Wer ist unter Ihren Private-Banking-Kunden grosszügiger im Spenden: die Schweizer oder die Ausländer?

Eric G. Sarasin: Ich beobachte bei der Mehrheit der europäischen Kunden, die ich betreue, eine grosse Bereitschaft für Gemeinnützigkeit - unabhängig von der Nationalität. Unterschiede gibt es aber, wie die Gemeinnützigkeit verstanden und gelebt wird - und dementsprechend zum Beispiel auch, wie der Erblasser in seinem Nachlass die Legate vergibt. So ist hierzulande unpersönliches Fund-Raising sehr verbreitet, während etwa in den USA sehr viel über Benefizveranstaltungen oder auch die Service Clubs läuft.

Welches sind die Hauptförderziele?

Sarasin: Eher von untergeordneter Bedeutung ist die Unterstützung von kulturellen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Zwecken. Im Vordergrund steht stattdessen zum einen der Bereich Natur. Zum anderen, mindestens so wichtig wie der Bereich Natur, ist die Unterstützung von Menschen bei Armut, Krankheit und Behinderung - via Zuwendungen für Organisationen wie Caritas, Lungenliga, Médecins Sans Frontières, Krebsliga oder Stiftung Krebsforschung Schweiz. Gerade bei Krebs spielt der persönliche und emotionale Bezug eine grosse Rolle.

Sarasin ist Depotbank für den Cancer Charity Support Fund, kurz CCSF. Dieser kommt auf knapp 19 Millionen Franken Fondsvermögen. Das ist wenig für einen Fonds mit einem Anlagefokus, der uns alle betrifft beziehungsweise treffen könnte ?

Sarasin: Bisher wurde er nicht gross propagiert. Aber dieses Jahr sind Kampagnen geplant, um ihn bekannter zu machen.

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An wen richtet sich dieser Fonds?

Sarasin: Vermögende Anleger managen ihre Gelder selber und spenden separat Beiträge à fonds perdu. Der CCFS dagegen richtet sich ans breitere Publikum, das Vermögensverwaltung und Spende kombinieren will - das also den Kampf gegen den Krebs unterstützen möchte und dafür bereit ist, auf die Hälfte der Anlageperformance zu verzichten.

Wie viel Geld konnte denn der Fonds seit seiner Lancierung Ende Juli 2009 spenden?

Sarasin: 2009 sind über 100 000 Franken für die Krebsliga und die Stiftung Krebsforschung Schweiz zusammengekommen, 2010 waren es schon 200 000 Franken. Für das laufende Jahr rechnen wir mit einer halben Million. Die Beträge umfassen die Spenden durch die Anleger, die auf die Hälfte der Performance verzichten, sowie die Spenden von Fondsleitung, Fondsmanagement und Depotbank, die auf die Hälfte ihrer Gebühren verzichten. Letzteres macht jährlich knapp ein Prozent des Fondsvermögens aus. Indirekt dem Kampf gegen den Krebs dient auch, dass das Fondsvermögen zu etwa 20 Prozent in Pharma- oder Biotechfirmen investiert ist, die stark im Bereich Onkologie forschen. Der andere Teil wird nach Nachhaltigkeitskriterien bewirtschaftet.

Sind Charity-Fonds das Zukunftsmodell für karitative Organisationen?

Sarasin: Schwer zu sagen. Wichtig ist jedenfalls, dass die Anlagen solcher karitativer Fonds nicht losgelöst vom Förderziel in eine x-beliebige Portfoliooptimierung fliessen, sondern nachhaltig angelegt werden. Solche Anlagestrategien stehen übrigens auch immer mehr im Vordergrund von wohltätigen Stiftungen, denn diese wollen ihr Geld nicht irgendwie investieren, sondern möglichst sozialverträglich.