Neulich haben Sie in einer Brandrede die Verursacher der Finanzkrise gegeisselt. Sind Sie mit dem 700-Mrd-Dollar-Rettungspaket von US-Finanzminister Henry Paulson zufrieden?

Nicolas G. Hayek: Das angekündigte Rettungspaket könnte die sachlichen Probleme ein wenig lindern. Aber vergessen wir nicht, dass der Schuldenberg der USA damit weiter anwächst und dass dies nicht ohne Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft bleiben kann. Bundesrat Hans-Rudolf Merz charakterisierte das Rettungspaket treffend mit den Worten, dass die US-Regierung das Feuer mit Dynamit lösche.

Soll sich die Schweiz an dieser Rettungsaktion beteiligen?

Hayek: Die Ursache der Krise liegt in den USA. Via UBS, Credit Suisse und andere Banken ist die Schweiz bereits massiv involviert. Mehr kann man von der Schweiz meines Erachtens nicht verlangen.

Was schlagen Sie vor, um solche Krisen künftig zu verhindern?

Hayek: Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass trotzdem grosse Aktienpakete ? mit der «gütigen» Mithilfe einiger «ehrenwerter» Finanzinstitute unter Umgehung des Gesetzgebers ? die Hand gewechselt haben. Es gilt, Regelungen zu schaffen, die den Erwerb von Aktienpaketen auf Investoren beschränkt, die mit der Kultur, den Produkten und Zielen des betreffenden Unternehmens vertraut sind. Prüfenswert ist zudem, ob bestimmte Aktienkäufe an die Zustimmung der anderen Aktionäre geknüpft werden sollten.

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Sie reden über massive Beschränkungen. Was ist von der Unternehmerseite zu erwarten?

Hayek: Nicht nur die Banken, sondern auch die Unternehmen sollen sich an der Reform der Finanzmärkte stark und paritätisch beteiligen. Angesetzt werden müsste aber nicht nur beim Kauf von Aktienpaketen, sondern auch bei der Publikation von Daten, die mehr den Konkurrenten als dem Aktionär dienen, oder bei der Kompetenz jener Analysten, deren Treffsicherheit weniger gut ist als ein Blick in die Kristallkugel.

Wie können Analysten ihre Prognosesicherheit verbessern?

Hayek: Ich schlage einen zuverlässigen Massstab für die Beurteilung von Aktien und den Wert einer Unternehmung vor. Dazu braucht es eine neutrale Kontrollstelle, welche ihrerseits regelmässig die Leistungen der Analysten misst. Es darf zudem nicht sein, dass die Ausbildung der Analysten nur den Banken alleine überlassen wird, sondern sie sollte ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Industrie definiert werden. Investoren müssen vor oberflächlichen Empfehlungen geschützt werden.

Trifft es Sie, dass die Swatch-Aktie seit einem Jahr konstant fällt?Hayek: Meine Aktien dienen nirgendwo als Sicherheit. Mir schadet es nicht, wenn der Wert meiner Aktien während ein paar Tagen oder sogar länger tiefer ist, solange es meiner Firma so glänzend geht. Brauchen Sie die Anleger nicht?

Hayek: Ein Banker schlug eine Roadshow vor. Ich sollte also, anstatt die Firma zu führen, in London, New York oder Timbuktu die Leute überzeugen, dass meine Aktien mehr wert sind. Auf meine knappe Antwort, dass ich Uhren, nicht Aktien verkaufe, war er sprachlos und schaute mich an, als hätte ich den Verstand verloren.

Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn Sie Vertreter des Finanzsektors kritisieren. Laufen Sie damit nicht Gefahr, Ihre Kunden zu vergraulen?Hayek: Ich ziele nicht auf die ganze Branche ab, sondern die kleine Zahl derer, die vor allem in den angelsächsischen Börsen agieren und jene, die sich die angelsächsische Börsenmentalität zu eigen gemacht haben. Einen Bezug zwischen ihnen und dem Absatz von Swatch-Uhren herzustellen, finde ich schlicht einen Unfug.Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich ein Zusammenhang zwischen Kaufverhalten und Finanzkrise abzuzeichnen beginnt. Schliesslich müssen die Banker auf hohe Boni für 2008 verzichten. Was heisst das für Swatch?Hayek: Aufgrund unserer letzten Schätzungen sieht es ganz danach aus, dass wir ein sehr gutes 2. Semester 2008 haben werden. Im Moment erleben wir immer noch in unseren verschiedenen Firmen ein starkes Wachstum.