen Bedingungen des Vergleichs ab. Derzeit wird daraus kein wesentlicher Einfluss auf das Ergebnis des Geschäftsjahres 2016 erwartet», teilte die Bank mit.

Höchste Busse für Bank of America

Eine Kapitalerhöhung, über die Analysten immer wieder spekulieren, scheint damit zunächst kein Thema zu sein. Die Bank selbst wollte sich dazu nicht äussern. Vorstandschef Cryan hatte immer wieder betont, dass er diesen Weg unbedingt vermeiden will. Die Deutsche Bank hat aber auch noch andere grosse Rechtsstreitigkeiten offen, die sie zeitnah abarbeiten will und die sehr teuer werden könnten: der Geldwäsche-Skandal in Russland, mutmassliche Sanktionsverstösse bei Iran-Geschäften und Manipulationen auf dem billionenschweren Devisenmarkt.

Die führende US-Investmentbank Goldman Sachs hatte im April in einem Vergleich etwas mehr als 5 Milliarden Dollar zahlen müssen. Die bislang höchste Busse wurde 2014 der Bank of America mit etwas mehr als 16 Milliarden Dollar aufgebrummt, wobei die Fälle schwer vergleichbar sind.

UBS schraubte Rückstellungen nach oben

Auch gegen die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse waren im Zusammenhang mit Hypothekengeschäften in den USA Zivilklagen und Untersuchungen von Regulatoren hängig, darunter auch des US-Justizministeriums. Die UBS schraubte per Ende Oktober dieses Jahres ihre Rückstellungen für Rechtsfälle am US-Hypothekenmarkt deutlich nach oben. Die Grossbank hat nun für sämtliche Verfahren 1,405 Milliarden Dollar zurückgelegt. Zur Jahresmitte waren es 988 Millionen Dollar.

Die Analysten von JP Morgan hatten für diese Fälle zuletzt eine Busse von total 2 Milliarden Dollar für die UBS erwartet. Insgesamt stiegen die Rückstellungen der UBS für Rechtsfälle damit von 2,68 Milliarden Ende Juni auf 2,98 Milliarden Franken.

CS hat 1,6 Milliarden zurückgestellt

Die Credit Suisse weist den Betrag für die Hypothekenmarkt-Rechtsfälle nicht gesondert aus, Ende 2015 hatte sie für alle Rechtsstreitigkeiten 1,6 Milliarden Franken zurückgestellt.

(reuters/sda/tno/jfrƒ)

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