Herr Grainger-Herr, Sie führen IWC seit drei Jahren. Ihre Highlights?
Eines ist sicher die Eröffnung unseres Manufakturzentrums, dank dem wir nun sehr agil und eigenständig geworden sind. Ein anderes war die Umrundung der Welt mit der Spitfire. Sie wird als die erfolgreichste IWC-Kampagne aller Zeiten in die Geschichte eingehen.

Ihr grösstes Learning?
Dass sich Uhrendesign fundamental von Architektur oder Industriedesign unterscheidet, wo man im Entstehungsprozess dank Technologie nahezu die totale Kontrolle über das Endergebnis hat. Uhren dagegen muss man physisch entwickeln und dann am Handgelenk validieren oder verwerfen. Um schneller zu sein, produzieren wir nun von jeder Designidee immer mehrere Varianten.

Ihre wichtigste Aufgabe?
Herauszufinden, ob die Leute verstehen, was IWC ist und was nicht. 75 Prozent unserer Entscheide basieren auf der Frage: Ist das richtig für IWC oder nicht? Antwort liefern weder Excel-Sheets noch eine Entscheidungsmatrix; es ist ein Gefühl, man kann das nicht lernen, man hat es oder man hat es nicht.

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Christoph Grainger-Herr

Er stammt aus Frankfurt, hat in London und Basel Innenarchitektur studiert und als Gestalter des IWC-Uhrenmuseums zur Marke gefunden. Als IWCler hat er dann die Boutiquen gestaltet, war in der Kommunikation, im Marketing, im Verkauf – elf Jahre lang. Im Frühling 2017 erbte Christoph Grainger-Herr von seinem Förderer Georges Kern den CEO-Posten. 

Was ist IWC, was nicht?
IWC ist zum Beispiel nicht ein Métier d’Art. Unser uhrmacherischer Ansatz ist, eine Problemstellung möglichst benutzerfreundlich und funktional zu lösen.

Welches sind die wichtigsten Neuheiten 2020?
Das Jahr steht im Zeichen der Portugieser-Familie. Wir haben den Chronographen lanciert, nun kommen eine 40-mm-Automatik und ein Ewiger Kalender in der Zwischengrösse 42 mm dazu, alle mit eigenen Werken und ohne nennenswerten Preisaufschlag.

Was tragen Sie gerade für eine Uhr?
Die Big Pilot Rodeo Drive mit Ewigem Kalender. Ich dachte, ich statte mich in dieser Zeit mit einer Uhr aus, die zuverlässig ist für die nächsten 499 Jahre.

Was für Schlüsse ziehen Sie sonst noch aus der Krise?
Viele. Etwa dass Just-in-time-Produktion nicht per se ein Erfolgsrezept ist. Ich lobe mir jedenfalls gerade jeden Lagerbestand.

Ihre Motivation?
Dank der Arbeit der letzten drei Jahre sind wir gut aufgestellt, und ich habe ein Team, auf das ich mich zu 100 Prozent verlassen kann. Ich möchte die jetzige Situation mit keinem anderen Team und in keiner anderen Firma durchleben.

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