Wer hat das Konto von Novartis mit den 72-Millionen Franken an den Finanzblog «Inside Paradeplatz» verraten? Diese Frage treibt die Novartis-Verantwortlichen in den letzten Tagen um. Dies offenbar so sehr, dass ein Novartis-Sprecher zur Zeitung «Sonntag» sagte: «Novartis prüft die rechtlichen Möglichkeiten im Zusammenhang mit der bekannt gewordenen Indiskretion.» Das heisst, Novartis plant eine Klage wegen Bankgeheimnisverletzung gegen Unbekannt.

Nachdem sich Daniel Vasella an der Generalversammlung der Novartis nicht für die Entgegennahme des 72-Millionen-Vertrages entschuldig hat, kommt jetzt der nächste Kommunikations-GAU.

Der Zürcher PR-Experte Klaus J. Stoehlker stellt die Frage, ob der Novartis-Kommunikationschef kompetent ist und die Schweizer Öffentlichkeit versteht: «Der Einsatz ausländischer Kommunikationschefs bringt das Zusatzrisiko, dass sie die Konzernleitung in Fragen nationaler Kommunikation nicht wirklich beraten können.»

Im Zuge falsch eingeschätzter Schweizer Befindlichkeiten hat Novartis nun in der Wochenendpresse zum Hallali auf den Geheimnisverräter geblasen - und auch hier das Echo komplett falsch eingeschätzt. «Selbstverständlich war dies ein Fehler. Novartis hat damit das für das Unternehmen unangenehme Thema unnötigerweise verlängert» sagt Klaus J. Stöhlker.

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Wo ist der Schuldige

Novartis-Chefjurist Felix Ehrat ist derzeit am Ausloten der Jagd-Methoden. Denn selbst wo genau er ansetzen muss, ist vielen noch nicht ganz klar. Laut «Sonntag» ist bis jetzt nicht bekannt, ob es wirklich ein Konto bei der Bank Notenstein gibt. Der oberste Staatsanwalt des Kantons St. Gallen, Thomas Hansjakob, ist bislang nicht von sich aus aktiv geworden, so die Zeitung. Dies weil die St.Galler nicht wissen, welche Ostschweizer Bank derzeit die 72-Millionen hortet.

Die öffentlich gewordene Suche schadet Novartis weiter. «Die Suche nach dem «Sünder» bestätigt die Vermutung, dass Novartis die 72-Millionen heimlich an Vasella überweisen wollte» sagt Kommunikationsberater Marcus Knill. Da bleibe das ungute Gefühl zurück «dass man ein Fehlverhalten vertuschen wollte».

Novartis muss schon mit den Nachwehen der GV vom letzten Freitag fertig werden und hat sich am Sonntag noch den Kommunikations-GAU rund um die Banken-Indiskretion aufgeladen. Kommunikativ hat der Pharmakonzern in den letzten Tagen für Marcus Knill zu viel falsch gemacht. Das müsse Konsequenzen haben: «Ich würde nach diesen Fehlleistungen als Kommunikationschef zurücktreten.»

So wird der Jäger zum Gejagten. Novartis hätte die Sache besser auf sich beruhen lassen – nun ist die Öffentlichkeit mit im Spiel und es braucht nicht viel Fantasie um zu erkennen, auf welcher Seite sie steht.