Bei Volkswagen zeichnet sich eine Verschärfung des Konflikts zwischen Grossaktionär Porsche und dem VW-Vorstand um Konzernchef Martin Winterkorn ab: «Der VW-Konzern hat noch viele Baustellen», sagte Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) letzte Woche in Frankfurt. Als Beispiele nannte Wiedeking die Angebotspalette, die noch «ausgeweitet werden» könne, sowie die Abstimmung der Konzernmarken untereinander: «Da kann noch viel optimiert werden», so Wiedeking.

Erst kürzlich hatte der Porsche-Chef mit Blick auf den VW-Haustarifvertrag und die starke Stellung der Arbeitnehmervertreter betont, es dürfe keine «heiligen Kühe» geben. Er sprach von «Themen, die auf die Tagesordnung kommen». Porsche ist mit 31% der Aktien grösster Anteilseigner bei VW und hat angedeutet, nach mehr Einfluss zu streben.
Winterkorn wies auf der IAA die Kritik zurück. «Wir diskutieren im Moment den Haustarifvertrag nicht.» Eine Diskussion über Mitbestimmung und Tarifverträge sei kontraproduktiv. Man dürfe die Menschen «nicht demotivieren».

12 neue Modelle von Volkswagen

Mit einer Modelloffensive will Europas grösster Autobauer in den nächsten Jahren Absatz und Gewinn kräftig steigern. Winterkorn kündigte auf der IAA bis 2010 zwölf neue Modelle an. Dies seien ganz neue Produkte – zumeist in Segmenten, in denen das Unternehmen bisher noch nicht vertreten sei. Auf dem schwierigen US-Terrain sollen von 2009 an speziell für diesen Markt gebaute Autos VW wieder voranbringen. Die Rendite will Winterkorn in ein bis drei Jahren in zweistellige Höhen bringen.
Angesichts der Klimadebatte will VW nun doch bis Ende des Jahrzehnts ein Auto vorantreiben, das auf 100 km nur 1 l Benzin verbraucht. «Wir wollen das Ein-Liter-Auto 2010 auf den Markt bringen», zitierte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Auf die Frage, warum VW das Ein-Liter-Auto nicht schon längst zur Serienreife gebracht habe, antwortet Piëch: «Als wir das Auto vor fünf Jahren vorgestellt haben, lagen die Produktionskosten bei 35000 Euro. Heute liegen sie bei 5000 Euro.»
Dagegen äusserte sich Wiedeking kritisch zur Debatte über den Klimaschutz. «Internationale Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze, Produktinnovationen, Konjunktur – alles anscheinend nur noch zweitrangig.» Am «deutschen Automobilwesen» könne «anscheinend die ganze Welt klimatisch genesen», so Wiedeking.
Der Porsche-Chef präsentierte unterdessen erste vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2006/07. Danach stieg der Absatz um 0,7% auf 97515 Autos.

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Fast ein Modellauto

Konzept
Um 2010 wird VW eine völlig neue Autogeneration auf den Markt bringen – einen Kleinstwagen unterhalb des Erfolgsmodells Polo. Das Fahrzeug wird auf der IAA in Frankfurt gezeigt. Es ist noch nicht fahrfertig, aber im Design weitgehend abgeschlossen.

Preis
Der Kleinst-VW mit dem Motor im Heck wird eine Länge von etwa 3,50 m haben. Qualitativ verspricht VW gehobenen Standard. Der Preis wird um die 9000 Euro liegen. Eine viertürige Variante wird später nachgeschoben.